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Aus der Stadt MHH zeigt altersbedingte Schwachstellen
Hannover Aus der Stadt MHH zeigt altersbedingte Schwachstellen
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00:16 10.04.2014
Von Juliane Kaune
Prof. Uwe Franzke kommt an die MHH, er hatte dem "Stern" eine Ferndiagnose der alten Lüftungsanlage geliefert und will nun auf Einladung der MHH vor Ort nach dem Rechten sehen. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Sie sind alles andere als ein Aushängeschild für eine moderne Hochschulklinik. Um die vier Jahrzehnte alt sind einige Luftfilteranlagen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die ausgerechnet in den sensiblen Bereich der Operationssäle münden. „Der Zustand der Anlagen lässt einen wirklich nicht jubeln“, sagt Uwe Franzke, Fachmann für Gebäudetechnik beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). „Altersbedingte Schwachstellen“ attestiert der Dresdener Professor dem Lüftungssystem der Klinik. Doch geht von der betagten Technik eine akute Gefahr für die Patienten aus? So weit würde Franzke, der gestern einen dreistündigen Rundgang durch den MHH-Versorgungstrakt machte, mit seiner Analyse nicht gehen. Sein Fazit fällt deutlich moderater aus: „Die Betreiber“, erklärt er, „tun erkennbar alles, um ein mögliches Risikopotenzial der alten Anlagen durch einen erhöhten Kontroll- und Wartungsaufwand zu kompensieren.“

Dass Franzke und sein VDI-Kollege Andreas Winkens an die MHH gekommen waren, hat eine Vorgeschichte. Anfang März hatte das Magazin „stern“ über den Zustand der Lüftungsanlagen berichtet; von rostigen Rohren, verkalkten Lamellen und maroden Zuleitungen war die Rede. Eine Gefährdung von Patienten durch eine erhöhte Keimbelastung sei nicht auszuschließen, folgerte das Magazin und berief sich auf MHH-interne Schreiben. Als externen Fachmann schaltete der „sternUwe Franzke ein, zeigte ihm die Lüftungsanlagen aber nur auf Fotos, die offenbar ein MHH-Mitarbeiter geschossen und den Reportern zugespielt hatte. Wie sich nachträglich herausstellte, waren die Aufnahmen kurz nach einem Wasserschaden gemacht worden – zu sehen war ein entsprechendes Chaos. Die MHH vermutet hier eine mutwillige Manipulation durch den „Whistleblower“. Auf Basis dieser Bilder ließ sich Franzke seinerzeit mit den Worten zitieren: „Ich würde behaupten, dass der Betreiber seiner Verantwortung definitiv nicht nachkommt.“

Dies nahm er nach dem gestrigen Rundgang in aller Deutlichkeit zurück. Auch der beim VDI für Hygienefragen zuständige Winkens, der die MHH-Technik zeitgleich mit Franzke inspizierte, bescheinigte den Verantwortlichen der Hochschulklinik ein gutes Management im Umgang mit den veralteten Anlagen. „Entscheidend ist, dass die mikrobiologischen Luftmessungen zur Keimbelastung bisher keine Auffälligkeiten ergeben haben“, sagte er. Die MHH prüfe eine mögliche Verkeimung der Lüftungen im Halbjahresturnus, hob Winkens hervor – vorgeschrieben sei ein zweijähriger Kontrollrhythmus. Deutlich öfter als die VDI-Richtlinien es fordern, tauschen die MHH-Techniker auch die Lüftungsfilter aus. Das ist allerdings der Tatsache geschuldet, dass wegen der alten Bausubstanz in dem dreistufigen System teilweise noch Grobfilter eingesetzt werden müssen, die in Kliniklüftungen eigentlich gar nicht mehr verwendet werden dürfen. Eine solche Maßnahme werten Franzke und sein Kollege als „zulässige Kompensation“ aufgrund der betagten Technik.

Auch der TÜV Süd, der die Anlagen der MHH alle drei Jahre überprüft, habe diese Praxis nicht beanstandet, betonte Uwe Richter, der Leiter der MHH-Gebäudetechnik. Zudem würden alle betroffenen Lüftungen in absehbarer Zeit saniert, erklärte er den beiden VDI-Vertretern. Richter freut sich natürlich nicht über die Negativschlagzeilen, die die MHH mit ihrer 40 Jahre alten Technik macht. Doch er sieht in dem ganzen Wirbel auch etwas Gutes: „Auf diese Weise haben wir nun einen direkten Draht zu den Experten des VDI.“

Anlagen werden saniert

Von der veralteten Lüftungstechnik betroffen sind sieben der 42 MHH-Operationssäle. Die Filteranlagen regeln die klimatischen Bedingungen, über sie werden auch Narkosegase ein- und ausgeleitet. Weitere Aufgabe ist es, Verunreinigungen in der Luft aus dem OP-Bereich fernzuhalten.

Laut MHH-Hygieneexpertin Prof. Iris Chaberny sind Keime in der Raumluft für mögliche Infektionen bei einer Operation aber nicht relevant. Krankenhausinfektionen, die sich trotz weitreichender Hygienevorschriften nicht immer vermeiden ließen, entstünden durch direkten Kontakt; in vielen Fällen trage der Patient Keime an sich. Grundsätzlich ist jede Klinik für die Hygiene selbst verantwortlich.

Die Gesundheitsbehörde der Region Hannover hat die MHH-Lüftungen nun aufgrund der Medienberichte in Augenschein genommen. Bis Ende des Monats würden von der MHH vorgelegte Gutachten ausgewertet, sagt Sprecher Nils Meyer. Ein Eingreifen der Behörde sei bisher nicht nötig gewesen.

Die Sanierung der Lüftungstechnik für einen der OP-Säle beginnt im Juli, die sechs weiteren Säle sind ab Mitte 2015 an der Reihe. Insgesamt sind gut 24 Millionen Euro veranschlagt.

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