Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Trammplatz wird mit Bürgerfest eröffnet
Hannover Aus der Stadt Trammplatz wird mit Bürgerfest eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 17.04.2015
Von Conrad von Meding
2015: Florale Muster am Boden und endlich Treppenstufen Richtung Altstadt: Der Trammplatz ist umgebaut. Foto: Harling
Anzeige
Hannover

Es ist erstaunlich, wie schnell bei Bauprojekten die normative Kraft des Faktischen wirkt. Als die HAZ gestern auf dem neu gestalteten Trammplatz Hannoveraner fragte, wie der Platz eigentlich bisher aussah, konnte sich kaum noch jemand erinnern. „Stimmt, da lagen ja überall langweilige Betonplatten auf dem Boden“, sagt Mathematiklehrer Alexander Fischer. Und dass beim Umbau in den Siebzigerjahren ein riesiges Blumenbeet als Barriere zum Friedrichswall angelegt worden war, fällt auch Rentner Dieter Nonnemann erst auf Nachfrage ein: „Das ist schon besser so, wie der Platz jetzt zugänglich ist“, sagt er.

Der Trammplatz ist fertig: Blickfang ist der neue Bodenbelag. Der Landschaftsarchitekt Kamel Louafi hat ein Mosaik mit floralen Mustern entworfen. Zudem hat man das Bodenniveau leicht angehoben, mehrere Rampen erleichtern Rollstuhlfahrern den Zugang. Die ersten Bilder.

2,75 Millionen Euro hat es gekostet, die triste Fläche vor dem meistfotografierten Touristenmotiv Hannovers zu erneuern. Die Summe hat naturgemäß kritische Nachfragen der Ratsopposition provoziert. Ob die Rathausverwaltung sich von Steuergeld einen besonders schönen Vorplatz spendiere, piesackten Vertreter von CDU und FDP.

Anzeige
1913: Rasenflächen prägen den Platz vor dem gerade eröffneten Rathaus.

Oberbürgermeister Stefan Schostok, der beim Bürgerfest zur Eröffnung spricht, nimmt das gelassen. „Nach vier Jahrzehnten war es dringend notwendig, diesen Platz zu erneuern“, sagt er, und: „Es ist sicherlich einer der aufregendsten Plätze, die wir in Hannover haben.“ Tatsächlich: Aus der Vogelperspektive zeigt die Fläche ein grafisches Blumen- und Blättermuster, das sich aber dreidimensional im Platz selbst fortsetzt - er ist nicht eben, sondern leicht gewellt, was ihm eine natürliche Struktur gibt.

Fußgängerweg statt Tunnel

Die eigentliche Aussage des Umbaus ist viel größer. Musste der Rathausbesucher bisher durch einen Tunnel vor dem Maritim den Friedrichswall unterqueren oder, den Platz umrundend, sich seitlich dem Verwaltungssitz nähern, so kann er jetzt endlich wieder ebenerdig und geradewegs zum Portal schreiten. Über den vielspurigen Friedrichswall führt ein Fußgängerweg mit Ampeln, eine breite Freitreppe geleitet auf den Platz - und wer nicht gut zu Fuß ist oder mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs, der kann eine geschwungene Rampe nutzen, die mittig auf die Fläche führt. „Mit diesem Platz ist das Rathaus wieder in der Mitte der Stadt angekommen“, sagt OB Schostok.

Weißer und schwarzer Granit im Pflaster, die Bäume ebenfalls in weißem Stein eingefasst, so hat der Platz einen fast schwebenden Glanz - abzuwarten bleibt, wie lange die Schönheit hält. Auch der Bogenschütze, den die Verwaltung gerne in den Maschpark verbannt hätte, zielt wieder auf das Büro des Oberbürgermeisters, und der von der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung spendierte Fontänenbrunnen ist wieder zurück.

Am Anfang gab es Überlegungen, den abgesenkten Platz anzuheben. Durch die tiefergelegte Fläche kommt sich der Besucher vor dem mächtigen Rathausbau noch etwas kleiner vor - ein typischer Architekturtrick der spätwilhelminischen Epoche, als mit der Bauform vor allem Ehrfurcht vor Autoritäten erzeugt werden sollte. „Besonders demokratisch ist diese Bauweise nicht“, hatte Baudezernent Uwe Bodemann gerügt - am Ende aber reichte es nur für ein leichtes Anheben der Platzfläche. Immerhin konnten so Kabel und Rohre im Untergrund versenkt werden, damit der Platz künftig einfacher für Feste genutzt werden kann. Das wird auch nötig sein, zum Beispiel für das Fest zum 1. Mai. Der Klagesmarkt wird gerade mit Wohnhäusern und Büros bebaut, am Marstall haben die Vorbereitungen für eine Bebauung begonnen, und auch auf dem Steintorplatz würde die Stadt gerne Gebäude entstehen lassen. Der Trammplatz wird also dringend benötigt.

Namensgeber Heinrich Tramm

Heinrich Tramm (1854–1932), nach dem der Platz benannt ist, war Hannovers Stadtdirektor, als das Neue Rathaus 1913 eröffnet wurde. Überliefert ist, dass Tramm gegenüber dem anwesenden Kaiser Wilhelm II. sagte, am 10 Millionen Mark teuren Bau sei „alles bar bezahlt“ – was nicht ganz stimmt, weil es Bürgeranleihen gegeben hatte.

Schon seit Jahren gibt es dort zu Himmelfahrt das Jazzfestival „Swinging Hannover“ und das „Fun“-Kinderfestival. Euphorisch wurde Lena Meyer-Landruts Erfolg beim Eurovision Song-Contest gefeiert, und Ältere erinnern sich auch noch an den Jubel von 1992, als 96-Torwart Jörg Sievers den frisch gewonnen DFB-Pokal auf dem Rathausbalkon in die Höhe reckte. Würde der Verein sich wieder zu solchen sportlichen Erfolgen aufschwingen - der Platz wäre jetzt schön genug für eine Wiederholung der Jubelarien.

Heute wird der neue Platz mit einem kleinen Fest, Musik und Bühnenprogramm ab 13.30 Uhr eröffnet.

Aus der Stadt Existenzangst nach Brandschaden - „Ein Spiel mit dem Feuer“
16.04.2015
Saskia Döhner 16.04.2015
Bernd Haase 16.04.2015