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Aus der Stadt Überraschendes Interesse bei Ambulanz für Pädophile
Hannover Aus der Stadt Überraschendes Interesse bei Ambulanz für Pädophile
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00:15 16.03.2013
Von Veronika Thomas
Foto: Das deutschlandweite Präventionsprojekt "Kein Täter werden" wird von der neuen Pädophilenambulanz der MHH unterstützt.
Das deutschlandweite Präventionsprojekt "Kein Täter werden" wird von der neuen Pädophilenambulanz der MHH unterstützt. Quelle: dpa
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Hartmann ist der Leiter des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie und Sexualmedizin an der Medizinischen Hochschule (MHH). Seit einem Jahr versucht die neue Ambulanz, durch vorbeugende Behandlung möglicher Täter Übergriffe auf Kinder zu verhindern. Jetzt haben die Verantwortlichen des Forschungs- und Präventionsprojektes „Dunkelfeld“ eine erste Bilanz gezogen. Demnach haben seit März 2012 genau 327 Personen Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen, von denen 149 aus der „unmittelbaren Zielgruppe der Pädophilen“ kommen, wie es heißt. 61 von ihnen hätten das Diagnostikprogramm durchlaufen, weiteren 34 sei ein Therapieangebot unterbreitet worden. Zurzeit gebe es zwei Therapiegruppen, eine dritte sei in Planung.

Projektleiter Prof. Hartmann nannte die Zahlen eine „im Vergleich zu anderen Standorten sehr gute Bilanz“. Ziel der Kontaktstelle ist es, betroffenen Männern wohnortnah eine therapeutische Hilfestellung zu geben, damit sie keine Übergriffe auf Kinder begehen oder Kinderpornos konsumieren. „Kein Mensch sucht sich diese Neigung aus“, sagt Hartmann. Das Projekt sei ein aktiver Beitrag zum Opferschutz. Es wird durch das niedersächsische Sozialministerium finanziert, Unterstützer sind außerdem die Kinderschutzorganisation Hänsel + Gretel und die VW-Stiftung. Weitere Standorte befinden sich unter anderem in Berlin, Kiel, Leipzig und Hamburg.

Voraussetzung für eine Teilnahme an dem Projekt ist, dass die betroffenen Männer in Bezug auf ihre Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und ohne gerichtlichen Druck Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge haben bis zu ein Prozent aller Männer eine krankhaft sexuelle Ausrichtung auf Kinder – das sind deutschlandweit etwa 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren. Rund 10.000 von ihnen leben in Niedersachsen. Laut Kriminalstatistik werden jährlich 12.000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch angezeigt.

Zur Homepage des Projekts „Kein Täter werden“.

Conrad von Meding 13.03.2013
13.03.2013