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Aus der Stadt Arbeitnehmer drohten mit Üstra-Streik
Hannover Aus der Stadt Arbeitnehmer drohten mit Üstra-Streik
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00:15 28.01.2018
Wilhelm Lindenberg verteilte im vergangenen Sommer zum 125. Geburtstag der Üstra in der U-Bahn-Station Kröpcke Kuchen.    Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Die Arbeitnehmervertreter im Üstra-Aufsichtsrat haben mit Streiks bei Bussen und Stadtbahnen gedroht, sollte der ehemalige Vorstand Wilhelm Lindenberg nicht einen goldenen Handschlag erhalten. Nach Informationen der HAZ soll in der entscheidenden Aufsichtsratssitzung kurz vor Weihnachten „eine massive Drohkulisse“ aufgebaut worden sein, berichten Teilnehmer. Lindenberg soll zudem 20.000 Euro für eine Abschiedssause gefordert haben. 

Wie zu erfahren war, muss es in der entscheidenden Sitzung des Kontrollgremiums turbulent hergegangen sein. Es sollen Sätze gefallen sein, „dann gibt es erhebliche Verwerfungen in Hannover“ und „es droht ein Erdbeben“, sollte der Rauswurf nicht rückgängig gemacht werden. Neben Streiks sollen die Arbeitnehmervertreter auch von Fackelmärschen durch die Stadt für Lindenberg gesprochen haben. Für den ehemaligen Üstra-Vorstandsvorsitzenden André Neiß hatten sich die Arbeitnehmervertreter hingegen nicht eingesetzt. 

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Drohungen hatten Erfolg

Lindenberg ist seit 40 Jahren bei der Üstra, er war für zahlreiche Mitarbeiter die gute Seele des Unternehmens. Er habe die Karrieren zahlreicher Mitarbeiter befördert, das habe dann auch viele Leute ihm gegenüber verpflichtet, heißt es aus dem Unternehmen. 

Wie berichtet, hatten die Drohungen der Arbeitnehmervertreter Erfolg: Drei im Aufsichtsrat sitzende Politiker von SPD und Grünen stimmten mit den Arbeitnehmern. Dadurch wurde die sofortige Vertragsauflösung zurückgenommen. Lindenbergs Arbeitsverhältnis läuft bis Ende dieses Jahres weiter, wie auch ursprünglich vorgesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird er freigestellt, erhält jedoch weiterhin einen großen Teil seiner Vergütung weiter. Der ehemalige Betriebsratschef bekommt die Grundvergütung von 200.000 Euro, die sonst üblichen Tantiemen von 60.000 Euro fallen weg. Außerdem muss er im nächsten Monat seinen Dienstwagen abgeben. 

Jeden Tag befördert die Üstra Zehntausende Hannoveraner zur Arbeit, zur Universität oder in die Schule. Das sollten Sie über das Unternehmen wissen.

Für die 20.000 Euro, die der frühere Üstra-Vorstand für sein Abschiedsfest von dem Unternehmen bekommen wollte, gab es keine Zustimmung. Außerdem willigte das Kontrollgremium nicht in eine von Lindenberg vorgelegte Pressemitteilung ein, in der dessen Verdienste für die Üstra hervorgehoben haben wollte. 

Wie in den vergangen Tagen berichtet, herrschten bei der Auftragsvergabe der Üstra jahrelang Vetternwirtschaft, Mauscheleien, Filz. Das geht aus einem Gutachten hervor, dass eine Berliner Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag von Aufsichtsratschef Ulf-Birger Franz vorgelegt hatte. Demnach wurde massiv gegen Vergaberegeln und Gesetze verstoßen, laut Gutachten auch mit Wissen des Vorstands. Denn die interne Revision hatte mehrere Auftragsvergaben untersucht und schwere Bedenken angemeldet. Unter anderem hatte der Mann der SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Regionsversammlung, Silke Gardlo, von der Üstra einen Auftrag über knapp 25.000 Euro zur Einführung von Gruppenarbeit erhalten. Gardlo sitzt im Aufsichtsrat.

Unterdessen hat die Gruppe „Die Region“ in der Regionsversammlung eine aktuelle Stunde zu Üstra-Vergabeaffäre beantragt und einen Fragenkatalog an die Regionsverwaltung gesandt. Unter anderem will „Die Region“ wissen, wie hoch der bei der Üstra durch Kungelei und Korruption entstandene Schaden ist. 

Von Mathias Klein

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