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Aus der Stadt Uni wirbt für Toleranz
Hannover Aus der Stadt Uni wirbt für Toleranz
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07:36 07.11.2014
Zwischen dem 10. und 14. November gibt es Vorträge, Seminare, Ausstellungen und Workshops.
Zwischen dem 10. und 14. November gibt es Vorträge, Seminare, Ausstellungen und Workshops. Quelle: dpa
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Hannover

Die Frage klingt wie der Ikea-Werbespruch: „Lebst Du schon oder vorurteilst Du noch?“ Die Leibniz Universität Hannover hat zum Beginn des Wintersemesters eine Postkartenaktion entwickelt, die für mehr Toleranz an der Hochschule werben soll. Ob ein sich rücklings sonnender Frosch, ein schwarz-weißer Keks oder Schubladen und Kartons – mit 14 unterschiedlichen, pfiffigen Motiven werden die Studierenden direkt angesprochen.

Es geht um die großen Fragen im Leben, um Liebe und Glauben, und darum, dass es darauf mehrere Antworten geben kann und dass die eine genauso richtig ist wie die andere. Passend zu der Postkartenaktion, die zusammen mit den Vertretern der Studierenden und dem Präsidium entwickelt worden ist, startet die Philosophische Fakultät am Montag eine Antidiskriminierungswoche mit einem eigenen Vorlesungsverzeichnis.

„Wir wollen unsere Botschaft einfach, ohne den erhobenen Zeigefinger rüberbringen“, sagt Uni-Sprecherin Mechthild von Münchhausen. „Die Antidiskriminierungswoche soll in einem konzentrierten Zeitrahmen die Vielfalt an der Leibniz Universität in Aussehen, Sprache, kulturellen Werten, Religion, Geschlecht und nationalen Zugehörigkeiten in den Mittelpunkt rücken. Es sollen Dialoge über die Fächergrenzen hinaus entstehen“, betont Eike Asche von der Arbeitsstelle Diversität, die das Programm mit ausgearbeitet hat.

„Die ganze Uni hasst dich“

Anlass für die Aktionen ist ein Vorfall vom November vergangenen Jahres, der gezeigt hat, dass es auch an der Hochschule mitunter Probleme mit Toleranz gibt. Damals hatten zehn mit Perücken, Sonnenbrillen und Kapuzen getarnte Antifa-Aktivisten in einem Hörsaal des Politik-Instituts mit großen Papppfeilen auf eine Studentin gezeigt, 
die eine führende Rolle in der NPD spielt. „Die ganze Uni hasst dich“, stand auf den Schildern. Die Uni nannte dieses denunzierende Verhalten nicht tolerabel. Jeder habe das Recht, an der Uni zu studieren, unabhängig von seiner Hautfarbe oder seiner politischen Gesinnung. Mittlerweile habe sich die Aufregung um die Studentin mit NPD-Parteibuch gelegt, heißt es. An der Hochschule trete sie politisch nicht in Erscheinung, obwohl sie ansonsten noch aktiv in der NPD ist.

Bei der am Montag startenden Antidiskriminierungswoche geht es um die Verfolgung Behinderter im Dritten Reich, um Rassismus im Alltag, rechte Jugendgruppen, interkulturelles Intensivtraining, Feminismus in Lateinamerika und den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene. Zwischen dem 10. und 14. November gibt es Vorträge, Seminare, Ausstellungen und Workshops. SPD-Ratsherr Lars Kelich nennt die Aktion „eine tolle Arbeit für das weltoffene Hannover“.

Am Mittwoch wird der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Die Arier“ von 16.30 bis 18 Uhr im Kesselhaus in der Schloßwender Straße 5 gezeigt. Im Anschluss kann das Publikum mit Regisseurin Mo Asumang sprechen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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