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Aus der Stadt Üstra macht zwei Großbaustellen auf
Hannover Aus der Stadt Üstra macht zwei Großbaustellen auf
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00:24 16.11.2015
Von Bernd Haase
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Hannover

„Wir wollen verschärfte Anfor­derungen an den Brandschutz umsetzen“, sagt Stefan Harcke, Geschäftsführer der Gesellschaft Infra, die für Tunnel, Haltestellen und Gleise zuständig ist. Er betont aber, dass es sich um eine freiwillige Investition handelt und nicht etwa um die Abwehr akuter Gefahren: „Wir könnten auch alles so lassen, wie es ist, weil wir Bestandsschutz haben.“ Geplant sind die Umbauten für 2017.

Die konkreten Brandschutzuntersuchungen in der Tunnelstation am Hauptbahnhof laufen noch. Dort will die Infra aber ohnehin tätig werden. Sie hat einen Architektenwettbewerb durchgeführt, bei dem es darum ging, Fußböden, Decken und Wände neu zu gestalten und eine zeitgemäßere Beleuchtung zu installieren. „Die Station wirkt insgesamt zu düster. Wir wollen ein helleres und freundlicheres Ambiente schaffen“, sagt Harcke.

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Ursprünglich war vorgesehen, am Hauptbahnhof Grafiken, Fotos und Collagen mit Motiven zu Person und Wirken des hannoverschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz zu installieren. Vorbild dafür ist die vor anderthalb Jahren sanierte Station am Waterlooplatz, die älteste im Netz überhaupt. Dort entfaltet sich mit ähnlichen Stilmitteln Hannovers Stadtgeschichte. „Wir wären damit nicht bis zum Leibniz-Jahr 2016 fertig geworden. Deshalb lassen wir es ganz“, erläutert Harcke.

Sechs Millionen Euro werden investiert

Noch nicht geklärt ist, was beim Umbau mit dem großflächigen Kunstwerk des Franzosen Jean Dewasne passiert. „Jet-Underground“ bedeckt seit 40 Jahren fast komplett die Seitenwände und ist wegen seiner Größe nicht für jeden überhaupt als Arbeit eines Künstlers erkennbar. Dewasne hat sein leicht surreal wirkendes Werk, das Bewegung, Geschwindigkeit und Technik ausdrücken soll, mit Autolack auf siebenfach verleimte Sperrholzplatten gesprüht. Fachleute prüfen gerade, wie sich das mit dem Brandschutz verträgt.

Ungleich komplexer wird der Umbau am Aegi, für den erst die Vorplanungen angelaufen sind. Um den Brandschutz zu verbessern, ist dort ein zweites Treppenhaus samt zugehörigem Personenaufzug erforderlich. „Dadurch können Fahrgäste bei Rauchentwicklung schneller von der untersten Ebene nach oben gelangen“, erläutert Harcke. Wie genau die Anlagen angeordnet werden, steht noch nicht fest. Platz dafür sei aber vorhanden, sagt der Geschäftsführer.

Nach derzeitigem Stand muss die Infra für die Arbeiten an der Station Hauptbahnhof knapp 2 Millionen Euro investieren, für diejenige unter dem Aegi dürften es vier Millionen Euro werden. Weitere Ausgaben werden folgen, weil die meisten der 19 Tunnelstationen seit Inbetriebnahme der Stadtbahn vor vier Jahrzehnten nie grundlegend modernisiert worden sind. „Wir werden uns eine Station nach der anderen ansehen“, kündigt Harcke an. Kandidaten für weitere Neugestaltungen seien etwa die Haltestellen Lister Platz und Sedanstraße.

Ärger mit Maulwürfen, Investition in der City

Wühler unterminieren Gleise: Die Infra lässt längs der Schienenstrecke am Zoo eine Sperre aus Metallelementen einziehen. Grund sind die Aktivitäten von Maulwürfen – die Tiere stehen unter Artenschutz. Die Metallsperre soll dafür sorgen, dass sie künftig andernorts ihre Bautätigkeiten verrichten. Im Wirtschaftsplan des Unternehmens nimmt der Posten „Erneuerung Rasengleis Zoo inklusive Einbau einer Maulwurfsperre“ mit 226 000 Euro eine vergleichsweise kleine, aber auffällige Position ein. Dickster Brocken ist der Ausbau der oberirdischen City-Stadtbahnstrecke von 2016 bis 2018. Insgesamt soll er 43,7 Millionen Euro kosten, davon im Jahr 2016 rund 6,9 Millionen Euro. Insgesamt umfasst der Wirtschaftsplan fürs kommende Jahr fast 46 Millionen Euro, die für Neubauten, Modernisierungen und Instandhaltung im Stadtbahnnetz ausgegeben werden sollen. Dem stehen Einnahmen von knapp 9 Millionen Euro gegenüber, die im wesentlichen von der Üstra kommen. Sie zahlt unter anderem dafür, dass sie die Gleise nutzt. Den Differenzbetrag tragen Bund, Land und Region.

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