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Aus der Stadt Ursache für Busbrand weiterhin unklar
Hannover Aus der Stadt Ursache für Busbrand weiterhin unklar
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16:54 02.05.2009
Auch sechs Monate nach dem Unglück ist noch kein Gutachten in Sicht. Quelle: Rainer Dröse
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Hier rätseln Experten jetzt schon sechs Monate, was das Unglück ausgelöst haben könnte. „Das ist langsam nicht mehr nachvollziehbar“, sagt der Anwalt des Busunternehmens, Matthias Waldraff. Immer noch sei das Gutachten zur Brandursache „weit und breit nicht zu sehen“.

Der Bus der Firma Mommeyer Busreisen aus Hannover war am Abend des 4. November bei der Rückkehr von einer Kaffeefahrt ins Münsterland plötzlich explosionsartig in Flammen aufgegangen. Dem Fahrer gelang es noch, das Fahrzeug auf den Standstreifen zu fahren und sich mit zwölf Fahrgästen ins Freie zu retten. 20 Menschen schafften das nicht, sie verbrannten bis zur Unkenntlichkeit im Bus.

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Schon am Morgen nach dem Unglück ließ die Polizei verlauten, dass der Brand vermutlich auf der Bustoilette ausgebrochen sei, weil einer der Fahrgäste dort möglicherweise heimlich geraucht habe. Eine überlebende Frau berichtete Beamten von Stichflammen, die plötzlich aus der Toilettentür geschlagen seien. Kurz davor sei das Bordklo von einem männlichen Fahrgast verlassen worden. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) teilte daraufhin mit, dass die Bordtoilette beim Thema Brandschutz „der größte Schwachpunkt des Reisebusses“ sei.

Einen Motor- oder Reifenschaden, sonst meist Ursache solcher Unglücke, schloss die Polizei dagegen genauso schnell aus. Auch Unfallexperten des Internationalen Bustouristik Verbands RDA kamen zu diesem Ergebnis. Sie fanden eigenen Angaben zufolge am Unglücksort ein „neuwertiges Fahrzeug“ vor. Mommeyer-Anwalt Waldraff spricht bis heute von einem Bus im „Top-Zustand“.

Kathrin Söfker von der Staatsanwaltschaft Hannover ist diejenige, die irgendwann einmal verkünden wird, ob der Busbrand auf menschliches Versagen oder einen technischen Defekt zurückgeht. Anfangs ließ sie sich noch zu Prognosen hinreißen und sagte, das Gutachten zur Unglücksursache werde wohl Anfang 2009 fertig sein. Mittlerweile gibt sie gar keine Vorhersage mehr ab. „Der Bus wird weiter begutachtet“, sagt sie - immer dann, wenn sich bei ihr mal wieder ein Journalist nach dem Stand der Dinge erkundigt. Nähere Details will sie mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Verschiedene, immer wiederkehrende Zeitungsberichte, wonach der Busbrand wahrscheinlich auf einen Kabelbrand oder doch eine brennende Zigarette oder aber einen Defekt am Heizungssystem zurückzuführen sei, wies Söfker jeweils stets als Spekulationen zurück. „Wir tun alles für die Angehörigen“, dass diese so schnell wie möglich Klarheit hätten, betont sie auch ein halbes Jahr nach dem Unglück.

Für Anwalt Waldraff ist es „höchst ärgerlich“, dass diese Klarheit noch immer aussteht. Nicht nur die Angehörigen der Opfer warteten darauf, sondern auch das Busunternehmen. Es gehe um Regress-Ansprüche in finanziell beträchtlicher Höhe - etwa wenn sich herausstelle, dass der Bus vom Hersteller fehlerhaft gebaut wurde. An Schlampigkeit des Unternehmens bei den Inspektionsintervallen kann es Waldraff zufolge jedenfalls nicht gelegen haben. Noch drei, vier Wochen vor dem Unglück sei der Bus sicherheitstechnisch durchgecheckt worden.

Der Fahrer des Unglücksbusses nahm den Dienst laut Waldraff mittlerweile wieder auf. Monatelang stand er unter Schock, war nicht arbeitsfähig. Nur wenigen Fahrgästen konnte er am Abend des 4. November noch helfen, aus dem Bus zu fliehen. Vorbeifahrende Autofahrer unterstützten ihn nicht, sie ignorierten sein verzweifeltes Winken. Erst die örtliche freiwillige Feuerwehr hielt am Unfallort an. Da brannte der Bus schon lichterloh.

ddp

Tobias Morchner 01.05.2009
Gunnar Menkens 02.05.2009
Felix Harbart 01.05.2009