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Aus der Stadt Freilichtmaler trotzen jedem Wetter
Hannover Aus der Stadt Freilichtmaler trotzen jedem Wetter
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00:15 05.03.2015
Einmal in der Woche treffen sich Dietmar Stiller (von links), Volkmar Kühn, Susanne Stiller, Nikolaus von der Assen und weitere Teilnehmer zum Freilichtmalen. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Mit einem dicken Pinsel trägt Nikolaus von der Assen die Farbe „neutrale Tinte“ auf seine Leinwand auf. Eine dünne Aquarellschicht legt sich so über seine Bleistiftzeichnung vom Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB). Von der Assen steht auf dem Bürgersteig gegenüber, hinter ihm liegt der Raschplatz. Mit fünf weiteren Malern hat er sich in der Innenstadt zur „Plein Air Malerei“ (französisch: en plein air – unter freiem Himmel) verabredet – wie jeden Mittwochnachmittag. „Das schöne an der Freilichtmalerei ist, dass man dabei viel herumkommt“, sagt der studierte Künstler und Designer. Jede Woche trifft sich die Gruppe an einem anderen Ort in der Stadt, um Aquarelle zu malen oder Skizzen zu produzieren.

Unterwegs mit den Künstlern der Gruppe „Plein Air Malerei“: Jede Woche trifft sich die Gruppe an einem anderen Ort in der Stadt, um Aquarelle zu malen oder Skizzen zu produzieren. Dieses Mal waren sie am ZOB.

Die erste Farbschicht auf von der Assens Bild ist aufgetragen. Sie muss nun trocknen. Er nutzt die Zeit, ums sich anzuschauen, was die anderen machen. Dietmar Stille hat eine etwas andere Perspektive gewählt: Sein Blick ist mehr in Richtung Hochbrücke gewandt, sodass der alte Fernsehturm ins Zentrum seines Bildes rückt. Vor fünf Jahren hat Stille die Freilichtmalerei für sich entdeckt. Der Künstler und Designer war damals gerade mit seiner Frau von Köln nach Hannover gezogen. „Es war eine gute Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen“, sagt er.

Freilichtmaler trotzen jedem Wetter

Nach und nach schlossen sich ihm Hobbymaler an, und auch von der Assen stieß vor gut drei Jahren hinzu. Seitdem hat die Gruppe die Stadt schon an verschiedenen Orten in Aquarellen festgehalten: Neues Rathaus, Herrenhäuser Gärten oder Linden mit den drei warmen Brüdern. Wenn es im Winter zu kalt ist oder sich Regen ankündigt, versammeln sich die Freilichtmaler in Cafés oder Museen. Denn Niederschlag und Aquarellfarbe – das verträgt sich nicht. An diesem Mittwoch ist das Wetter aber optimal: Die Wolkendecke reißt auf, die Sonne kommt hervor. Das Licht ist gut, und so können Stiller und die anderen an der frischen Luft malen. Von der Assen freut sich vor allem über die Farbgebung am ZOB. „Das Rot am Neubau knallt – das muss auf jeden Fall mit rein.“ Mit einem dünneren Pinsel trägt er die Farbe auf. Sie verläuft ein wenig. Genau das aber sei der Reiz an Aquarellfarbe – die fehlende Kontrollierbarkeit und die weichen Farben. Schicht für Schicht trägt von der Assen sie auf.

Schräg hinter ihm sitzt Kati Wolters auf der Bank. Während bei ihrem Kollegen die Architektur und der Straßenverkehr der Szene im Vordergrund stehen, hat sie vor allem die Passanten in Blick. Obwohl alle an der selben Stelle malen, werden die Bilder ganz unterschiedlich. „Das ist das schöne daran. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir unsere Bilder vergleichen und sehen, dass jeder etwas anderes beobachtet hat“, sagt die Stadtangestellte. Im Gegensatz zu von der Assen und Stiller ist sie keine ausgebildete Künstlerin. „Für mich ist das vor allem ein Hobby – etwas, bei dem ich nach der Arbeit entspannen kann.“ Trotzdem sieht ihr Bild nicht weniger professionell aus.

Allmählich verschwindet die Sonne hinter den Gleisen des Hauptbahnhofes. Es wird kühler. Nach gut eineinhalb Stunden packen die Küstler ihre Sachen zusammen. „Meine Bilder werden beim Freilichtmalen eigentlich nie fertig“, bedauert Stiller. Deshalb werde er sich zu Hause noch einmal dransetzen. Einer Passantin gefällt das Gemälde schon jetzt so gut, dass sie sich über den Kaufpreis erkundigt. 150 Euro würde Stiller dafür nehmen. Das ist der Dame aber doch zu viel. Also bleibt „Der schiefe Turm“ vorerst in der Sammlung des Künstlers.     

Dietmar Stiller

Dietmar Stiller (49) kommt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet. Er arbeitet als freischaffender Designer und Artdirektor. 2009 zog der Diplomdesigner mit seiner Frau Susanne nach Hannover. Hier initiierte er ein halbes Jahr später die „Plein-Air-Malerei“, um die neue Heimat besser kennenzulernen. 2011 startete Stiller ein weiteres Projekt: Unter dem Motto „A Stiller A Day“ malt er jeden Tag ein Bild, dass er auf seinem Blog www.daybydaypaintings.blogspot.de präsentiert. Dabei ist schon einiges zusammengekommen: Mehr als 1000 Werke sind entstanden, die der 49-Jährige in seinem Atelier im Kolbeweg aufbewahrt. Der Designer malt in fast jeder Lebenslage: „Mit meinem Mann kann man nicht mal in ein Konzert gehen, ohne dass er nicht die Orgel zeichnet“, sagt seine Frau.

Dietmar Stiller zeigt sein Aquarell, dass er vom ZOB gemalt hat. Foto: Surrey

Nikolaus von der Assen

Nikolaus von der Assen (59) ist eigentlich Diplomingenieur in der Medizintechnik.Lange Zeit war er mit einem Unternehmen selbstständig, das Geräte zur Entfernung von Nierensteinen herstellte. Nachdem er seine Firma verkauft hatte, begann von der Assen 1999, Kunst und Design an der Freien Kunstakademie Rhein-Ruhr in Essen zu studieren. Heute leitet er unter anderem die hannoversche Filiale des Boesener Künstlerbedarfs, gibt Workshops und veranstaltet Malreisen. Außerdem ist von der Assen Gründungs- und Vorstandsmitglied der Deutschen Aquarell-Gesellschaft und Leiter der Kunstfabrik Hannover. Aquarell- und Freilichtmalerei sind die großen Leidenschaften des 59-Jährigen. „Man entdeckt so die Stadt auf eine ganz andere Art und Weise“, sagt er.     

Nikolaus von der Assens Interpretation des ZOB. Foto: Surrey

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