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Aus der Stadt Welche Rolle spielte Abbas A.?
Hannover Aus der Stadt Welche Rolle spielte Abbas A.?
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22:53 05.02.2016
Abbas A. soll ein Mitglied der Terrorzelle sein, die einen Anschlag in Berlin geplant haben soll. Doch wie tief war der junge Mann wirklich in die Vorbereitungen verstrickt?   Foto: Dillenberg
Abbas A. soll ein Mitglied der Terrorzelle sein, die einen Anschlag in Berlin geplant haben soll. Doch wie tief war der junge Mann wirklich in die Vorbereitungen verstrickt? Foto: Dillenberg Quelle: Uwe Dillenberg
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Einen Tag nach den Razzien gegen vier islamistische Terrorverdächtige in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hannover und Isernhagen H.B. hat die Berliner Generalstaatsanwaltschaft weitere Details zu ihren Ermittlungen bekannt gegeben. Demnach gab es bereits im Dezember vergangenen Jahres erste Hinweise auf die mutmaßliche Terrorzelle, zu deren Mitgliedern auch Abbas A. gehören soll. Den konkreten Tipp, dass die vier Verdächtigen Unterstützer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) seien, habe ein ausländischer Geheimdienst den deutschen Fahndern aber erst am 10. Januar gegeben. Als sich die vier Algerier bei den anschließenden Überwachungsmaßnahmen nach Ansicht der Ermittler sehr auffällig und konspirativ verhielten, entschloss sich die Polizei zu den Durchsuchungen und Festnahmen am Donnerstag, bei denen auch die Flüchtlingsunterkunft in Isernhagen durchsucht wurde, in der Abbas A. wohnt. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem hannoverschen Verdächtigen:

Gibt es neue Anschuldigungen gegen den 25-Jährigen?

Nein. Die Behörden werfen ihm die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat vor. Zudem soll er Kontakte in die Islamistenhochburg Brüssel-Molenbeek gehabt haben.

Hat der Verdächtige inzwischen bei der Polizei eine Aussage gemacht?

Am Tag der Razzia wurde Abbas A. mehrere Stunden lang von den Ermittlern befragt - ohne Ergebnis. Am Ende unterbreiteten ihm die Fahnder ein sogenanntes Vernehmungsangebot. „Wir äußern uns nicht dazu, welche der Verdächtigen das Angebot angenommen haben und welche nicht“, sagte ein Behördensprecher am Freitag auf Nachfrage der HAZ.

Warum wurde kein Haftbefehl für Abbas A. beantragt?

Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft gibt es bis heute keinen dringenden Tatverdacht gegen den 25-Jährigen. Dieser muss aber unbedingt vorliegen, damit ein Haftbefehl überhaupt erst beantragt werden kann. Die beiden Komplizen von Abbas A., die seit der Razzia am Donnerstag im Gefängnis sitzen, wären vermutlich ebenfalls noch auf freiem Fuß, wenn gegen sie nicht Haftbefehle aus anderen Ermittlungen (wegen Urkundenfälschung beziehungsweise Verbindungen zur Terrormiliz IS) vorgelegen hätten. Die Behörden erhoffen sich, durch die Auswertungen der sichergestellten Laptops und Handys weiteres belastendes Material in die Hände zu bekommen, das dann möglicherweise zur Beantragung eines Haftbefehls auch für Abbas A. ausreicht. Doch bis dahin werden noch einige Wochen vergehen - Zeit, die der 25-Jährige nutzen könnte, um unterzutauchen.

Haben die Ermittlungen bislang andere Konsequenzen für Abbas A. nach sich gezogen? Bislang hat sich um den jetzt terrorverdächtigen Algerier in der Flüchtlingsunterkunft ein Betreuer gekümmert. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Es habe am Freitag ein Abschlussgespräch mit dem 25-Jährigen gegeben, in dem er A. mitgeteilt habe, dass er sich künftig nicht mehr um ihn kümmern werde, sagt der Betreuer. Dennoch ist der junge Mann nicht auf sich allein gestellt. Das Flüchtlingsheim wird betreut von ehrenamtlichen Helfern, die auch weiterhin in dem ehemaligen Gasthof tätig sind. Unklar ist, ob Abbas A. demnächst nicht in eine andere Unterkunft umziehen muss, weil die übrigen der mit ihm untergebrachten Flüchtlinge sich von ihm und seinen mutmaßlichen Kontakten eingeschüchtert fühlen. Die Gemeinde Isernhagen hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Warum ermittelt nicht der Generalbundesanwalt?

Steht der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat im Raum, übernimmt meist die Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen. Das aktuellste Beispiel dafür ist die Länderspielabsage im vergangenen November in Hannover. Auch damals gab ein ausländischer Geheimdienst den Behörden in Deutschland den Tipp, dass islamistische Terroristen einen Anschlag planten. Bis heute werten die Fahnder in Karlsruhe die Beweise aus, die sie bei einer Hausdurchsuchung im Dezember in Misburg sicherstellten. „Natürlich gab es auch jetzt die Möglichkeit, dass wir die Ermittlungen zu dem Fall übernehmen“, erklärt Staatsanwältin Frauke Köhler von der Generalbundesanwaltschaft. Dies habe man aber bewusst nicht gemacht. Was das über die konkrete Gefahr aussagt, die von den vier mutmaßlichen Terroristen ausging, möchte sie jedoch nicht kommentieren. Die Entscheidung, die Ermittlungen dem Landeskriminalamt in Berlin zu überlassen, kann aber so interpretiert werden, dass die Behörden die Hinweise zu den Anschlagsplänen in Berlin weniger dringlich bewerten.

Von Tobias Morchner, Jörn Kießler und Frank Walter

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