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Aus der Stadt Heuschrecken sind die Steaks der Zukunft
Hannover Aus der Stadt Heuschrecken sind die Steaks der Zukunft
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00:15 30.03.2015
Dr. Nils Grabowski bereitet den Teilnehmern der Jugendforscher-Kongress frittierte Insekten zu. Quelle: Marta Krajinovi
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Hannover

Wissenschaftler Nils Grabowski schüttet tote Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen in einen Wok mit heißem Erdnussöl. Die Insekten hat der Wissenschaftler vorher in einem Sud aus Sojasoße, Limettensaft, Ingwer und Chili eingelegt. Mit krauser Stirn schaut ihm ein Dutzend Abiturienten und Studenten zu. „Bei der Menge Öl weiß ich gar nicht, was ekliger ist, das Öl oder die Insekten“, sagt Maschinenbau-Student Philipp Menge.

Auf dem Programm des 16. Jungforscher-Congresses, steht an diesem Tag ein Besuch im Institut für Lebensmittelqualitätssicherung der Tierärztlichen Hochschule (Tiho). Dort hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Ein Vortrag über Insekten als Nahrungsmittel mit anschließender Verköstigung.Mit dabei sind Schüler, Studenten und Doktoranden aus ganz Deutschland, die sich bei dem Kongress über Neuheiten im technisch-naturwissenschaftlichem Bereich informieren und austauschen wollen. In diesem Jahr wird der fünftägige Kongress, der jedes Jahr in einer anderen Universitätsstadt angeboten wird, unter dem Motto „Wissenschaft verbindet - Menschen, Ideen, Städte“ zum ersten Mal in zwei Städten abgehalten: Hannover und Hildesheim. Die 86 Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Fakultäten. Sie studieren Physik, Biochemie, Informatik oder Betriebswirtschaftslehre. Neben dem Besuch in der Tiho gibt es für die jungen Forscher auch Führungen in kleinen Gruppen durch das Geoforschungszentrum Hannover, das Landesfunkhaus des NDR und bei der Firma Bosch in Hildesheim.

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Ein Vortrag über Insekten als Nahrungsmittel mit anschließender Verköstigung ist nur einer von vielen Programmpunkten des 16. Jungforscher Congresses, der jedes Jahr in einer anderen Universitätsstadt angeboten wird.

In der Tiho tischt Grabowski jetzt den Insekten-Schmaus auf. „Was wir eklig finden, ist in anderen Ländern ganz normal“, erklärt der Experte für Milchtechnologie an der Tiho. In weiten Teilen der Welt, wo immer Dürre und Lebensmittelknappheit vorherrschten, seien Insekten als Lebensmittel die Lösung - die sehr eiweißhaltigen Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen seien sozusagen die Steaks der Zukunft. Nach dem Tagesprogramm übernachten in einer Jugendherberge. Organisiert hat den Kongress das Deutsche Jungforschernetzwerk - Juforum. Der Verein wurde vor 15 Jahren von ehemaligen Teilnehmern des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ gegründet und setzt sich für den interdisziplinären Austausch zwischen jungen, wissenschaftlich interessierten Menschen ein. Genau deswegen ist Maschinenbau-Student Philipp Menge hier. „Das Studium deckt nur einen Teil meiner Interessen ab“, sagt er. Dem stimmt Physikstudent Matthias Martin zu: „Ich finde nicht nur mein Fachgebiet spannend. Man muss auch mal über den Tellerrand schauen.“

So greifen fast alle Besucher auch bei dem exotischen Mahl in der Tiho zu. „Heuschrecken schmecken gut, wenn man sie vor dem Essen nicht anguckt“, befindet Abiturient Jonas Althoff. Die Gruppe ist sich einig: Insekten schmeckten ein bisschen so wie Hühnchen.

Von Sarah Franke

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