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Aus der Stadt Tierheim Hannover sorgt sich um unbedachte Tieranschaffungen
Hannover Aus der Stadt Tierheim Hannover sorgt sich um unbedachte Tieranschaffungen
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00:15 12.12.2012
Warten auf ein neues Zuhause: Zurzeit leben rund 100 Hunde im Tierheim Hannover. Quelle: Nico Herzog (Archivfoto)
Hannover

Der Zeit nach Weihnachten blickt Doris Peterek mit Sorge entgegen. Die Tierpflegerin leitet das Tierheim Hannover in Langenhagen-Krähenwinkel, und sie weiß schon jetzt, dass sie und ihre 40 Kollegen gleich nach den Feiertagen einige neue Schützlinge aufnehmen müssen. „Getreu dem Weihnachtslied ‚Alle Jahre wieder‘ wird es wohl auch in diesem Jahr einige geben, die ihren Kindern oder ihrem Partner eine Freude machen wollen und ein Tier zu Weihnachten verschenken.“ Leider stellten etliche von ihnen aber hinterher fest, dass das Halten eines Tieres mehr erfordert als die bloße Anschaffung, auch wenn der Blick des Hundewelpen noch so süß und das Fell des Katzenbabys noch so flauschig ist.

„Viele Leute informieren sich vorher nicht gründlich genug“, bedauert Peterek. Zudem seien gerade die Weihnachtstage für die Eingewöhnung eines neuen Hausgenossen völlig ungeeignet, weil in der allgemeinen Hektik nur wenig Zeit für ein Tier bleibt. „Da haben viele Familien doch andere Verpflichtungen“, sagt Peterek. Außerdem komme schon kurz danach weiterer Stress auf das neue Haustier zu: Silvester. „Tiere haben ein wesentlich feineres Gehör als Menschen. Deshalb wird für sie der Lärm von Knallkörpern zur Qual“, warnt die Tierpflegerin.

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die 52-Jährige im Tierheim Hannover und hat in dieser Zeit die absurdesten Situationen erlebt. Es habe Besucher gegeben, die an Heiligabend noch schnell vorgefahren sind, um eine Katze zu holen. „Manchmal kann ich es kaum glauben, dass es so etwas gibt“, sagt Peterek. Um solchen Situationen von vornherein vorzubeugen, vermittelt das Tierheim vor den Weihnachtsfeiertagen keine Tiere mehr. Damit soll verhindert werden, dass sie als Last-Minute-Geschenke unter dem Tannenbaum landen.

Dieser Vermittlungsstopp dürfte das Problem leider nur minimal entschärfen. Mithilfe des Internets sei vieles einfacher geworden, erzählt Doris Peterek, leider auch der Kauf von Tieren. „Da kann ich einen Hund für 150 Euro bestellen. In welchem Zustand sich das Tier befindet, steht auf einem anderen Blatt.“ Doch nach den Feiertagen kehre irgendwann auch wieder der Alltag ein. Und dann gehe es los: Wer geht Gassi? Wer füttert? Wer fährt zum Tierarzt? „Vor allem Hunde, die häufig als Jungtiere angeschafft werden, kommen nach einigen Monaten ins Flegelalter.“ Manche Halter seien damit schlicht überfordert. „Anstatt mit dem Tier in eine Hundeschule zu gehen, kommen sie auf Umwegen zu uns“, sagt Peterek. Erfahrungsgemäß sei dies häufig um die Osterzeit der Fall. Nicht selten hätte manches Tier bereits in dieser kurzen Zeit den Besitzer gewechselt. „Vielleicht gab es einen Arbeitskollegen oder einen Onkel, der es versuchsweise aufgenommen hat“, erzählt Peterek.

Wer sich über die Haltung eines Tieres informieren und beraten lassen möchte, sei im Tierheim immer gern gesehen, betont die Tierheimleiterin. Die Mitarbeiter würden künftige Halter über alles aufklären, was man als Tierhalter wissen müsse. Dazu gehörten neben Fragen zu Kosten oder Pflege auch Allergietests von Familienmitgliedern, um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen. Wer ernsthaft über die Anschaffung eines Haustieres nachdenke, weil es sich vielleicht Kinder oder Partner wünschten, könne für den Gabentisch erst einmal auf Bücher oder DVDs zurückgreifen, schlägt Doris Peterek vor. Zum Streicheln reiche ersatzweise ein Kuscheltier. „Wenn ein Tier geplant und mit Überlegung angeschafft wird, ist die Vorfreude viel größer“, gibt Peterek zu bedenken. Im Tierheim besteht überdies die Möglichkeit, sich einige Tiere anzuschauen oder, im Falle eines Hundes, mit ihm Gassi zu gehen.

Im Tierheim Hannover leben zurzeit rund 100 Hunde, 230 Katzen, 80 Kleintiere wie Meerschweinchen und Wellensittiche. „Nach Weihnachten werden es wohl wieder ein paar mehr sein, vor allem Hunde“, vermutet Doris Peterek. „Aber jedes Tier im Tierheim ist eines zu viel.“

Sophia Michalzik

Vor der Anschaffung steht die gründliche Information

Auch wenn sich viele Kinder noch so sehr ein Haustier zu Weihnachten wünschen: Vor der Anschaffung sollte sich die ganze Familie gründlich über dessen Verhaltensweisen, Bedürfnisse und Anforderungen an eine artgerechte Haltung informieren.

Voraussetzungen erfüllen: Wer ein Tier anschafft, sollte bedenken, dass es mehrere Jahre lebt. Hunde können leicht 15 Jahre, Meerschweinchen bis zu zehn Jahre alt werden. Ein Haustier kostet nicht nur Geld, um es anzuschaffen. Neben Kosten für Futter müssen immer auch jährliche Schutzimpfungen sowie mögliche Kosten für Tierarztbehandlungen einkalkuliert werden, wenn das Tier einmal krank wird.

Welches Tier für wen?: Ein großer Hund passt besser in ein Haus mit Garten als in eine Etagenwohnung. Katzen sind zwar eigensinnige Tiere, benötigen aber eine regelmäßige Ansprache und Streicheleinheiten. Deshalb sollten reine Wohnungskatzen besser zu zweit gehalten werden. Das gilt auch für Meerschweinchen und Kaninchen, die sehr gesellig sind. Für kleine Kinder sind sie kaum geeignet, weil sie sich nicht wehren können, wenn sie falsch angefasst werden. Für Kinder ungeeignet sind nachtaktive Goldhamster. Sie können beißen, wenn sie in ihrem Schlaf tagsüber gestört werden.

Welche Tiere sind ungeeignet?: Papageien und die meisten Reptilien wie Schlangen oder Echsen können in den meisten Haushalten nicht artgerecht gehalten werden. Ihre Haltung erfordert detaillierte Spezialkenntnisse.

Was muss ich beim Kauf beachten?: Wer sich nicht für ein Tier aus dem Tierheim entscheidet, sollte Hunde und Katzen bei einem seriösen Züchter kaufen, wo die Tiere mit Familienanschluss aufwachsen. Vorsicht ist geboten vor kommerziellen Hundehändlern, die oft mehrere Rassen im Angebot haben. Diese Tiere sind häufig nicht ausreichend sozialisiert. Auch Spontankäufe auf Tiermärkten oder von Autobahnhändlern, die Tiere aus dem Kofferraum heraus verkaufen, können böse Überraschungen zur Folge haben.

vt

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