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Aus der Stadt Wegfall des Kombitickets überrascht Messegäste
Hannover Aus der Stadt Wegfall des Kombitickets überrascht Messegäste
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17:35 13.04.2015
Von Isabel Christian
Kombiticket gibt’s nicht mehr: Haydar Mema informiert Gäste der Hannover Messe am Hauptbahnhof über die seit Anfang des Jahres geltende Regelung.
Kombiticket gibt’s nicht mehr: Haydar Mema informiert Gäste der Hannover Messe am Hauptbahnhof über die seit Anfang des Jahres geltende Regelung. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Lukas Lichtenstein und Haydar Mema sind kaum zu übersehen, obwohl Hunderte Menschen um sie herumwuseln. Mit ihren knallroten Jacken und den Wimpeln mit den Zeichen von Bus, S- und Stadtbahn auf dem Rücken sind die beiden jungen Männer im Hauptbahnhof Anlaufstelle für Besucher der Stadt – insbesondere für jene, die nicht wissen, wie sie zur Hannover Messe kommen. Von den beiden Männern erfahren sie unter anderem, dass ihre Eintrittskarten nicht mehr als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr gelten. Noch nicht jedem Messegast ist das klar – obwohl die aktuelle Messe schon das vierte Branchentreffen mit der neuen Regelung ist.

Zum 1. Januar lief das Abkommen zwischen Deutscher Messe AG, Üstra und dem Großraum Verkehr Hannover (GVH) aus, das Messetickets als Fahrscheine für Bus und Bahn auswies. Als Grund hatte die Messe angegeben, dass zu den großen Industrietreffen Cebit und Hannover Messe mittlerweile nur noch 10 Prozent der Besucher und Aussteller das Kombiticket nutzten. Das 800.000 Euro teure Jahresabkommen mit den Nahverkehrsunternehmen sei daher nicht mehr notwendig.

Bei der Teppichmesse Domotex, der ersten Messe des Jahres, hatte die neue Regelung für Ärger gesorgt. Die Üstra kontrollierte am Messeeingang Nord jeden Fahrgast einzeln. Rund 3000 von 4000 Kontrollierten wussten nicht, dass sie ein Ticket hätten lösen müssen, und wurden zur Kasse gebeten. Der Deutschen Messe wurde daraufhin vorgeworfen, sie hätte ihre Besucher schlecht informiert.

Lichtenstein und Mema stehen zwar erst seit ein paar Stunden auf ihren Posten, doch sie mussten schon vielen Messegästen Fragen zum Ticket beantworten. „Viele sind überrascht, dass sie ein Nahverkehrsticket lösen müssen“, sagt Mema. „Ein französisches Paar hat sogar schon ein Bußgeld kassiert, weil es dachte, der Nahverkehr wäre noch mit in der Eintrittskarte inbegriffen.“

Messesprecher Hartwig von Saß dagegen glaubt, dass die Informationspolitik der Deutschen Messe AG zur neuen Regelung schon bei der Computermesse Cebit und jetzt auch bei der Hannover Messe gut funktioniert. „Statistisch gesehen trifft jetzt jeder Messebesucher auf dem Weg zum Gelände zwölfmal auf den Hinweis, dass ein Ticket gekauft werden muss.“ An den Bahnstationen läuft der Hinweis etwa über die Anzeigetafeln, zudem sind 24 Helfer wie Lichtenstein und Mema an den zentralen Bahnhöfen am Flughafen, am Kröpcke, am Hauptbahnhof und am Aegidientorplatz unterwegs.

Maßnahmen A und R gut angenommen: Die Berufspendler haben sich am ersten Tag der Messe gut auf die Einbahnstraßenregelungen auf dem Messeschnellweg eingestellt – größere Behinderungen gab es nicht. Die Regelung war wieder eingeführt worden, weil bis zu 24 000 Fahrzeuge pro Tag erwartet werden.

So machen es andere Messestädte

Kombiticket ja oder nein? In den deutschen Messestädten wird der Nahverkehrsservice für Besucher und Aussteller ganz unterschiedlich gehandhabt. In Frankfurt weist die Messe auf ihrer Internetseite darauf hin, dass Eintrittskarten mit dem Logo des örtlichen Nahverkehrs als Fahrkarten gelten. Das betrifft vor allem die hauseigenen Messen. Tagestickets dagegen berechtigen Besucher nur zur Abreise vom Messegelände. In Köln dient das Messeticket gleichzeitig als Fahrkarte für die Hin- und Rückfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr. In Berlin und München dagegen gibt es keine derartigen Vereinbarungen. Messebesucher müssen sich normale Fahrscheine kaufen. In Hamburg ist der Nahverkehr ebenfalls nicht mit inbegriffen, Aussteller können jedoch über die Messe verbilligte Tickets für den Zeitraum der Messe kaufen. Nürnberg dagegen hat mit dem Nahverkehrsverbund nur für bestimmte Messen ein Abkommen getroffen, zu denen dann die Eintrittskarte als Fahrschein gilt.

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Nach dem Aus für das Kombiticket bei Messen bleibt die Empörung bei Politikern aller Parteien hoch. Am weitesten gehen die Grünen: Verkehrsexperte Michael Dette pocht auf eine Wiedereinführung des Tickets. Als Vermittler schlägt er Oberbürgermeister Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau vor.

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