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Aus der Stadt Trotz Rauchmeldern: Kein Rückgang von Brandschäden
Hannover Aus der Stadt Trotz Rauchmeldern: Kein Rückgang von Brandschäden
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00:15 13.01.2017
Funktioniert alles? Eine Hannoveranerin prüft den Rauchmelder an der Zimmerdecke.  Quelle: Eberstein
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Hannover

Seit einem Jahr sind Rauchmelder in Niedersachsen Pflichtausstattung in allen Wohngebäuden - doch der Nutzen scheint ersten Daten zufolge zweifelhaft. Die Feuerwehren müssen zwar zu mehr Fehlalarmen ausrücken. Eine Anfrage der HAZ bei Versicherungsunternehmen hat jetzt aber ergeben, dass ein Rückgang von Schadensfällen „nicht signifikant erkennbar“ sei.

Die Feuerwehr arbeitet derzeit an der Auswertung ihrer Einsätze. Konkrete Zahlen zu Alarmierungen nach Rauchmeldersignalen liegen daher nicht vor. „Aber gefühlt sind es mehr geworden“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Ein Trend, den auch viele Wehren im Umland beklagen, denn Rauchmelder alarmieren beim kleinsten Anzeichen von Gefahr, etwa angebranntem Essen. „Bei diesen Fällen verzeichnen wir auf jeden Fall einen Anstieg“, sagt Hintz. Ob aber durch die gestiegene Zahl der Rauchmelderalarme und der dadurch ausgelösten Einsätze auch weniger Menschen durch Feuer zu Schaden gekommen sind, dazu gibt es bei der Feuerwehr keine Angaben.

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Vor der Einführung der Rauchmelderpflicht hatte es darum heftige politische Kontroversen gegeben. Insbesondere die Verbände der Immobilieneigentümer hatten gefordert, den Einbau auf freiwilliger Basis vornehmen zu dürfen. Schließlich sei in keinem Bundesland bisher belegt worden, dass es durch die Einführung einer Rauchmelderpflicht weniger Brandopfer gebe.

Durchgesetzt hatte sich aber der Lobbyverein Forum Brandrauchprävention, in dem sich Rauchmelderhersteller, Elektroinstallateure und Versicherungen zusammengeschlossen haben. Rauchmelder retten Leben - mit dem Argument haben sie die Installation in zahlreichen Bundesländern zur Pflicht gemacht. In Niedersachsen sind Rauchmelder in allen Neubauten seit 2012 vorgeschrieben, seit 2016 auch flächendeckend in allen bestehenden Wohngebäuden - ob Mietwohnung oder Einfamilienhaus.

Bei der VGH-Versicherung, Niedersachsens größter Versicherung, heißt es, man verzeichne „in einigen Stufen der Gebäude- und Hausratsversicherung einen leichten Rückgang der Fälle“. Diese lägen aber innerhalb des normalen Schwankungsbereichs und ließen daher keine Aussage darüber zu, ob sich die Sicherheit verbessert habe. Einzig eine Veränderung ist deutlich: In der teuersten Versicherungskategorie mit Schäden über 150.000 Euro habe es im vergangenen Jahr Schadensfälle gegeben, in den Vorjahren aber nicht. Auch dies könne aber dem Zufall geschuldet sein.

Auch der hannoversche Sachversicherer HDI kann einen Rückgang weder bei Gebäudeschäden noch bei Personenschäden durch Brände feststellen.

Bei der Feuerwehr betont Sprecher Hintz allerdings, dass die Rauchmelderpflicht trotzdem sinnvoll sei. Es gehe schließlich darum, Menschen vor der Gefahr durch giftige Rauchgase zu warnen, bevor sie in Ohnmacht fallen und sich nicht mehr selbst retten können. Dafür nehme man auch Fehlalarme in Kauf. Die Feuerwehr stellt es nicht in Rechnung, wenn ein Hinweisgeber wegen eines falschen Alarms seines Rauchmelders die Feuerwehr ruft.

Von Isabel Christian und Conrad von Meding