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Aus der Stadt Tui muss Urlaubern 643 Euro erstatten
Hannover Aus der Stadt Tui muss Urlaubern 643 Euro erstatten
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00:15 24.02.2016
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

Ein Ehepaar, das seinen Spanienurlaub wegen eines Unfalls der Frau sechs Wochen vor Reisebeginn absagen musste, hat vor dem Amtsgericht Hannover eine Rückzahlung der bereits gezahlten Stornogebühren erstritten. Reiseveranstalter Tui muss dem Paar aus dem Kölner Raum 643 Euro erstatten. Begründung von Richterin Martina Vinson: Der Touristikkonzern habe in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Standardgebühr für Stornierungen, die bis zum 31. Tag vor dem geplanten Reisebeginn anfallen, in Höhe von 25 Prozent des Reisepreises veranschlagt. Zulässig seien in diesem Zeitrahmen aber maximal 20 Prozent.

Da die Tui ihren Entschädigungsanspruch nicht konkret begründet habe, so Vinson, komme auch keine Reduzierung der Stornogebühr von 5 Prozent infrage. Heißt: Der Reiseveranstalter muss alles zurückzahlen. Für den Konzern bedeutet dies eine empfindliche Schlappe, die im Einklang mit ähnlicher Rechtsprechung dazu führen könnte, dass er seine Geschäftsbedingungen überarbeiten muss.

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Zwei Wochen sollte der Ibiza-Urlaub dauern, zu dem das Ehepaar am 9. Mai 2015 abheben wollte. Der All-Inclusive-Preis für den Hotelaufenthalt in Cala Pada betrug rund 2550 Euro. Aufgrund des Unfalls der Frau stornierten die verhinderten Urlauber die Flugreise am 28. März, also sechs Wochen vor dem geplanten Start. Wenige Tage später bereits hatten sie die Storno-Rechnung der Tui in Höhe von 643 Euro auf dem Tisch, die sie zunächst brav bezahlten. Doch dann erkundigten sie sich nach der jüngsten Rechtsprechung – und verklagten das Touristikunternehmen auf Rückzahlung der Gebühr.

Richterin Vinson nannte eine Stornogebühr von 25 Prozent unangemessen hoch, zumindest für einen Rücktritt sechs Wochen vor Reisebeginn. Es sei wahrscheinlich, dass ein großer Anbieter wie die Tui es schaffe, Flug und Unterkunft innerhalb dieses Zeitraums neu zu verkaufen; schließlich nehme der Last-Minute-Vertrieb von Restreisen immer mehr zu.

Der Bundesgerichtshof hatte im Dezember 2014 bezüglich eines Streits zwischen zwei Verbraucherzentralen und mehreren Reiseveranstaltern geurteilt, dass bei Flugpauschalreisen eine Stornogebühr von maximal 20 Prozent bis zum 30. Tag vor Reisebeginn angemessen ist. Die Anforderungen an die Berechnung von Stornogebühren seien nicht geringer als bei Anzahlungen, die die 20-Prozent-Grenze ebenfalls nicht überschreiten dürften. Fordere ein Touristikunternehmen eine höhere Gebühr ein, müsse sie diese im Einzelfall konkret begründen und gegebenenfalls seine Kalkulationsgrundlagen offenlegen.

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