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Aus der Stadt So arbeiten Hannovers Feuerwehrleute
Hannover Aus der Stadt So arbeiten Hannovers Feuerwehrleute
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00:15 25.03.2015
Von Jörn Kießler
Die neue Feuer- und Rettungswache 1 am Weidendamm.
Die neue Feuer- und Rettungswache 1 am Weidendamm. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Als Tim Grages und Dennis Schwarzer gegen 4.40 Uhr vor dem Mehrfamilienhaus im Wittekamp anhalten, ist die kurz zuvor abgeschlossene Wette schon wieder vergessen. Die Feuerwehrmänner hatten Tipps abgegeben, wie lange sie sich vor ihrem jüngsten Einsatz auf der Feuerwache 1 in der Nordstadt ausruhen könnten. Schwarzer war davon ausgegangen, dass sie mit ihrem Rettungswagen gar nicht erst durch das Tor kommen würden, bevor ihre Funkmeldeempfänger wieder Alarm schlagen. Letztlich bewahrheitete sich Grages Prognose: Die zwei ausgebildeten Rettungsassistenten schafften es bis in den Aufenthaltsraum. Als sie sich dort aber müde, nach bereits 21 Stunden Dienst, auf das Sofa fallen ließen, blieb nicht einmal Zeit, einen Schluck Kaffee zu trinken.

Dennoch sind die zwei jungen Männer wieder hellwach, als sie die wenigen Stufen in die kleine Wohnung eines älteren Ehepaars hinauflaufen. Die Frau hatte den Hausnotruf alarmiert, nachdem ihr an einer beginnenden Demenz leidender Ehemann in der Nacht auf die Toilette gegangen war und nicht mehr zurückkam. Der verwirrte Senior hatte nicht mehr genügend Kraft, um aufzustehen und zurück ins Bett zu kommen. Als auch der Mitarbeiter des Hausnotrufes nicht mehr weiter wusste, wählte er die 112.

Die HAZ hat eine Nacht mit den Feuerwehrleuten der Wache 1 am Weidendamm verbracht.

In der Wohnung des älteren Ehepaars beruhigt sich die Situation, nachdem sich die zwei 28 und 29 Jahre alten Feuerwehrmänner einen Überblick verschafft haben. Nach Rücksprache mit dem Mitarbeiter des Hausnotrufs, der Ehefrau des Patienten und deren gemeinsamer Tochter beschließen sie, den Rentner ins Krankenhaus zu bringen. „Wir konnten unter anderem nicht ausschließen, dass er einen Schlaganfall hatte“, sagt Schwarzer. Um so erleichterter sind die beiden, als der alte Mann im Krankenhaus wieder merklich klarer wird. Nachdem er im Rettungswagen irgendwann ganz aufgehört hatte, auf Fragen zu antworten, reagiert er in der Notaufnahme der Henriettenstiftung sofort auf die Begrüßung der Schwester. „Das sind die Momente, in den denen man für die harte Arbeit entlohnt wird“, sagt Schwarzer.

Nur ein paar Stunden zuvor haben er und sein Kollege auch schon das Gegenteil erlebt. Einer 65 Jahre alten Frau, die zu Hause zusammengebrochen war, konnten sie trotz aller Bemühungen nicht mehr helfen. Eine Notärztin erklärte die Frau kurz darauf für tot. „Natürlich sind das tragische Momente, über die wir auch irgendwann reden“, erklärt Schwarzer. „Aber nicht in der Nacht während des Dienstes.“ Da sei es viel wichtiger, auf die Arbeit konzentriert zu bleiben, um im nächsten Notfall wieder helfen zu können.

Immer auf dem Sprung

Gerade während der Nachtschichten am Wochenende ist dieses Stehvermögen gefragt. Zwar teilen sich immer drei Feuerwehrleute aus unterschiedlichen Wachabteilungen ein Zimmer, sodass sie es während ihrer Schichten allein nutzen können und ihre Ruhe haben. Am Wochenende laufen die Rettungseinsätze aber im Minutentakt ein. Und meist sind es keine erfreulichen. Das müssen auch Grages und Schwarzer wieder erfahren.

Auf einer ihrer ersten Fahrten in der Nacht zu Sonntag sollten sie einen 17-Jährigen bei der Polizei abholen. Die Beamten hatten den stark betrunkenen Jugendlichen in Gewahrsam genommen. Nachdem ein Alkoholtest einen Wert jenseits der 2 Promille ergab, sollte er in ein Krankenhaus gebracht werden. „Auf der Fahrt wurde er immer wieder ausfällig und unangenehm“, sagt Schwarzer, und man merkt, dass er damit noch untertreibt.

Mit so unangenehmem Klientel müssen sich seine Kollegen, die in dieser Nacht für den Brandschutz verantwortlich sind, nicht herumschlagen. Abgesehen von einem Alarm durch die Brandmeldeanlage des Berufsinformationszentrums der Agentur für Arbeit bleibt es weitgehend ruhig. Dort war ein Rauchmelder in der Küche durch heißen Dampf ausgelöst worden, der aus einem Ofen kam.

Doch auch auf Schwarzer und Grages wartet noch eine positive Überraschung. Um kurz vor 7 Uhr schreckt Grages vom Sofa im Aufenthaltsraum hoch, lauscht kurz und springt auf. „Ich glaube meine Ablösung ist schon da!“