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Aus der Stadt Täter folterte Opfer und muss in Psychiatrie
Hannover Aus der Stadt Täter folterte Opfer und muss in Psychiatrie
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20:25 25.03.2015
Von Michael Zgoll
Maksim B. nahm das Urteil der Jugendkammer reglos zur Kenntnis. Foto: Petrow
Maksim B. nahm das Urteil der Jugendkammer reglos zur Kenntnis. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Maksim B. ist ein Mensch, dem man auf den ersten Blick nicht zutrauen mag, dass er zu Gewalttaten imstande ist. Zu schrecklichen Exzessen. Auf der Anklagebank sitzt ein Bürschchen. 21 Jahre jung, zarte Gesichtszüge, eher schüchtern wirkend. Doch B. hat auch ein anderes Gesicht. Die Fratze eines seelisch schwer gestörten Menschen, der unter Marihuana- und Alkoholeinfluss zum Monster wird. Es fällt schwer, sich in die Lage hineinzudenken, in der sich seine zwei Opfer im Sommer 2014 befanden. In die Lage, als sie, halbtot, schon mit ihrem Leben abgeschlossen hatten. Gestern wurde Maksim B. vom Landgericht Hannover verurteilt. Wegen besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung.

Nach dem Urteil der Jugendkammer 3 bleibt der 21-Jährige in der psychiatrischen Klinik eingesperrt, in der er schon seit Wochen untergebracht ist. Er ist und bleibt - vorerst - eine Gefahr für die Allgemeinheit, wie der Vorsitzende Richter Ralf Busch sagte. B. leidet unter einer Borderline-Störung. Krankt an heftigen Stimmungsschwankungen, ist unfähig zu normalen Beziehungen. B. muss therapiert werden, dringend. Wie lange das dauern wird? Vielleicht viele Jahre. Das Gericht hat den Gewalttäter auch zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Doch die Zeit eines möglichen Gefängnisaufenthalts wird mit der Zeit in der Psychiatrie verrechnet. Wahrscheinlich muss der in Weißrussland geborene Mann die Jugendstrafe nicht antreten.

Eines der Opfer war eine 20-Jährige, die B. seit 2011 kannte. Seine Freundin. Ex-Freundin. Freundin. Ex-Freundin. Das andere Opfer war ein 33-Jähriger, mit dem B. ebenfalls befreundet war. Mal mehr. Mal weniger. Die Lebensverhältnisse der Drei waren desolat. Gelegentlich wohnten die Hartz-IV-Empfänger in der Wohnung der Frau. Dann wieder bei B. in Ricklingen. Auch kurzfristige Aufenthalte in der Psychiatrie sind dokumentiert. Drogen-, Alkohol- und Medikamentenkonsum gehörten zum Alltag, oft stritten sie sich. Und doch gaben die Drei einander auch ein wenig Halt. Bildeten - zumindest für B. - eine Art Ersatzfamilie. Zum großen Verhängnis wurde dieser Familie B.s Eifersucht. Seine riesigen Verlustängste.

Ende Juli 2014 schaut der 33-Jährige in B.s Wohnung vorbei. Der befragt ihn, einmal mehr, ob er mit seiner Freundin geschlafen habe. Der Kumpel verneint. B. hat, einmal mehr, Rauschmittel konsumiert. Das enthemmt. Er bringt den Besucher dazu, sich ebenso wie er bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Wickelt den anderen in Frischhaltefolie ein. Zum Spaß, wie er sagt. Doch dann schubst er den völlig hilflosen Mann in die Badewanne. Beschimpft ihn. Schlägt mit Fäusten auf ihn ein. Schneidet ihm mit einem Cuttermesser in die Stirn. Sticht mit einem Küchenmesser in seine Oberschenkel. Schlägt mit einem Hammer auf ihn ein. Und gießt ihm brühend heißes Wasser über Gesicht und Leistengegend. Erst spät kann sich das Opfer befreien. Tage darauf diagnostiziert ein Arzt bei ihm lebensbedrohliche Verbrennungen. Der Mann liegt drei Wochen in der Klinik. Seine Narben? Werden wohl verblassen. Seine Zeugungsfähigkeit? Bleibt ihm erhalten.

Wenige Tage später fällt B. über seine Freundin her. Ebenfalls in seiner Ricklinger Zweizimmerwohnung, auch hier rasend vor Eifersucht. Er würgt die 20-Jährige bis zur Bewusstlosigkeit. Fesselt sie mit Kabelbindern. Vergewaltigt die Frau, mehrfach, übergießt sie mit Bier und drückt Zigaretten auf ihren Brustwarzen aus. Ihr Martyrium dauert zwei Tage, dann kann sie fliehen. Auch bei diesem Opfer konstatiert ein Arzt später schwere Verletzungen.

Richter Busch sprach in der Urteilsbegründung von einer „besonderen Rohheit und Brutalität“ der Taten. Allerdings billigte die Jugendkammer Maksim B. eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit zu. Berücksichtigte auch sein frühzeitiges Geständnis. So kam die Jugendstrafe von drei Jahren dem Antrag von Verteidiger Anselm Schanz deutlich näher als die Forderung des Staatsanwalts, der auf fünf Jahre plädiert hatte. Doch die Weichen für B.s weiteren Werdegang werden nicht im Gefängnis gestellt. Sondern in der Psychiatrie.

Tobias Morchner 25.03.2015
Veronika Thomas 25.03.2015
25.03.2015