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Aus der Stadt Platz für mehr Genuss
Hannover Aus der Stadt Platz für mehr Genuss
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21:17 17.11.2014
Von Rüdiger Meise
So soll der Thielenplatz nach Vorstellung der Gastronomen und Investoren aussehen: Nach Entfernen der Stadtbahnschienen würde mehr Außengastronomie auf den Platz passen.
So soll der Thielenplatz nach Vorstellung der Gastronomen und Investoren aussehen: Nach Entfernen der Stadtbahnschienen würde mehr Außengastronomie auf den Platz passen. Quelle: Büro if architecture
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Hannover

Unter anderem die Aussicht auf einen Thielenplatz ohne Stadtbahnschienen hat Block- House-Vorstandschef Stephan von Bülow überzeugt, dass hier der richtige Ort für das dritte Steakhaus der Kette in Hannover ist.

Im Zuge der neuen Stadtbahn-Streckenführung zur D-Linie (Projekt Zehn Siebzehn) werden in den kommenden Jahren die Schienen aus dem Straßenbett der Joachimstraße und der Prinzenstraße entfernt. Bereits in den vergangenen Jahren ist der Platz durch die Neugestaltung der Fläche vor dem Cityhotel und dessen Mini Bar sowie den Einzug von Hannovers erstem L‘Osteria-Restaurant aufgewertet worden. „Wo mehrere Gastronomen versammelt sind, entsteht ein Anziehungspunkt für die Gäste“, sagt Block-House-Chef von Bülow. Der Laden Licht + Ambiente ist hier ausgezogen und hat gestern an der Berliner Allee eröffnet.

Im August 2015 soll das neue Restaurant eröffnen. Dann finden Hungrige und Nachtschwärmer außer dem Steakhaus die bestehenden Restaurants Sushi-Do, L’Osteria und Paulaner sowie das Feinkost-Bistro Proseccheria, die Mini Bar und das Cityhotel am Thielenplatz - ein Gastronomieangebot, das kaum Wünsche offen lassen soll.

L’Osteria-Geschäftsführer Jan Hausen ist begeistert über die jüngste Entwicklung und erwartet, dass der Thielenplatz mittelfristig eine ganz neue Bewertung im Innenstadtgefüge bekommt. Schon jetzt sei sein Haus unter anderem aufgrund die Nähe von Bahnhof, Oper und Schauspielhaus abends gut besucht. „Der Standort ist aber wegen der umliegenden Büroflächen auch mittags stark - und demnächst entsteht in direkter Nähe das neue Justizzentrum und der neue VGH-Standort“, sagt Hausen. Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) schafft an der Ecke Schiffgraben/Prinzenstraße mehr als 6800 Quadratmeter moderne Büroflächen. Der Münchener freut sich, 2012 mit Hannovers erstem L’Osteria-Standort den richtigen Riecher gehabt zu haben.

Auch straßenbaulich soll der Thielenplatz aufgewertet werden. Das Bauamt prüft zurzeit die Möglichkeiten, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Konkrete Entwürfe oder Pläne für einen Umbau gebe es zum jetzigen Zeitpunkt bei der Stadt aber noch nicht.

Bei den Gastronomen schon.

Das hannoversche Architekturbüro „if architecture“ hat in ihrem Auftrag eine Visualisierung erstellt, wie der Platz künftig ohne Schienen aussehen könnte (Bild oben). Dabei schlagen sie vor, die Außengastronomie vor der Mini Bar in den Raum zu erweitern, der heute von der Stadtbahn beansprucht wird. In ersten Gesprächen soll sich das Bauamt zumindest nicht ablehnend geäußert haben.

Diese Entwicklung ist ganz im Sinne zweier Herren mittleren Alters, deren Einfluss in der City stetig wächst: Die Projektentwickler Alexander und Nicolai Schreiber hatten 2002 begonnen, am Thielenplatz zu investieren. Damals pachteten sie das Hotel am Thielenplatz - heute gehört ihnen der Großteil der Immobilien. „Wir waren immer von diesem Standort überzeugt“, sagt Alexander Schreiber. „Schauen Sie mal, welche Straßen auf den Platz führen: Königstraße, Theaterstraße, Prinzenstraße, Lavesstraße - wenn Sie die beim Monopoly besitzen, dann haben Sie gewonnen.“

Schon 2002 hätten viele Hannoveraner den Platz gemocht, obwohl er damals trostlos war. „Vielleicht liegt das an dem ehemaligen Kino am Thielenplatz“, sagt Nicolai Schreiber. Auch deshalb haben die Brüder die alte Kinotreppe im L’Osteria-Gebäude erhalten.

Seit mehr als zehn Jahren verfolgen die Schreiber-Brüder mit Beharrlichkeit die Entfaltung des Thielenplatzes. „Wir haben im heutigen L’Osteria-Gebäude jahrelangen Leerstand in Kauf genommen, obwohl wir Angebote von Drogerien oder Spielotheken hatten“, sagt Alexander Schreiber. „Wir wollten die richtigen Mieter haben.“ Beide sind überzeugt, dass das nun geglückt ist. Und sie sind optimistisch, den Platz gemeinsam mit der Stadt straßenbaulich aufwerten zu können. Bei der Fläche vor der Mini Bar sei das bereits einvernehmlich gelungen. „Schön wäre, aus dem Platz eine Art ,Piccadilly Circus’ für Hannover zu machen“, sagt er.

Da allerdings möchte Stadtbaurat Uwe Bodemann sicher noch ein Wörtchen mitreden.

Lars Ruzic 20.11.2014
Tobias Morchner 26.11.2015