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Aus der Stadt Tierisch gutes Fernsehen
Hannover Aus der Stadt Tierisch gutes Fernsehen
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00:26 10.08.2014
Von Veronika Thomas
Internetstars mit vier Pfoten: Moderator Heiko Engel (l.) präsentiert einmal pro Monat vor der Kamera von Tobias Neumann für TierheimTV ausgewählte Neuzugänge in Langenhagen.
Internetstars mit vier Pfoten: Moderator Heiko Engel (l.) präsentiert einmal pro Monat vor der Kamera von Tobias Neumann für TierheimTV ausgewählte Neuzugänge in Langenhagen. Quelle: Surrey
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Am schönsten ist natürlich ein Happy End – wie im Fall der jungen Border-Collie-Hündin Jiva. Das Tier war seinem Besitzer Anfang Juni in Kassel gestohlen worden, Mitte Juni tauchte es herrenlos in der hannoverschen Oststadt auf und landete im Tierheim in Langenhagen-Krähenwinkel. Über das vereinseigene TierheimTV, das bei jedem Fundtier versucht, den Halter über YouTube und Face­book ausfindig zu machen, erfuhr Jivas Besitzer schließlich, dass seine Hündin lebt. „Der Mann hat vor Freude geweint, als er seinen Hund wiedergesehen hat“, erzählt Heiko Engel, Mitgründer des vor gut vier Jahren gestarteten Experiments, Fundtiere nicht mehr nur mithilfe von Fotos auf der Homepage des Tierheims vorzustellen, sondern durch Videoclips.  

„Dadurch können die Tiere viel besser präsentiert werden, sie kommen authentischer rüber, und Interessenten haben gleich eine Vorstellung, ob sie schüchtern, schmusig oder noch etwas ungestüm sind“, sagt der 51-jährige Beamte. Der Nebenjob als Moderator von TierheimTV – gegen eine Aufwandsentschädigung – ist für ihn eine Herzensangelegenheit; gemeinsam mit Tierpflegerin Silke Hasselbrink stellt er die Tiere vor. Filmer ist der selbstständige Mediendesigner Tobias Neumann. Der 27-Jährige und Heiko Engel lernten sich vor etwa fünf Jahren beim gemeinsamen Jobben im Cinemaxx kennen – beim Versteigern von Filmplakaten zugunsten des Tierheims.

Als das bundesweit bislang einzige vereinseigene TierheimTV im Mai 2010 an den Start ging, gab es täglich etwa 100 Klicks auf YouTube. Heute sind es durchschnittlich 1200. „Die Nutzerzahlen sind ganz schnell nach oben gegangen“, erzählt Engel stolz. Mehr als 50 Videos zur Tiervermittlung hat das Team seitdem gedreht, die magische Zahl von einer Million Klicks auf YouTube wurde gerade geknackt. Seit Ende 2010 ist TierheimTV auch auf Facebook präsent, mit zurzeit knapp 11 000 Abonnenten. Wer kein Internet hat, kann das Tierheim-Magazin zur Vermittlung von Hunden, Katzen und Kaninchen jeden vierten Freitag im Monat von 20.15 bis 21.15 Uhr auf dem Regionalsender h1 empfangen. Ein weiteres Format, das Tierschutz-Magazin, wird jeden dritten Freitag von 20 bis 20.30 Uhr auf h1 ausgestrahlt.

Einmal monatlich kommen sechs Hunde, zehn Katzen und fünf bis sechs Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen vor die Kamera, um sie in neue, gute Hände zu vermitteln. „Für die Tiere läuft das alles ganz entspannt ab, ohne Licht- oder Tontechniker, bis auf die Hunde bleiben alle in ihrer gewohnten Umgebung“, erzählt Engel. „Welpen stellen wir gar nicht erst vor, weil sie sowieso schnell vermittelt werden.“
Die zweite Säule von TierheimTV ist das Tierschutz-Magazin, das über Veranstaltungen in ganz Niedersachsen und Tierschutzthemen berichtet. Dazu gehören Anti-Pelz-Demos, Berichte über andere Tierschutzvereine oder wie jüngst ein Bericht über die Paralympixx behinderter Hunde in Uelzen.

Säule Nummer drei ist die Halterermittlung. „Über Facebook und YouTube versuchen wir, die Halter von Fundtieren ausfindig zu machen, oder wir hoffen, dass wir Hinweise dazu erhalten“, erzählt Engel. Etwa über diejenigen, die am 18. Juli auf dem Parkplatz vor Kaufland in Laatzen vier junge Katzen in einem Pappkarton ausgesetzt haben. Oder über jene, die am 22. Juli auf dem Parkplatz Vahrenheide an der Autobahn 2 sechs Wüstenrennmäuse in einem Käfig zurückließen.
Auch die dicke, zehn Kilogramm schwere Katze mit Atemproblemen, die in der Göttinger Chaussee aufgefunden wurde, „ist nicht von allein weggelaufen, sondern ausgesetzt worden“, ist sich die zuständige Tierpflegerin sicher. „In etwa zwei bis drei von zehn Fällen erhalten wir Hinweise auf die Halter“, sagt Engel. „In einigen Fällen führt das zu einer Anzeige“, ergänzt er. Immerhin trügen die Halterermittlungen dazu bei, dass wenigstens einige, die sich feige ihrer Tiere entledigten, nicht gänzlich ungeschoren davonkämen.

„An Fällen wie diesen merken wir schon, dass Ferienzeit ist“, erklärt Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des hannoverschen Tierheims in Langenhagen. Dennoch sei die Belegung trotz Ferienbeginns einigermaßen normal. „So dramatisch wie noch vor zehn oder 15 Jahren, als die Tierheime während der Sommerferien brechend voll waren, ist es nicht mehr“, sagt der Tierheimchef.

Sorgen bereiten ihm aber weiterhin die Katzen. „Vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn die Tiere Junge bekommen, wird es hier voll.“ Um zu verhindern, dass Katzen ungewollt Nachwuchs bekommen, plädiert Schwarzfeld für eine Kennzeichnungs- und Kastra­tionspflicht aller Hauskatzen mit Freilauf. 169 Städte in Niedersachsen haben sie bereits erfolgreich eingeführt, darunter etwa Hildesheim, Celle und Braunschweig.

458 Tiere beherbergt das hannoversche Tierheim aktuell, darunter 86 Hunde, 240 Katzen, drei Ziegen aus einer ehemaligen Kleingartenhaltung, 16 Vögel sowie Kleintiere wie Ratten, Kaninchen und Meerschweinchen. Reptilien wie Schildkröten oder Schlangen kommen in dafür spezialisierte Auffangeinrichtungen nach Sachsenhagen oder Lüneburg.

Rund 3000 Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel landeten 2013 in Langenhagen; davon konnten mehr als 1000 Tiere in ein neues Zuhause vermittelt werden. In diesem Jahr wurden bisher 1600 Tiere aufgenommen, 440 Tiere fanden bereits ein neues Zuhause. „Mit der Vermittlungsquote sind wir sehr zufrieden, sie ist konstant hoch“, meint Tierheimchef Schwarzfeld. „TierheimTV hat daran sicher einen großen Anteil.“

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