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Aus der Stadt Das Pindopp will weitermachen
Hannover Aus der Stadt Das Pindopp will weitermachen
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00:17 12.06.2015
Von Conrad von Meding
Das Gebäude in der Südstadt ist bereits verkauft, die Macher des Pindopp wollen an anderer Stelle weitermachen. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Die Emotionen schlugen hoch, als die HAZ am Sonnabend das Aus für die Südstädter Traditionskneipe Pindopp verkündete. Das Gebäude ist verkauft, der neue Eigentümer richtet dort im nächsten Jahr eine Filiale seiner Cafémarke Extrablatt ein.

Schade. Das Aus für eine weitere Traditionskneipe in Hannover.

Gepostet von Hannoversche Allgemeine Zeitung / HAZ am Samstag, 6. Juni 2015

„Ein echter Verlust für die Südstadt“, kommentierte etwa Andrea Niebisch. „Warum muss da denn noch ein traditions- und kulturloses Kettenrestaurant rein?“, fragt Sina Pelzer: „Schlechten Service und immer gleiches Essen haben wir doch schon genug in Hannover.“

Systemgastronomie statt inhabergeführte Gastronomie

Der Wechsel vom Pindopp zum Extrablatt ist mehr als ein Namenstausch. Und er ist auch mehr als ein Wandel von uriger Kneipe zu stylischer Gastronomie. Es ist der Wandel von einer inhabergeführten Gastronomie zur Systemgastronomie.

Extrablatt, Bar Celona, Café del Sol und wie sie alle heißen: Hinterm Tresen steht nicht mehr der Kneipenwirt, der seine Gäste seit Jahren oder sogar seit Jahrzehnten kennt. Es sind straff geführte Ketten, die nach streng betriebswirtschaftlichen Kriterien kalkulieren. Sie vergeben als Franchisebetriebe Lizenzen und tragen damit ein stückweit zur Uniformität der Innenstädte bei: gleiche Speisekarte von Freiburg bis Hannover, gleicher Kaffee, gleiche Burger, gleiche Cocktailrezepte.

Konzept vom Extrablatt geht auf

Aber: Ist das schlimm? Nimmt man den Zuspruch der Gäste im Extrablatt am Platz der Weltausstellung (City) oder an der Friesenstraße (Oststadt) als Gradmesser, dann geht das Konzept auf. Oft gibt es keinen freien Stuhl - und das trotz raumgreifender Freiluftbewirtung.

Umut Kus, dem die beiden Extrablatt-Standorte in der Grupenstraße und am Georgsplatz gehören und nun auch die Pindopp-Immobilie, hat dazu eine sehr klare Einschätzung. „Die Leute, die die Uniformität von Einrichtungen wie dem Extrablatt kritisieren, sind doch meist die gleichen, die ihre Kleidung bei internationalen Markenkonzernen kaufen und die ihren Fernseher wenn überhaupt, dann beim Elektromarkt am Stadtrand kaufen - vielleicht sogar im Internet, aber nicht beim Elektrohändler im Stadtteil, wenn es den noch gibt“, bricht es aus ihm heraus: „Aber wenn sie alle drei Wochen mal in die Kneipe gehen, dann wollen sie Traditionalität und Einzigartigkeit.“ Auch im Extrablatt gebe es Qualitätsgastronomie, sagt er, und es klingt nach Verteidigung.

Die alte Kneipe als Hort alles Guten, die Systemgastronomie als Menetekel?

Ganz so schwarz-weiß ist die Kneipenwelt dann doch nicht.

1981 hat Dagmar Czedron das Pindopp am Altenbekener Damm schräg gegenüber vom Bismarckbahnhof gegründet. Erst nur auf 50 Quadratmetern in dem possierlichen Rundbau, über die Jahre wurde die Kneipe Stück für Stück erweitert: Immer wenn ein angrenzendes Geschäft schloss, erweiterte sie ihren Mietvertrag auf inzwischen 270 Quadratmeter. Zielgruppe waren außer den Stadtteilbewohnern vor allem die Studierenden der nahen Pädagogischen Hochschule in der Bismarckstraße - und die Dozenten, die abends Weinglas um Weinglas tranken, wie sich die heutige Eigentümerin Anna-Karolina Wotzka erinnert. Die ehemalige Thekenkraft übernahm vor zehn Jahren das Pindopp.

