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Aus der Stadt Trinker werden nicht mit Musik vertrieben
Hannover Aus der Stadt Trinker werden nicht mit Musik vertrieben
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10:12 12.03.2015
Mit Musik wollte die CDU Trinker vom Raschplatz fernhalten.
Mit Musik wollte die CDU Trinker vom Raschplatz fernhalten. Quelle: Behrens (Archiv)
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Hannover

In Hannover werden Trinker rund um den Hauptbahnhof nicht mit Klängen von Bach und Mozart vertrieben. Der Finanzausschuss des Rates hat einen entsprechenden Antrag der CDU abgelehnt. Wenn die Menschen vom Bahnhof vertrieben würden, hielten sie sich woanders auf, sagte der Finanzexperte der SPD-Fraktion, Jens Meng. Außerdem trage die Musik zur sogenannten Lärmverschmutzung bei. Meng ergänzte, es sei wichtig, dort Lautsprecherdurchsagen zu hören. Kerstin Seitz, Finanzexpertin der CDU, entgegnete darauf, es sei „wahnwitzig, in der Unesco-Musikstadt Hannover Musik als Lärmverschmutzung zu bezeichnen“.

Die CDU hatte argumentiert, dass der Raschplatz zunehmend vermülle und es dort immer häufiger nach Urin stinke. Mit Musik, so der Vorschlag, sollte die Trinkerszene auf dem Raschplatz vergrault und zugleich Reisenden eine Wohlfühlatmosphäre geboten werden. Tatsächlich werden in Hamburg manche U-Bahn-Haltestellen und Bereiche des Hauptbahnhofs mit Musik berieselt. Dass dadurch Drogensüchtige und Obdachlose vertrieben werden, gehöre ins Reich der Legende, berichtet unlängst das „Hamburger Abendblatt“.

In Hannover hatte die städtische Immobiliengesellschaft Union Boden vor einigen Jahren versucht, Jugendliche vor dem Eingang zum Parkhaus Mehlstraße zu vertreiben. Etliche Anhänger der Gothic-Szene saßen an Sonnabenden vor der Parkhaus-Einfahrt und ließen die Flaschen kreisen. Schräg gegenüber befindet sich eine Szene-Diskothek. „Klassische Musik und selbst helle Strahler haben die Gothics nicht vertreiben“, berichtet eine Verwaltungsmitarbeiterin.

mak/asl

Veronika Thomas 12.03.2015
Simon Benne 14.03.2015