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Aus der Stadt Trump kauft das Ihme-Zentrum - nicht
Hannover Aus der Stadt Trump kauft das Ihme-Zentrum - nicht
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18:44 20.01.2017
Von Conrad von Meding
So wurde die Fake-News am Freitag im Internet angezeigt. Quelle: Dröse (Archiv)/Screenshot/M
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Hannover

"Trump Junior wird Großinvestor in Hannover", titelte am Freitag die Netzausgabe des Kölner Abendblatts. Kölner Abendblatt? Kennt man nicht. Bei Gebäudeverwalter Torsten Jaskulski klingelte trotzdem schon nach kurzer Zeit das Telefon. Am Apparat: Vertreter von Intown, der Berliner Gesellschaft, die über eine Tochtergesellschaft 83 Prozent der Anteile des Lindener Großkomplexes hält. „Dort hieß es, man wisse gar nichts von dem Vorgang und auch nicht, was das jetzt eigentlich bedeute“, sagt Jaskulski. Er habe daraufhin den eigentlichen Eigentümer und Multimillionär Amir Dayan angerufen, um sich rückzuversichern. In Israel hat er ihn erreicht. „Wir haben gelacht - so ein Quatsch“, sagt Jaskulski. „Herr Dayan sagt, dass bei ihm kein Herr Trump angefragt habe. Aber so haben wir wenigstens einen fröhlichen Start ins Wochenende gehabt.“

Was lustig klingt, ist weltweit inzwischen ein Problem. So genannte Fake News (Falschnachrichten) verunsichern viele, verbreiten sich aber über das Internet Millionenfach und werden trotz ihrer Absurdität irgendwann geglaubt. In Amerika sollen sie möglicherweise den Wahlkampf beeinflusst haben, auch in Deutschland wappnen sich Behörden gegen den Einfluss von gezielt gestreuten Falschnachrichten insbesondere vor der Bundestagswahl.

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Beim der Meldung zum Verkauf des Ihme-Zentrum allerdings genügte ein Blick ins Impressum des angeblichen Kölner Abendblatts. „Du wurdest ganz schön an der Nase herumgeführt! Jemand hat dich mit einem Artikel aufs Glatteis geführt“, heißt es da. Dabei war die Geschichte selbst ziemlich professionell aufgeschrieben.

„Die Nachricht schlug in Hannover ein wie eine Bombe: Eric Trump wird wohl der neue, lange gesuchte Großinvestor des hannoverschen Ihme-Zentrums“, heißt es dort. Und weiter: „Das gab der New Yorker Immobilienspekulant und Sohn des designierten US-Präsidenten Donald Trump am Donnerstag per Twitter bekannt.“ Er sei „von der ,verwegenen Eleganz dieser beeindruckenden monumentalen Architektur und der bewegenden Historie´ des Gebäudes sofort fasziniert gewesen“. Mit einem geplanten Investitionsvolumen „von zunächst 875 Millionen US-Dollar“ wolle er die „Zerfaserung des Objektes durch Dutzende Kleinstinvestoren“ verhindern.

Dayan, so beteurt der Immobilienmogul, will selbst viel Geld in die heruntergekommenen Gewerbebereiche des Ihme-Zentrums investieren. Bisher hat man noch nicht viel davon gesehen, aber nach einem neuerlichen Ultimatum der Stadt soll es angeblich bald losgehen.

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