Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Üstra-Fangprämie für Schwarzfahrer
Hannover Aus der Stadt Üstra-Fangprämie für Schwarzfahrer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:41 06.06.2015
Von Bernd Haase
Bei einer Schwerpunktkontrolle von Fahrgästen in der abgeriegelten Station Christuskirche im März waren auch prämienberechtigte Protec-Prüfer unterwegs.Foto: Wallmüller
Bei einer Schwerpunktkontrolle von Fahrgästen in der abgeriegelten Station Christuskirche im März waren auch prämienberechtigte Protec-Prüfer unterwegs.Foto: Wallmüller Quelle: Michael Wallmueller
Anzeige
Hannover

In den Bussen und Stadtbahnen der Üstra erhalten Kontrolleure der hundertprozentigen Tochterfirma Protec offensichtlich schon seit Jahren Fangprämien für ertappte Schwarzfahrer - obwohl das Unternehmen öffentlich etwas anderes suggeriert hatte. Diese Praxis gibt es nach Auskunft des Fahrgastverbandes Pro Bahn bei keinem anderen deutschen Verkehrsbetrieb. Sprecher Gerd Aschoff kritisiert das Vorgehen heftig: „Es kann nicht angehen, dass in dieser Form Jagd auf tatsächliche oder vermeintliche Schwarzfahrer gemacht wird.“

Mitte der Woche war bekannt geworden, dass 20 von insgesamt 60 Fahrausweisprüfern die Fangprämien bekommen - nämlich diejenigen, die nicht bei der Üstra selbst, sondern bei der Protec angestellt sind. Für den Einzelnen können im Monat bis zu 800 Euro Zusatzverdienst zusammenkommen. Das Prämiensystem dient auch der Erfolgskontrolle.

Im Laufe der Jahre hat die HAZ häufiger nach der Existenz dieser Fangprämien - die Üstra selbst spricht lieber von einem Anreizsystem - gefragt, weil Fahrgäste so etwas vermuteten. Die Anfragen waren stets verneint worden. Der Vorstandsvorsitzende André Neiß begründet das jetzt damit, dass die Üstra ja auch keines habe. Die Protec handele wirtschaftlich selbstständig; das Anreizsystem sei Teil des operativen Geschäfts. „Die Üstra kann daran auch nichts Verwerfliches finden, da ihre zahlenden Fahrgäste nicht belastet werden“, sagt Neiß. Es gebe keinen Grund, auf die Protec einzuwirken, das Anreizsystem zu ändern oder aufzugeben.

Die Frage, ob er überhaupt von der Fangprämie bei der Protec gewusst hat und, wenn ja, seit wann, beantwortete Vorstandschef Neiß nicht. In den Bahnen und Bussen der Üstra wird im Bundesvergleich überdurchschnittlich häufig kontrolliert. Neiß hatte dafür mehrfach monetäre Motive verneint: „Mit den Prüfungen wollen wir nicht möglichst viele Schwarzfahrer erwischen, sondern vor allem die Zahlungsmoral der Nutzer im Nahverkehr stärken.“ Im vergangenen Jahr verhängte die Üstra knapp 64 000 Knöllchen und kassierte insgesamt 1,2 Millionen Euro an Bußgeldern.

Pro Bahn lehnt Fangprämien ab, weil sie Kontrolleure dazu motivieren könnten, in nicht eindeutigen Fällen unnachgiebiger zu Werke zu gehen. „Das ist auch der Grund dafür, dass andere Verkehrsunternehmen dies nicht machen“, sagt Sprecher Aschoff. Er nannte als Beispiele für Zweifelsfälle etwa defekte Stempelautomaten, Streitigkeiten über den Zeitpunkt, wann jemand gestempelt hat, Überforderung vor allem Ortsfremder mit komplizierten lokalen Tarifsystemen oder geringfügige Überschreitung der zeitlichen Gültigkeitsdauer von Fahrscheinen. „Wer Aussicht auf eine Prämie hat, denkt nicht mehr an Kulanz“, erklärt Aschoff. Dies könne auch das Image des betroffenen Unternehmens und des gesamten Nahverkehrs trüben.

Die Verkehrsexperten der großen Fraktionen in Hannovers Regionsversammlung stellen sich hinter die Üstra. Karl-Heinz Mönkeberg (SPD) verwies auf die Einnahmen, die helfen, Defizite im mit Steuergeld geförderten Nahverkehr auszugleichen. „Schwarzfahrer verhalten sich unsozial. Je mehr erwischt werden, desto besser“, sagt Oliver Brandt (CDU).

Aus der Stadt Stammzellenspende, Maker Faire, Feuerwerk - Das ist heute in Hannover wichtig
06.06.2015
Aus der Stadt Modevorbilder vom Maschsee - Eine Stadt mit Modebewusstsein
05.06.2015
Karsten Röhrbein 05.06.2015