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Aus der Stadt Testkäufer bekommen problemlos Alkohol
Hannover Aus der Stadt Testkäufer bekommen problemlos Alkohol
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21:58 20.04.2009
Von Sonja Fröhlich
Quelle: Michael Gottschalk/ddp
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Die Betreiber von Festzelten und Verkaufsbuden auf dem Frühlingsfest müssen sich vorhalten lassen, dass sie nach wie vor unerlaubterweise Spirituosen an Jugendliche verkaufen. Erstmals waren am Wochenende jugendliche Testkäufer auf dem Frühlingsfest unterwegs – und konnten an sieben Ständen hochprozentige Alkoholika kaufen. Nur zweimal wurde die Herausgabe verweigert.

Die Schausteller hätten zwar Schilder ausgehängt, dass der Verkauf von Alkohol an Minderjährige verboten sei, und es würden von den Sicherheitskräften auch Taschenkontrollen auf mitgebrachten Alkohol vorgenommen, sagte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Das bringe jedoch nichts, wenn sich die Verkäufer auf dem Frühlingsfest nicht an die Regeln hielten.

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Insgesamt wurden am Freitag zwischen 16 und 22 Uhr 34 Geschäfte in Hannover von jugendlichen Testkäufern aufgesucht, darunter auch Kioske, Tankstellen und Lebensmittelmärkte. Nur in acht Fällen verweigerten die Verkäufer die Herausgabe von Schnaps und ähnlichen Getränken. „Vor dem Hintergrund der vielen Appelle in den vergangenen Monaten sind diese Zahlen erschreckend“, sagte Kalmus.

Stadt und Polizei greifen nun härter durch und belassen es nicht mehr bei einer Verwarnung. In allen 26 Fällen, in denen sich die Verkäufer nicht an das Jugendschutzgesetz hielten, wurden Bußgeldverfahren eingeleitet. In einem Festzelt des Frühlingsfestes fiel den Mitarbeitern des Ordnungsamtes ein 18-Jähriger auf, der mehrere Runden Lüttje Lagen kaufte und diese dann an Minderjährige verteilte. In der Innenstadt verweigerte ein Verkäufer die Angaben seiner Personalien. Auf der Polizeiwache stellte sich heraus, dass der Iraker zwecks Ausweisung per Haftbefehl gesucht wurde.

Mit dem Programm „Mehr Fun – weniger Alkohol“ werden minderjährige Testkäufer in einer Aktion von Stadt und Polizei eingesetzt, um in Supermärkten sowie an Kiosken und Tankstellen Spirituosen zur Kasse zu tragen – neuerdings sind sie auch auf Volksfesten unterwegs. Im Schnitt erhielten die minderjährigen Testkäufer in jedem zweiten Geschäft Hochprozentiges. Aus der Vergangenheit sind rund 60 Verfahren anhängig, von denen noch keines entschieden ist. Das Strafmaß bewegt sich zwischen 35 Euro und 50.000 Euro in extremen Wiederholungsfällen. Bezahlen müssen diejenigen, die den Alkohol verkauft haben, in Supermärkten sind das die Kassiererinnen.