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Aus der Stadt Toilettengang endet mit Faustschlag
Hannover Aus der Stadt Toilettengang endet mit Faustschlag
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20:16 20.05.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolbild
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Hannover

Der 66-Jährige war keineswegs bei einem Diebstahl erwischt worden, sondern hatte sich nur übermäßig lange auf der Personaltoilette des Badenstedter Geschäfts aufgehalten - was zu einigen Verdrückungen führte.

Die Verkäuferinnen des Supermarkts kannten den früheren Hauptgefreiten Wolfgang B. als Kunden. Als er an einem Oktobertag 2014 zur Kasse kam, sah er gesundheitlich angeschlagen aus. B. fragte eine Kassiererin, ob er kurz die Personaltoilette benutzen dürfe. Die 60-Jährige hatte Verständnis, wie sie in der Verhandlung sagte: „Mein Mann muss auch häufiger zum Klo.“ Sie führte den Rentner durch die Lagerräume in den ersten Stock und wartete. Wartete. Und wartete. Auf Nachfragen bekam die Kassiererin keine Antwort, hörte nur „komische Geräusche“. Sie rief eine Kollegin, dann den Detektiv. Irgendwann, nach 20 bis 30 Minuten, ließ sich der ob der „Drängelei“ verärgerte Mann wieder blicken, ging mit den Angestellten wieder in den Verkaufsraum.

Hier allerdings stieß B. auf eine Abteilungsleiterin, der das Verschwinden des Kunden mitsamt ihres Personals überhaupt nicht passte. Wie die 40-Jährige berichtete, habe sie dem Rentner gesagt, dass er seinen Geschäften künftig zu Hause nachgehen oder das benachbarte griechische Lokal aufsuchen solle - dort gebe es eine Kundentoilette. Diese Empfehlungen versetzten den Mann in Rage: Er habe eine Darmkolik erlitten und damit handele es sich um einen Notfall. Offenbar vergriff B. sich aber derart im Ton, dass ihn der Detektiv zum Verlassen des Supermarkts aufforderte. Die Reaktion des Älteren war frappierend: Er verpasste dem 27-Jährigen einen Faustschlag aufs Auge und trat ihm gegen das Bein. Doch lange behielt der Rentner nicht die Oberhand. Mithilfe eines Kunden warf der Detektiv den tobenden Mann zu Boden, kniete sich auf ihn und fixierte ihn bis zum Eintreffen der Polizei.

Verteidiger Timo Rahn beantragte für seinen Mandanten Freispruch. Die „oberlehrerhafte“ Abteilungsleiterin habe die Situation unnötig angeheizt, der Detektiv habe den kränkelnden Kunden aus dem Laden schieben wollen und dabei angefasst. Doch Richter Ulrich Kleinert beeindruckte dieses Plädoyer nicht. Er befand, dass der Angeklagte niemals hätte zuschlagen dürfen, verwies darauf, dass Wolfgang B. wegen einer Körperverletzung schon einmal einen Strafbefehl über 2100 Euro kassiert hatte. Und dieser bewies prompt, wie wenig er seine Emotionen im Griff hat: Er ließ den Richter nicht ausreden und schimpfte so laut herum, dass Kleinert ihn mit deutlichen Worten auf den Topf setzen musste.

Conrad von Meding 20.05.2015
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