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Aus der Stadt Auf dem Grund
Hannover Aus der Stadt Auf dem Grund
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00:15 23.10.2013
Jeder Handgriff muss sitzen: Die Taucher trainieren regelmäßig für ihre Einsätze, so wie hier im Wietzesee. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Als Oliver Gerve aus dem Wietzesee auftaucht, erinnert sein Anblick ein wenig an einen Tannenbaum, mit dem Unterschied, dass das vermeintliche Lametta, das an ihm hängt, nicht glänzt. Schlingpflanzen baumeln in dichten Büscheln von den Schultern des Tauchers herab, haben sich um die Ventile seiner Druckluftflasche gewickelt, und sogar an der Maske des 40-Jährigen haben sich die langen grünen Gewächse verheddert. „Hast du uns was mitgebracht?“, fragt ihn Kollege Sven Osterhorn und lacht. Gerve hat gerade gut 40 Minuten lang systematisch den Uferbereich des Wietzesees bei Langenhagen abgesucht. Wieder und wieder hat er sich durch den dichten Bewuchs unter Wasser gekämpft, um mit den Händen den Grund abzutasten. Es ist Mitte Oktober, die Lufttemperatur liegt bei etwa 13 Grad, die Wassertemperatur leicht darunter, die Sicht an diesem Tag verhältnismäßig gut: zwischen zwei und drei Meter. Gefunden hat Gerve an diesem Tag allerdings nichts – konnte er auch gar nicht. Der Tauchgang im Wietzesee ist nur eine Übung.

Die insgesamt knapp 25 Polizeitaucher, die in der Landeshauptstadt sowie in Oldenburg und Braunschweig stationiert sind, gehören der Technischen Einsatzeinheit der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) mit Sitz in der Tannenbergallee an. Die neun Taucher, die in und um Hannover zum Einsatz kommen, sind auch Schweißer, Bootsführer, Rettungssanitäter und Sperrenbeseitiger. „Es gibt im Jahr zwischen 30 und 35 Einsätze, die wir als Taucher haben“, sagt der Leiter der Einheit, Jörg Strey. „Es würde sich nicht lohnen, dafür eine reine Tauchergruppe zu unterhalten.“ Deshalb nehmen die Mitglieder der Technischen Einsatzeinheit auch an Bereitschaftseinsätzen teil. Dabei bringen sie die besonderen Fähigkeiten ein, die sie sich während ihrer Ausbildung angeeignet haben. „Ein Schwerpunkt ist das Auflösen von Sperren, zum Beispiel bei Castor-Transporten“, sagt Strey. Wenn Demonstranten sich an Gleise oder Betonblöcke gekettet haben, sind die Spezialisten der ZPD gefragt. Bei anderen Einsätzen kommen die Männer und Frauen der Einheit aber wieder aufs Wasser: Sie begleiten Transporte auf dem Meer, Flüssen oder Seen. „Bei dem Elbe-Hochwasser in diesem Jahr waren wir natürlich auch im Einsatz“, sagt Udo Schmedes, Gruppenführer der Tauchergruppe Hannover.

Die Einsätze unter Wasser sind für die Mitglieder der Tauchergruppe die Höhepunkte ihrer Tätigkeit. Selbst ein unangenehmer Auftrag, wie die Suche nach einer zerstückelten Frauenleiche im Maschsee im vergangenen Jahr, schreckt die Polizisten nicht ab. Sie wollen ins Wasser. Bei der Übung am Wietzesee muss am Ende der Gruppenführer entscheiden, wer an diesem Tag tauchen gehen darf und wer nicht. „Ich schaue dann, wer schon wie viele Stunden unter Wasser verbracht hat, und versuche, es gleichmäßig zu verteilen.“ Bei Oliver Gerve sind es noch gar nicht so viele. Er ist erst seit etwa zweieinhalb Jahren bei den Tauchern, die Abläufe sind ihm aber schon in Fleisch und Blut übergegangen. Gemeinsam mit seinem Tauchhelfer hat er vor dem Übungseinsatz seine Ausrüstung überprüft, den Funk in seiner Vollgesichtsmaske getestet und sich in die Sicherheitsleine eingeklinkt. „Das Seil hat mehrere Funktionen“, erklärt Sven Osterhorn, der Gerve unterstützt. „Ich sichere damit den Taucher, darin verläuft aber auch ein Kabel für den Funkverkehr.“ Darüber hinaus hilft  die Leine dem Taucher, sich zu orientieren.

