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Aus der Stadt Eiertanz im Amtsgericht
Hannover Aus der Stadt Eiertanz im Amtsgericht
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00:24 31.01.2015
Von Michael Zgoll
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Symbolfoto Quelle: dpa/
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Hannover

Die zweifelhafte Nutzung einer Zwei-Zimmer-Wohnung an der Hamburger Allee beschäftigt derzeit das Amtsgericht Hannover. Eigentlich hatte der Vermieter, ein Berliner Immobilienunternehmen, die Wohnung einem jungen Mann überlassen. Schon bald gab es den Verdacht, dass dort ein Wohnungsbordell betrieben wurde.

Denn es tauchten an Klingelschild und Briefkasten ständig wechselnde Namen auf; auch deutete der Aufkleber „Massage“ darauf hin, dass die 45 Quadratmeter im vierten Stock möglicherweise als Absteige dienten. Doch auf Abmahnung und Kündigung reagierte der Mieter nicht, sodass die Immobilienfirma eine Räumungsklage anstrengte. Bei der Verhandlung am Donnerstag bekam die Zuhörerschaft etliche eigenwillige Ausflüchte des Beklagten zu hören; Richter Reinhard Wiehe deutete aber bereits an, dass er dem Räumungsbegehren sehr wahrscheinlich stattgeben wird.

Viele Fragen, wenig Antworten

Eiertanz - mit dieser Vokabel lässt sich am besten beschreiben, wie der Mieter auf die Nachfragen des Gerichts reagierte. Ob er überhaupt in der Hamburger Allee gewohnt habe? Mal ja, mal nein, auch mal mit einer Freundin, aber die sei jetzt weg. Warum er noch eine zweite Wohnung in Stöcken angemietet habe, und wie er als Sozialhilfeempfänger zwei Apartments unterhalten könne? Keine Antwort. Warum er Prozesskostenhilfe beantragt habe, wo er sich doch zwei Wohnungen leisten könne? Schweigen. Ob er, der sich als „Unternehmensberater“ bezeichne, irgendeinen der Menschen auf den Namensschildern kenne? Mit zwei Personen sei er flüchtig bekannt, murmelte der Befragte. Die anderen Namen würden ihm nichts sagen.

Den Mietvertrag hatte der Mann im Februar 2014 geschlossen. Im August flatterte ihm eine Abmahnung ins Haus, kurz darauf die fristlose Kündigung. Das Immobilienunternehmen hatte detektivische Arbeit geleistet und herausgefunden, dass in der vierten Etage offenbar ein Wohnungsbordell betrieben wurde. Ein Firmenhandwerker und ein Mitarbeiter testeten Telefonnummern, die man in einem einschlägigen Internetportal entdeckt hatte; am anderen Ende der Leitung boten „Tanja“ und „Karina“ ihre Liebesdienste an. Zudem meldete sich der Mieter im Oktober bei den Stadtwerken ab und verwies auf einen neuen Abnehmer. Immerhin: Aktuell steht nur sein Name auf dem Klingelschild.

Sein Anwalt Marcus Bartscht argumentierte, es gebe lediglich Indizien, dass sein Mandant die Wohnung an fremde Frauen untervermietet habe, aber keine Beweise. Der Rechtsanwalt des Vermieters, Martin Berkemeier, meinte zu den nebulösen Auskünften des Mieters: „Sie wollen uns wohl auf den Arm nehmen.“

Und Richter Wiehe gab die Richtung für den Urteilsspruch vor, den er in drei Wochen verkünden will: Der Mieter habe keine Erlaubnis eingeholt, seine Wohnung unterzuvermieten. Und ein Gewerbe - welcher Art auch immer - habe er ebenfalls nicht angemeldet.

Simon Benne 12.02.2015
Susanna Bauch 31.01.2015