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Aus der Stadt Drohung per Handy
Hannover Aus der Stadt Drohung per Handy
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00:15 15.09.2013
Von Juliane Kaune
In der versendeten Audiodatei droht eine Stimme damit, den Betroffenen zu töten.
In der versendeten Audiodatei droht eine Stimme damit, den Betroffenen zu töten. Quelle: dpa
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Hannover

Eine Kurznachricht, die derzeit auf den Handys vieler Kinder und Jugendlicher kursiert, alarmiert das Landeskriminalamt (LKA). In dieser Woche verschickte die Behörde Briefe an die rund 3300 Schulen in Niedersachsen und warnte Schüler und Lehrer vor der digitalen Drohnachricht. In der über den Kurznachrichtendienst Whatsapp versendeten Audiodatei wird der Empfänger aufgefordert, die Nachricht wie einen Kettenbrief in den nächsten 20 Minuten an mindestens 20 Personen weiterzuleiten. Falls nicht, droht die elektronische Stimme damit, um Mitternacht vorbeizukommen und den Betroffenen zu töten. Um die Nachricht zu verstärken, werden ausgedachte Namen genannt und die Schicksale der jeweiligen Person, zum Beispiel: „Tim hat es nur an fünf Leute geschickt. Er sitzt jetzt im Rollstuhl und kann sich nicht mehr bewegen.“ Schließlich droht der Absender der Nachricht noch damit, die Mutter des Empfängers zu töten.

Ob der Sender der ursprünglichen Nachricht damit ein bestimmtes Ziel verfolgt, kann Michael Mahnke, Experte für Cyberkriminalität beim Landeskriminalamt (LKA), nicht sagen. „Viele Kinder werden von dieser Nachricht aber eingeschüchtert und bekommen Angst“, sagt der Kriminaloberkommissar. Die Folge sei, dass viele Kinder die Nachricht weiterleiteten und sie damit mehr und mehr in Umlauf brächten.

Hannovers Schulen hat offenbar erst der Brief des LKA auf das Thema aufmerksam gemacht. Wie eine stichprobenartige Umfrage der HAZ ergab, hatten weder Schulleitungen noch Lehrkräfte zuvor Kenntnis von den drastischen Drohungen, die über Whatsapp versendet werden. „Das muss nicht heißen, dass unsere Schüler diese Nachrichten nicht bekommen haben“, sagt Wilhelm Bredthauer, Leiter des Gymnasiums Goetheschule. Er und andere Schulleiter reagierten umgehend auf das Schreiben des LKA. Sie informierten das Kollegium und teilweise auch die Elternschaft über die digitalen Drohungen.

„Wir werden das Thema jetzt aktiv im Unterricht aufgreifen“, sagt Bredthauer. Es sei wichtig, Schülern mögliche Ängste zu nehmen. Gleichwohl glaubt der Pädagoge, dass „die Mehrzahl unserer Schüler stark genug“ ist, um sich von dem absurden digitalen Kettenbrief nicht einschüchtern zu lassen. Mit Unterrichtsprojekten wie einem „Computerführerschein“ versuche seine Schule, schon Schüler der fünften und sechsten Klassen über Nutzen und Gefahren des Internets aufzuklären. Thema sei dabei auch immer wieder das Mobbing über soziale Medien wie Facebook.

Selbst in Grundschulen gebe es schon diese Form von Mobbing, sagt Rainer Gnauck, Vorsitzender des Stadtelternrats. „Die Whatsapp-Drohungen haben aber eine neue Qualität“, findet der Vater einer elfjährigen Tochter. Das zeige auch die Tatsache, dass sich das Landeskriminalamt eingeschaltet hat. Den Lehrern bescheinigt Gnauck grundsätzlich gute Arbeit, wenn es darum geht, Schüler über die Gefahren des Internets aufzuklären. Nachhilfe sei eher für die Eltern nötig. „Die wissen häufig gar nicht, womit sich ihre Kinder beschäftigen.“

In diesem Punkt gibt LKA-Experte Mahnke dem Vater recht. „Allerdings sind häufig auch die Lehrer nicht auf dem neuesten Stand, was die Kommunikation ihrer Schüler mit dem Handy angeht“, sagt Mahnke. Die Kinder und Jugendlichen wechselten häufig die Programme, und immer neue Anwendungen kämen in Mode. „Da müssen Eltern wie Lehrer am Ball bleiben“, sagt der Experte. „Sonst können sie auch keine Medienkompetenz vermitteln.“ Genau das brauchen seiner Meinung nach aber die jüngsten Handynutzer.

Thomas Bürkner, Leiter der IGS Badenstedt, gibt unumwunden zu, dass auch er nicht mit allen Neuerungen der digitalen Medien vertraut ist. „Ich nutze mein Handy hauptsächlich zum Telefonieren“, sagt er. An seiner Schule aber gebe es umfangreiche Projekte rund um eine sinnvolle Nutzung der neuen Medien. Unabhängig von den jetzt bekannt gewordenen Whatsapp-Drohungen arbeite die IGS intensiv mit dem auf die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen spezialisierten Verein Smiley zusammen. An der IGS Kronsberg gibt es ähnliche Konzepte. Über derartige digitale Kettenbriefe seien die Schüler daher weitgehend aufgeklärt und könnten besonnen damit umgehen, sagt der zuständige Pädagoge Gustav Heineke.

Die 14-jährige Lisa sieht das anders. „Ich selbst habe keine Angst davor“, sagt die Gymnasiastin. Sie könne sich aber gut vorstellen, dass sich jüngere Schüler durch die Drohbotschaften einschüchtern lassen. Offenbar ist die aktuelle Whatsapp-Nachricht kein Einzelfall. Lisa sagt, sie bekomme etwa zweimal pro Woche Kettenbriefe, teilweise mit ähnlichen Drohungen.

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