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Aus der Stadt Üstra ist wieder per „die“
Hannover Aus der Stadt Üstra ist wieder per „die“
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19:54 30.10.2011
Von Bernd Haase
Fehlerkorrektur: Das Unternehmen holt seinen Artikel aus der Abstellkammer Quelle: Decker
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„Wir haben einen Fehler gemacht und korrigieren ihn nun. Das spricht dafür, dass wir lernfähig und flexibel sind“, sagt Üstra-Sprecher, pardon: der Üstra-Sprecher Udo Iwannek.

Mit ihren 119 Jahren hat die Üstra ein gesegnetes Alter erreicht und ist unter diesem Namen (er bedeutet „Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG“) den Hannoveranern vertraut wie kein zweites öffentliches Unternehmen in der Stadt – immerhin zählt sie an jedem Werktag rund eine halbe Million Menschen als Fahrgäste. In all den Jahren war der Artikel „die“ so eng mit dem Firmennamen verbunden wie die Bahnen mit ihren Gleisen.

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Das änderte sich im Juni vergangenen Jahres, als auffällig wurde, dass es in Kundenbriefen oder Pressemitteilungen nur noch Üstra hieß. Der Artikel hatte sich verflüchtigt. Als Begründung dafür nannte das Unternehmen auf Nachfrage die eingangs erwähnten Erfordernisse. Warum der Artikelverzicht für eine unternehmensspezifische Markenführung wichtig ist und was man unter diesem Wortungetüm überhaupt konkret zu verstehen hat, blieb offen. Andererseits fiel auf, dass zum gleichen Zeitpunkt ein Autokonzern eine sehr erfolgreiche und preisgekrönte Werbekampagne fuhr. Der Titel: „Das Auto“, die Betonung liegt auf „das“.

Offiziell sagt es keiner, aber aus dem Unternehmen ist zu hören, dass die umgemodelte Markenführung weder innen, also bei den Mitarbeitern, noch außen, also bei den Kunden und Fahrgästen, sonderlich gut ankam. Die Üstra ohne ihr „die“, das klinge doch irgendwie amputiert, habe es geheißen. Im allgemeinen Sprachgebrauch erwies sich der Artikel ohnehin als überlebensfähig, zumal die Medien mit Ausnahme des eng mit der Üstra verbandelten Fahrgastfernsehens die Revolte nicht mitmachten.

Eine andere Neuerung, auch im vergangenen Sommer eingeführt, bleibt dagegen bestehen. Außer vom „die“ hatte sich die Üstra auch von Anglizismen verabschiedet. Das Service Center City am Platz der Weltausstellung beispielsweise heißt schlicht und ergreifend Kundenzentrum. Die damalige Rückbesinnung aufs Muttersprachliche hatte übrigens nichts mit den Erfordernissen einer unternehmensspezifischen Markenführung zu tun, sondern war lediglich eine Reaktion auf Kundenwünsche.

30.10.2011
Stefanie Kaune 30.10.2011
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