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Aus der Stadt Die große Meisterleistung
Hannover Aus der Stadt Die große Meisterleistung
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11:59 27.07.2013
Von Mathias Klein
Meist genügt ein Pfiff und ein Fingerzeig von Schwimmmeister Götz Liedkte im Annabad – und schon parieren die Gäste.
Meist genügt ein Pfiff und ein Fingerzeig von Schwimmmeister Götz Liedkte im Annabad – und schon parieren die Gäste. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Der Blick schweift hin und her. 1470 Quadratmeter groß ist das blaue Becken, das Götz Liedtke beobachtet. „Man schaut die ganze Zeit danach, ob ein Kopf unter Wasser ist“, berichtet der Bademeister des Annabads in Hannover Kleefeld. „Das ist das Wichtigste.“ Darauf ist der Schwimmmeister trainiert. Manchmal kommt dann ein kurzer Schreck, wenn tatsächlich ein Kopf unter Wasser ist. „In der Regel sind das dann Tauchspiele, da darf man sich nicht täuschen lassen“, sagt der 36-Jährige.

Lufttemperatur 36 Grad, Wasser 27 Grad meldete am Dienstagmittag die Digitalanzeige im Annabad. 6000 Besucher sind im Schnitt an einem sonnigen Werktag in den Sommerferien in dem Schwimmbad, rund 200 von ihnen tummeln sich regelmäßig im großen Becken – eine Mauer trennt das Schwimmerbecken vom Nichtschwimmerbereich. „Das ist dann schon Stress, alles im Auge zu haben“, sagt Liedtke. „Aber es ist besser, als bei 18 Grad hier im Regen zu stehen.“

Bei schönem Wetter häufen sich die Badeunfälle. Am Montag ertrank ein 78-jähriger Mann beim Schwimmen im Wülfeler Teich, vor vier Tagen hatte sich ein siebenjähriges Mädchen im Freibad Uetze beim Sprung vom Einmeterbrett schwer verletzt.

Bademeister und Rettungsschwimmer haben einen verantwortungsvollen Beruf. Für viele ist es ein Traumjob.

Schwimmmeister ist ein Job mit hoher Verantwortung. „Wenn so viel los ist wie heute, muss man immer schauen, dass nichts passiert“, berichtet er. Besonders auf Jugendliche und junge Männer. „Die toben oft durchs Bad und nehmen keine Rücksicht“, erzählt Liedtke. „Hauptproblem ist, wenn Jugendliche andere ins Wasser schmeißen, die schauen dann nicht, ob im Becken dort gerade einer schwimmt“, erzählt der sonnengebräunte Schwimmmeister. Bisher hatte er während seiner Dienstzeit im Annabad Glück. Es gab keinen größeren Unfall. Nur einmal blieb ein Mädchen mit ihrem Fuß an einer Edelstahlstange hängen, als sie die Mauer zum Schwimmerbereich überkletterte und ins Becken sprang.

Konzentration ist alles, aber Liedtke wird auch immer wieder abgelenkt. Häufigste Frage der Badegäste ist, ob er den Drei-Meter-Turm öffnen kann. „Wenn soviel los ist wie derzeit, machen wir das aber nicht“, erklärt er. „Die Gefahr, dass ein Springer auf einem anderen Badegast landet, ist einfach viel zu groß.“

Schaut Liedtke nicht aufs Becken, nutzen Jugendliche das sofort aus und versuchen beispielsweise über die Absperrmauer zwischen den beiden Beckenbereichen zu klettern. „Inzwischen kennt man seine Pappenheimer“, ein kurzer Pfiff, ein Fingerzeig, eine Ermahnung – und alles geht wieder geordneter weiter.

In der Rolle als bewunderter Rettungsschwimmer, wie es viele aus dem Fernsehen kennen, sieht er sich nicht. „Manchmal fühle ich mich als Spielverderber“, sagt er vielmehr. Bisweilen hält er sich schon mit Ermahnungen zurück. Zum Beispiel wenn die Kinder anders rutschen, als es eigentlich erlaubt ist. „Wenn ich den Leuten ständig sage, was verboten ist, haben die keinen Spaß mehr.“

Liedtke ist eigentlich Polizist. In seiner Freizeit macht der Inhaber des Rettungsschwimmerabzeichens regelmäßig Dienst als Bademeister im Annabad, das der Polizeisportverein Hannover betreibt. „Polizisten beobachten einfach gut“, hat der Leiter des Annabads, Horst Schröder, festgestellt.

In den städtischen Freibädern sind die Bademeister fest angestellt. Voraussetzung ist immer das Rettungsschwimmerabzeichen. Wer hauptberuflicher Bademeister werden will, braucht außer einem Schulabschluss ein besonderes Interesse für Sport und Schwimmen, sagt Stephan Schulz, Ausbildungsleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Landesverband Niedersachsen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. „Die Auszubildenden lernen nicht nur, wie sie Menschen aus dem Wasser retten und Schwimmkurse durchführen. Zur Lehre gehören auch medizinische Grundlagen und detaillierte technische Kenntnisse über den Betrieb eines Schwimmbades“, sagt Schulz. Das Interesse an dem Beruf habe in den vergangenen Jahren nicht nachgelassen.

Bademeister gibt es nicht nur in den Freibädern sondern auch an einigen Seen rund um Hannover. Chantal Gotthardt ist mit anderen Rettungsschwimmern am Silbersee in Langenhagen im Einsatz. Die 21-Jährige ist bei der DLRG, den Posten am See bezieht sie freiwillig und ohne Lohn. Manchmal sei das nicht so einfach, erzählt sie, während sie von ihrem Beobachtungsposten vor dem kleinen DLRG-Gebäude am Badestrand Ausschau hält. „Wir haben keine Weisungsbefugnis“, betont die junge Frau, die als Heilerziehungspflegerin arbeitet. Die häufigsten Probleme gebe es, wenn Familien mit Kleinkindern mit Schlauchbooten rausfahren. „Das ist gefährlich, weil der See an einigen Stellen sechs bis acht Meter tief ist.“ Im Übrigen sei der See auch gar nicht so einfach zu kontrollieren. An den Wochenenden, wenn besonders viel los ist, sind mehrere Rettungsschwimmer dort auf Streife unterwegs, und dann holt das DLRG-Team auch das kleine Rettungsboot aus der Garage. „Aber in diesem und im vorigen Jahr ist glücklicherweise nichts passiert“, sagt sie. 2011 war ein fünfjähriger Junge im Silbersee ertrunken – der Albtraum eines jeden Rettungsschwimmers. Aber dieses Unglück passierte außerhalb der Dienstzeit.

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