Die zwei riesigen Billardtische sind geblieben, die regelmäßigen Konzerte und die familiäre Atmosphäre - aber vieles hat sich auch gewandelt. Der zweite Zapftresen am hinteren Kneipenende ist weg, die lauten Krökeltische sind verschwunden, statt 15 Biersorten laufen nur noch fünf aus den Zapfhähnen, und die Öffnungszeiten sind arg geschröpft: Statt um 10 Uhr wird um 17 Uhr geöffnet. „Das sind wirtschaftliche Gründe“, sagen Wotzka und ihr Betriebsleiter Kai-Roland Börner: „Wir haben uns hingesetzt und gerechnet, zu welchen Zeiten wir eigentlich Umsätze machen.“

Rechnen, die Umsätze optimieren - darum geht es auch in einer Systemgastronomie wie dem Extrablatt. Nur nennen sie es dort anders. „Unser Erfolgsrezept ist, dass wir uns absolut auf die Kundenwünsche einstellen“, sagt Carolin Jahn, Betriebsleiterin im Extrablatt am Georgsplatz. „Bei uns gibt es zum Beispiel kein Ausverkauft: Wenn etwas nicht mehr da ist, dann beschaffen wir es schnell nach - auch wenn es uns mehr kostet.“

Beschwerden lassen sich nicht komplett vermeiden

Extrablatt, gegründet 1987 im münsterländischen Emsdetten, hat dort eine Zentralküche, in der die Zutaten für Baguettes und Burger vorgefertigt und portioniert werden - in den Küchen der gut 70 deutschen Extrablätter wird nur noch das Finish vorgenommen. „Die Zutaten sind dadurch frischer als in mancher herkömmlichen Kneipe“, sagt Inhaber Kus. Und die ewige Kritik an schlechtem Service, die man auch im Internet immer wieder liest? „Ach wissen Sie“, sagt Kus, „wenn man viele Tausend Kunden am Tag hat, dann gibt es immer auch ein paar, die unzufrieden sind.“

Einen Beleg dafür liefert Christian Stöver, Fachgruppenleiter Gastronomie beim hannoverschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Als Chef im Bell’Arte im Sprengel-Museum steht er nicht im Verdacht, ein Verteidiger der Systemgastronomie zu sein. „Als das Georxx am Georgsplatz schloss und dort 2014 ein Extrablatt eröffnete, da war die Aufregung erstmal groß, die Stammkunden kamen vielfach zu uns“, verrät er. Mittlerweile aber habe sich die Kritik beruhigt: „Inzwischen redet doch keiner mehr vom Georxx.“

Er glaubt, dass Angebote wie das Extrablatt schlicht auf das Bedürfnis vieler Menschen passten, sich unkompliziert und ohne kulinarischen Anspruch für einen Kaffee niederzulassen. „Die jungen Menschen haben heute ein anderes Ausgehbedürfnis - es ist spontaner, schnelllebiger“, sagt er.

Umut Kus ist sicher, dass sein Extrablatt-Konzept nicht nur in der Innenstadt funktioniert, sondern auch in der Südstadt. Aber auch Anna-Karolinas Wotzka und Kai-Roland Börner glauben an ihr Pindopp. Sie wollen sich einen Ersatzstandort suchen - natürlich in der Südstadt. Auch das Pindopp soll weiterleben.

Gebäude ist zum Jahreswechsel verkauft

Gebäude ist verkauft 
zum Jahreswechsel

Das Gebäude des Pindopp gehörte zuletzt der Quantum, einer Immobilienfirma aus Hamburg, in der unter anderem Versicherungen ihre Immobilien Rendite erwirtschaften lassen. Der Mietvertrag des Pindopp ist zum Jahresende turnusgemäß ausgelaufen.

Nach Angaben von Betreiberin Anna-Karolina Wotzka hat es lange Verhandlungen darüber gegeben, die Immobilie selbst zu erwerben. „Es ging am Schluss nicht mehr um den Kaufpreis, sondern nur noch um Details wie etwa die Trennung der Heizungsanlage“, sagt sie. Dann aber sei der Kontakt plötzlich eingefroren gewesen. „Mails wurden nicht beantwortet, am Telefon konnte man nur selten jemanden erreichen, und in Hamburg standen wir vor verschlossener Tür“, heißt es in einer Stellungnahme, die das Pindopp am Dienstag auf seiner Homepage verbreitete. Über den Verkauf „hinter unserem Rücken“ herrsche jetzt „Fassungslosigkeit“.

Extrablatt-Betreiber Umut Kus ist selbst erstaunt von der öffentlichen Reaktion. „Mir ist die Immobilie angeboten worden mit dem Hinweis, dass der Mietvertrag ausläuft und nicht gekündigt wird – ich würde niemals eine bestehende Einrichtung zerstören wollen“, sagt er. Er verspricht: „Wir passen in die Südstadt und werden in den Räumen ein Art öffentliches Wohnzimmer anbieten.“ Auch nach der Übernahme des Georxx am Georgsplatz 2014 habe es „einen regelrechten Shitstorm gegeben, dass mal wieder ein Traditionsbetrieb verdrängt werde – das hat sich aber gelegt“.

med

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