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Aus der Stadt Tierschutzverein hatte „Chico“ mehrfach überprüft
Hannover Aus der Stadt Tierschutzverein hatte „Chico“ mehrfach überprüft
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00:54 08.04.2018
Der Staffordshire-Mischling „Chico“ im Tierheim Krähenwinkel. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

 Der Hund, der in Groß-Buchholz seine beiden Halter totgebissen haben soll, war offenbar bei der Stadt nicht als auffällig bekannt. Zweimal aber war eine sogenannte Inspektorin des Tierschutzvereins wegen Nachbarbeschwerden in der Wohnung – sie schätzte die Situation aber nicht als dramatisch ein, sodass sie das Veterinäramt der Stadt nicht informierte. 

Der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, Heiko Schwarzfeld, bestätigte der HAZ den Vorgang: „Es war keine Situation, die gefährlich erschien“, sagt Schwarzfeld. In dieser Woche, eineinhalb Jahre nach dem letzten Besuch im September 2016, wurden der 27-jährige Halter und seine behinderte Mutter nach bisherigen Erkenntnissen von Chico totgebissen, wie ein Rechtsmediziner nach einer ersten Untersuchung festgestellt hatte. Die endgültige Obduktion soll erst heute erfolgen. Der Stafford-Terrier-Mischling Chico ist derzeit im Tierheim Krähenwinkel untergebracht, das vom Tierschutzverein betrieben wird. 

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Auch bei der Stadt war Chico unbekannt

Bei der Stadtverwaltung kannte man Chico bis zur verhängnisvollen Attacke nicht. Ein Sprecher bestätigte, dass der Tierschutzverein sich wegen Chico nie an das Veterinäramt der Stadt gewendet hat. Auch die Nachbarn hätten den Hund nie gemeldet. „Wenn es Beschwerden gegeben hätte, wäre sicher etwas passiert. Die gab es aber in den vergangenen fünf Jahren nicht.“ Da Chico acht Jahre alt ist, werde nun aber geprüft, ob es vor 2013 Auffälligkeiten gegeben hat.

Staffordshire-Terrier-Mischling Chico war vor seiner Einschläferung im Tierheim Krähenwinkel untergebracht worden. Die Polizei geht davon aus, dass der Hund seinen Halter und dessen Mutter totgebissen hat.

Der Tierschutzverein betont, es sei in den Besuchen nie um eine mögliche Gefährlichkeit des Hundes für Menschen gegangen, sondern um das Wohl des Tieres. Die Nachbarn hätten berichtet, der Hund werde kaum ausgeführt, sei möglicherweise in einem Zimmer eingesperrt und müsse sein Geschäft auf dem Balkon erledigen. Außerdem habe es nach Kot und Urin aus der Wohnung gerochen. 

Anlass, einzugreifen oder gar das Veterinäramt der Stadt zu informieren sahen die Vereins-Mitarbeiter des Tierschutzvereins aber nicht. „Die Verhältnisse waren geordnet, offensichtliche Merkmale für Vernachlässigung waren nicht erkennbar und es roch nicht nach Urin“, sagt Tierschützer Schwarzfeld. Auch der Bericht einer Betreuerin der Diakonie, sie habe Angst vor dem Hund, war offenbar kein Anlass, Chico als gefährlich einzustufen. „Dass er in der Wohnung aggressiv auf Fremde reagiert hat, ist nicht ungewöhnlich. So verhalten sich die meisten Hunde.“

Eine 52 Jahre alte Frau und ihr 27 Jahre alter Sohn sind in ihrer Wohnung vom Staffordshire-Terrier des Mannes angefallen und totgebissen worden.

Der Stadt-Sprecher bestätigte auch, dass der acht Jahre alte Chico ordnungsgemäß beim Hunderegister angemeldet war. Auch habe sein 27-jähriger Halter seit Jahren Hundesteuer bezahlt. Er musste daher als langjähriger Hundehalter nach Einführung des „Hundeführerscheins“ durch das neue Hundegesetz 2013 auch keine Sachkundeprüfung ablegen, um Chico halten zu dürfen. 

Endgültige Klarheit über den Tod des 27-Jährigen und seiner Mutter soll eine Obduktion bringen, deren Ergebnis aber erst heute vorliegen soll. Ein Sprecher der Stadt sagte, vermutlich Anfang kommender Woche werde entschieden, was mit Chico geschehen soll. Sollte sich bestätigen, dass der Hund die beiden in ihrer Wohnung tötete, wird er wohl eingeschläfert.

Von Karl Doeleke und Manuel Behrens