An diesem Tag übt die Gruppe das sogenannte Halbkreissuchverfahren. Dafür bleibt Osterhorn an einem Punkt am Ufer stehen, während der Taucher einen Halbkreis im Wasser abschwimmt. „Wenn er eine Richtung abgeschwommen ist, gebe ich Seil dazu, und er beschreibt den Halbkreis in einem etwas größeren Radius zurück.“ So weiß der Taucher, dass er unter Wasser kein Stück ausgelassen hat. Die Leine ist also ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Suchtruppe. Sie aber unter Wasser hinter sich her zu ziehen, ist Schwerstarbeit.

Dafür haben die Mitglieder eine harte Ausbildung durchgemacht. Acht Wochen dauert der Lehrgang zum Polizeitaucher. Fünfmal pro Woche müssen die Anwärter acht Stunden am Tag Übungstauchgänge absolvieren, Theorie büffeln und sich Verfahrensweisen bei der Bergung von Leichen und Beweismaterial aneignen. In den ersten zwei Wochen steht Training in einem Becken auf dem Gelände des Fliegerhorsts Wunstorf auf dem Plan – ohne Tauchgerät, wie Strey betont. „Da wird erst einmal die Kondition trainiert und getestet, wie belastbar man ist.“ Später geht es dann mit Druckluftflasche, Neoprenanzug und Atemregler in Seen, Teiche und Flüsse in der Umgebung.

Die Suche nach Leichenteilen gehört zum Job

Noch bevor es so weit ist, müssen die künftigen Polizeitaucher bestimmte Tests überstehen. Wenn sich die Männer und Frauen nach ihrer dreijährigen Polizeiausbildung bei der Technischen Einsatzeinheit bewerben, lernen sie zunächst einmal, alle Geräte zu bedienen, die sie für ihre Einsätze brauchen. Danach wird entschieden, ob die Kandidaten geeignet sind. Ist das der Fall, kann das erste Mal über das Tauchen gesprochen werden. „Wir haben viele, die das gerne machen würden“, erzählt Strey. „Die Frage ist dann nur, ob sie das körperlich und auch von der Psyche her können.“

Die körperliche Tauglichkeit stellt der Arzt fest. Teil des Gesundheitschecks ist ein Belastungstest. Der ist für Männer wie für Frauen gleich. Die Tauchergruppe in Hannover ist die einzige, in der auch zwei Polizistinnen Dienst tun.

Um herauszufinden, ob die Bewerber mit der psychischen Belastung zurechtkommen, wird erst einmal ein Schnuppertauchgang mit jedem Anwärter unternommen. „Dabei sieht man ganz schnell, ob das passt oder nicht“, sagt Schmedes. Wenn sich die Polizisten schon im Schwimmbecken unter Wasser nicht wohlfühlen, ist an einen Einsatz in dunklen Freigewässern nicht zu denken. Schon gar nicht, wenn dabei noch nach Leichen, oder, wie im vergangenen Jahr im Maschsee, nach Leichenteilen gesucht wird. Tagelang waren die Taucher der ZPD und der Feuerwehr ab Ende Oktober im Einsatz, um nach dem zerstückelten Opfer des sogenannten Maschsee-Mörders zu suchen. Die Beweise, die sie aus dem See holten, halfen, den mutmaßlichen Mörder Alexander K. zu finden und ihn vor Gericht zu bringen. „Dafür lernen unsere Leute, wie man Leichen birgt, ohne dabei Spuren zu verwischen“, sagt Strey. „Das unterscheidet uns von den Tauchern der Feuerwehr.“ Die seien eher gefragt, wenn es darum gehe, noch jemanden retten zu können. Ist klar, dass es sich um ein Verbrechen handelt, kommen Streys Mitarbeiter.

„Dafür trainieren wir regelmäßig“, sagt Schmedes, als er die nächsten zwei Taucher in den Wietzesee schickt. Jeder Handgriff muss sitzen – auch wenn es unter Wasser dunkel ist, die Sicht schlecht und der Einsatz unangenehm wie bei der Suche nach Leichenteilen. Schmedes betont, dass es nie Probleme gebe, genügend Taucher für Einsätze zu finden – obwohl das Tauchen freiwillig geschieht.  „Wenn sich jemand nicht so gut fühlt, dann muss er das nicht weiter begründen und braucht nicht ins Wasser.“ Es gebe stets ausreichend Kollegen, die sich bei Bedarf melden.

Auch Gerve geht noch immer gerne ins Wasser. Tauchurlaube in seiner Freizeit mache er aber nicht. „Das muss nicht sein“, sagt der 40-Jährige. „Außerdem habe ich trotz meiner Ausbildung bei der Polizei keinen Tauchschein, der irgendwo gültig wäre.“ Gerve dürfte sich im Urlaub nicht einmal eine Pressluftflasche leihen.

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