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Aus der Stadt Zwischen Vorfreude und Skepsis
Hannover Aus der Stadt Zwischen Vorfreude und Skepsis
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12:00 16.01.2014
Uwe Ehmen (links) aus der Seilerstraße traut der Stadt nicht. Marcus Schmidt begrüßt die Sanierung der Parsevalstraße.
Uwe Ehmen (links) aus der Seilerstraße traut der Stadt nicht. Marcus Schmidt begrüßt die Sanierung der Parsevalstraße. Quelle: von Ditfurth
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Vorfreude in Vahrenwald

Die Idee, die Parsevalstraße in Vahrenwald zu sanieren, findet Marcus Schmidt im Grunde gut. „Wenn es dadurch schöner wird, begrüßen wir solche Vorhaben immer“, sagt der 37-Jährige, der seit gut acht Jahren in einem der vielen Mehrfamilienhäuser zur Miete wohnt. Dass die Stadt nur etwa die Hälfte der Kosten für die Grunderneuerung der etwa 350 Meter langen Straße übernehmen würde, findet er gar nicht so schlimm.

Die etwa 125 000 Euro, die im Schnitt in jeder Straße für die Anwohner anfallen würden, müsste ohnehin der Eigentümer des Hauses bezahlen. In Schmidts Fall ist das der Spar- und Bauverein. Dem Wohnungsbauunternehmen gehören fast alle Gebäude in dem Viertel. Den Bürgeranteil der Kosten für die  Grundsanierung der Parsevalstraße müsste es allein tragen.

Schmidt wäre aber durchaus bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen. „Ich denke, bis zu 200 Euro würde ich zahlen, wenn die Straße dafür langfristig wieder in Ordnung wäre“, sagt er.

Ein Stück die Straße hinunter sieht man das ganz anders. Einem Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, platzt fast der Kragen, als er von den Plänen der Stadt hört. „Was wollen die uns noch alles bezahlen lassen?“, sagt er. Dass die Straße saniert werden müsse, sei offensichtlich. „Aber das sollte mit den ganzen Steuergeldern bezahlt werden, die wir jedes Jahr berappen müssen“, findet der Mann und sein Sohn ergänzt: „Alles wird teurer, nur unser Gehalt steigt nicht“, sagt der junge Mann. „Und jetzt sollen wir noch Baumaßnahmen bezahlen, für die eindeutig die Stadt zuständig ist.“

Skepsis in der Seilerstraße

Die Seilerstraße in der Südstadt ist gesäumt von Mehrfamilienhäusern. Vor allem, wenn man von der frisch erneuerten Großen Barlinge in die 400 Meter lange Seilerstraße abbiegt, wird der üble Zustand des Belags deutlich. Das Auto fängt sofort an zu rumpeln, wenn die Reifen über den Flickenteppich aus Asphalt rollen.

„Dabei haben sie die Straße im vergangenen Jahr zweimal neu gemacht“, sagt Uwe Ehmen. „Den Quatsch, den sie hier veranstaltet haben, habe ich ohnehin nicht verstanden.“ Zuerst hätte die Stadt neue Rohre in der Straße verlegt. Doch kaum waren die Löcher wieder zugeschüttet und ein neuer Belag aufgetragen, seien die Bauarbeiter erneut angerückt. „Da wurden dann Glasfaserkabel für schnelleres Internet verlegt“, sagt Ehmen. Den neuen Plänen der Stadt traut der 45-Jährige nicht. „Wenn das so eine Sanierung wird wie das letzte Mal, können sie es gleich lassen“, sagt er. Obwohl die Anwohner in der Straße einen besseren Zustand der Fahrbahn seiner Meinung nach sicher gut fänden.

„Ich begrüße das, allerdings nur, wenn der Anwohneranteil auf 25 Prozent gesenkt wird“, sagt ein Nachbar und korrigiert sich kurz darauf selbst. „Eigentlich sollten wir nichts zahlen müssen. Unsere Steuern sollten doch reichen, um ein paar Straßen zu sanieren.“ Er befürchtet vor allem, dass die Hausbesitzer über die Nebenkosten ihren finanziellen Anteil an den Straßenarbeiten an ihre Mieter weitergeben. „Ich weiß nicht, bis zu welchem Prozentsatz das möglich ist“, sagt er. „Es wird aber sicher eine Möglichkeit geben, dass es am Ende an uns Anwohnern hängen bleibt.“

Von Jörn Kießler

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