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Aus der Stadt Hannovers Luft bleibt trotz Umweltzone schmutzig
Hannover Aus der Stadt Hannovers Luft bleibt trotz Umweltzone schmutzig
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00:23 17.04.2015
Von Andreas Schinkel
Hannovers Umweltzone besteht seit sieben Jahren – aber noch immer ist die Stadtluft schmutziger als die EU erlaubt. Quelle: Bernd Weißbrod
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Hannover

In der Ratspolitik wird nun laut darüber nachgedacht, dass Autofahrer langsamer fahren sollen. Allerdings geht es dabei nicht um ein generelles Tempo-30-Limit, sondern darum, dass da, wo Tempo 50 gilt, tatsächlich auch nicht schneller gefahren wird.

In Ratspolitik und Stadtverwaltung ist man der Ansicht, dass die Plakettenregelung, die Autos mit hohem Schadstoffausstoß aus dem Stadtkern verbannt, allein nicht mehr wirksam genug ist, um die Luftwerte unter die von der EU vorgegebenen Grenzen zu drücken. Das liegt vor allem daran, dass das Gros der Fahrzeuge auf Hannovers Straßen bereits mit schadstoffarmen Motoren ausgestattet ist. „Alte Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß verschwinden automatisch von der Straße“, sagt Thomas Steffens, Abteilungsleiter für Technik und Verbraucherschutz beim ADAC.

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Daher sind zusätzliche Maßnahmen gefragt, um die Luft in Hannover zu verbessern. Die Vorschläge der Ratspolitik reichen von strengeren Tempokontrollen über größere Investitionen ins Radwegenetz bis zu weniger Ausnahmegenehmigungen vom Plakettenzwang.

„Wenn alle Autofahrer die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten einhielten, würden wir unterhalb der Schadstoffgrenze bleiben“, sagt Jürgen Mineur, der Umwelt­experte der SPD. Daher plädiert er dafür, den Verkehr schärfer zu überwachen und Tempoverstöße zu ahnden.

Den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß bestätigt auch der ADAC. „Fahren die Autos langsamer, reduzieren sich Verbrauch und Abgase“, sagt Steffens. Würde man das Tempo in der Stadt drosseln, hätte das einen raschen Effekt. „Aber auch kleine Maßnahmen erzielen große Wirkung“, sagt er. Sprit könne jeder dadurch sparen, dass nicht zu viel Gepäck im Kofferraum befördert wird und der Reifendruck stimmt. Zudem fordert der ADAC erneut die grüne Welle, die ein sparsameres Fahren ermögliche.

Letztlich sind es nur 5 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft, die die Stadt Hannover noch über dem EU-Grenzwert liegt. Dennoch drohen saftige Strafzahlungen, sollte Hannover weiter mehr Abgase als erlaubt in die Luft blasen. Auch Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) glaubt, dass neben der Plakettenregelung weitere Anstrengungen nötig sind. „Konkrete Ideen haben wir noch nicht“, sagt sie.

SPD-Ratsherr Mineur schlägt zudem vor, die rund 2300 Ausnahmegenehmigungen zu überprüfen. Das jedoch stößt auf Widerstand. „Grundsätzlich sollten Ausnahmen vom Plakettenzwang nicht angetastet werden“, heißt es vonseiten der Industrie- und Handelskammer. Von den Fahrzeugen, die sich trotz fehlender grüner Plakette in der Umweltzone bewegen dürfen, gehören viele kleinen Betrieben, die sich Neuanschaffungen nicht leisten können. „Auch Rentner hängen an ihren alten Wagen und können sich von der schmalen Rente kein neues Auto kaufen“, sagt ADAC-Experte Steffens.  

Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske fordert, dass die Stadt deutlich mehr Geld in Radwege investieren sollte als bisher. „Es muss ein Umdenken stattfinden. Straßen dürfen nicht in erster Linie für Autos gebaut werden“, sagt er. Zwar sei es erklärtes Ziel der Stadt, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr auf 25 Prozent zu steigern, aber da werde die Stadt noch eine Schippe drauflegen müssen. Auch sollten mehr Menschen ermuntert werden, auf Busse und Stadtbahnen umzusteigen. „Wir werden aber nicht so weit gehen, Tempo 30 für die gesamte Stadt zu fordern“, betont der grüne Umweltpolitiker.

Auf der Suche nach strengeren Regeln richtet die SPD ihren Blick auch auf Schiffe und Baumaschinen. „Es kann nicht sein, dass Binnenschiffe so einfach in die Umweltzone fahren dürfen“, sagt Mineur. Baufahrzeuge sollten ebenfalls überprüft werden.

Jörn Kießler 17.04.2015
Rüdiger Meise 17.04.2015