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Aus der Stadt Üstra verbucht Rekord bei Fahrgastzahlen
Hannover Aus der Stadt Üstra verbucht Rekord bei Fahrgastzahlen
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20:46 26.04.2013
Von Bernd Haase
Die eigentlich beschlossene Sanierung wird noch einmal überdacht: Die Zukunft des Üstra-Gebäudes am Hohen Ufer ist ungewiss.
Die eigentlich beschlossene Sanierung wird noch einmal überdacht: Die Zukunft des Üstra-Gebäudes am Hohen Ufer ist ungewiss. Quelle: Wilde
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Hannover

Die Üstra hat im vergangenen Jahr fast 160 Millionen Fahrgäste gezählt, das sind noch einmal 2,4 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2010. Das Ganze hat sich allerdings nicht in vollem Ausmaß in der Kasse niedergeschlagen. Weil dieS-Bahn noch größere Fahrgastzuwächse verbuchte, sind die Gesamteinnahmen im Großraum Verkehr Hannover unter den einzelnen Unternehmen neu aufgeteilt worden. Die Üstra zählt dabei zu den Verlierern. „Trotzdem war es für uns ein gutes Jahr“, resümierte der Vorstandsvorsitzende André Neiß gestern bei der Bekanntgabe der Jahresbilanz.

Insgesamt schreibt die Üstra rote Zahlen, was aus steuerlichen Gründen nicht unwillkommen ist. Das Defizit lag 2012 bei 18,3 Millionen Euro und damit um etwa 1,3 Millionen Euro niedriger als in der Finanzplanung veranschlagt. Einer der Gründe: Die Energiekosten für Fahrstrom und Diesel entwickelten sich nicht ganz so dramatisch wie das Unternehmen befürchtet hatte. Bei den Investitionen hat die Üstra eine Pause eingelegt, sie lagen bei 9,6 Millionen Euro unter anderem für die Modernisierung des Betriebshofs in Vahrenwald.

Im laufenden Jahr wird das ganz anders aussehen. Die Investitionssumme steigt um das Zehnfache und fließt vor allem in den Kauf neuer Bahnen und Busse. Daran wird nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden, Regionspräsident Hauke Jagau, trotz der jüngst vorgestellten mittelfristigen Finanzplanung auch nicht gerüttelt. „Die Modernisierung der Flotte ist zwingend geboten, wenn wir den Nahverkehr attraktiv erhalten wollen“, betonte er.

Sowohl die Üstra als auch die Regiobus als zweites öffentliches Nahverkehrsunternehmen in der Region erwarten für die kommenden Jahre wachsende Defizite im zweistelligen Millionenbereich, weil die Schere zwischen Einnahmen und Kosten auseinandergeht - und zwar trotz steigender Fahrpreise. Neiß sagte, man werde bis 2017 nicht auf jährliche Tarifanhebungen in der Größenordnung von drei Prozent verzichten können - „aber die weiteren Spielräume sind gedeckelt“. Jagau sieht die Finanzlage bei der Üstra nicht dramatisch und macht das unter anderem an der Eigenkapitalquote fest. Sie liegt bei 46 Prozent. Das in Finanznöten steckende Klinikum der Region kommt auf lediglich acht Prozent.

Zum Jahresende beschäftigte die Üstra 1785 Mitarbeiter. Personalvorstand Wilhelm Lindenberg sagte, es werde zunehmend schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt geeignete Bewerber zu finden. „Wir wollen uns als attraktiver Arbeitgeber positionieren“, erklärte er. Dazu zählten flexible Arbeitszeitmodelle und Weiterbildungsangebote. Außerdem will die Üstra den Frauenanteil in der Belegschaft erhöhen - „wir sind zu männerlastig“, befindet Lindenberg.

  •  Neue Hybridbusse bestellt: Die Üstra hat beim polnischen Hersteller Solaris aus Posen 42 Hybridbusse bestellt, die mit einer Mischung aus Elektro- und Dieselantrieb fahren. Der Stückpreis liegt bei 450000 Euro. Ausgeliefert werden die Fahrzeuge, deren Anschaffung die Region mit einer Million Euro jährlich unterstützt, nach und nach bis Ende 2016.

Umbau am Hohen Ufer ist fraglich

Die millionenschwere Sanierung des Üstra-Hauptsitzes am Hohen Ufer war eigentlich schon beschlossene Sache und sollte demnächst beginnen – jetzt ist sie wieder fraglich. „Wir prüfen Alternativen“, sagte Personalvorstand Wilhelm Lindenberg. Dazu zählt auch, den Standort am Westrand der Innenstadt zu verlassen und Vorstand und Verwaltung in einen Neubau auf dem Gelände des Betriebshofs Glocksee ziehen zu lassen. Im Mai wird sich der Aufsichtsrat mit dem Thema befassen. Der markante Bau auf einem Grundstück in bester Lage am Leineufer stammt vom renommierten hannoverschen Architekten Dieter Oesterlen, ist 1963 fertiggestellt und seitdem nie saniert worden. Die Büros in dem sechsgeschossigen Haus besitzen die Anmutung von Schließfächern. Brandschutz, Elektrik und die Heiztechnik sind veraltet; das Gebäude ist ein Energiefresser. Deshalb fasste man Ende 2011 den Beschluss, Oesterlens Fassade zwar nicht anzufassen, aber den Bau von innen komplett zu entkernen und zu modernisieren. Etwa 14,6 Millionen Euro waren veranschlagt.

Einen Abriss – das Üstra-Haus ist nicht denkmalgeschützt – und Neubau an gleicher Stelle sowie den Umzug zur Glocksee hatte man verworfen, weil die prognostizierten Kosten höher lagen. Das gilt nun nicht mehr. „Die Baukostenentwicklung hat uns dazu veranlasst, noch einmal alles neu zu rechnen“, sagt Lindenberg. In der Kalkulation dürfte auch eine Rolle spielen, dass das vorhandene Bürogebäude auf dem Betriebshof Glocksee ebenfalls ein Sanierungsfall ist und vermutlich abgerissen werden muss. Bauen muss die Üstra also in jedem Fall. Lindenberg sagte, 2015 wolle man ein neues oder modernisiertes Domizil beziehen.

Tobias Morchner 26.04.2013
Gunnar Menkens 28.04.2013