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Aus der Stadt Teurer Vandalismus im Kröpcke-Center
Hannover Aus der Stadt Teurer Vandalismus im Kröpcke-Center
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22:48 12.06.2015
Von Michael Zgoll
Dass sie das Kröpcke-Center unter Wasser gesetzt haben, könnte einer Gruppe Jugendlicher noch Jahre später teuer zu stehen kommen. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

An einer nur wenige Stunden dauernden Zerstörungsorgie, die 2010 Teile des Kröpcke-Centers unter Wasser setzte, haben die jungen Täter viele Jahre zu knapsen. Die Strafverfahren gingen 2012 noch glimpflich aus, doch seit Freitag müssen sich vier Beteiligte vor der 10. Zivilkammer des Landgerichts verantworten. Die Gebäudeversicherung fordert 50.000 Euro Schadensersatz, auch laufen Vergleichsverhandlungen mit dem Versicherer von Peek & Cloppenburg, der 32.000 Euro eingeklagt hat.

Ein 25-Jähriger aus Hannover strich gleich zu Beginn der Sitzung die Segel und erklärte sich über seinen Anwalt zur Zahlung von 10.000 Euro bereit. Auf den Zuschauerbänken saßen einige Eltern - die Kostenfrage wird auch sie bekümmern.

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Einen "Männerabend" feiern

Eine Gruppe von angetrunkenen Jugendlichen und Heranwachsenden war in einer Samstagnacht im Februar 2010 in das Kröpcke-Center eingedrungen; weite Teile des Gebäudekomplexes waren damals aufgrund des millionenschweren Totalumbaus eine Baustelle. Die Staatsanwaltschaft ermittelte später gegen sieben mutmaßliche Täter im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, doch tatsächlich drangen wohl nur fünf Schüler und Auszubildende in das prominente Geschäftshaus ein. Im dritten Stock, so schilderte es Freitag ein heute 22-Jähriger, wollte man einen „Männerabend“ feiern.

Zunächst habe man Spiegel zerschlagen, Türen und Rigipswände eingetreten sowie eine Toilettenschüssel und Waschbecken zerdeppert. Dann habe sich Panik breitgemacht, zu fünft sei man aus dem Gebäude geflohen. Dann aber kehrten vier Jugendliche - so die gestrigen Aussagen - wieder zurück, schlugen Wasserhähne ab und zerstörten Leitungen. Über den See, der sich wenig später auf dem Boden im dritten Stock bildete, surften die Eindringlinge mit Baubrettern. Sie hätten nur Spaß haben wollen, sagten sie später aus.

Das Wasser strömte durch die drei darunterliegenden Verkaufsetagen von Peek & Cloppenburg, zog Kleidung, Fahrstühle und Rolltreppen ebenso wie Teppiche, Deckenabhängungen und Wände in Mitleidenschaft. Entdeckt wurde der Schaden erst am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr. Als einige der Täter am Nachmittag noch einmal vorbeischauten, um ihr Werk zu betrachten, wurden sie von der Polizei festgenommen. Peek & Cloppenburg musste einen Tag schließen, um die gröbsten Schäden zu beseitigen.

Zivilprozess wird teuer

Einige Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung stellte die Staatsanwaltschaft ein, drei Täter wurden 2012 zur Ableistung von jeweils vier Tagen sozialer Hilfsdienste verurteilt. Im Streit um die zivilrechtlichen Forderungen von Peek & Cloppenburg sind bereits einige Vergleiche geschlossen worden, die die Randalierer jeweils zwischen 1000 und 4000 Euro gekostet haben; ein Vergleichsverfahren ist noch im Gange.

Wesentlich kostspieliger dürfte für die jungen Leute der Zivilprozess mit dem Gebäudeversicherer werden. Zieht man die 10.000 Euro ab, zu deren Zahlung sich einer der Beteiligten Freitag bereiterklärt hat, bleiben noch 40.000 Euro. Möglicherweise wird diese Summe auf nur zwei Randalierer aufgeteilt - das wäre für diese dann wahrlich ein teurer Spaß. Die Kammer unter Vorsitz von Steffen Wolters will am 25. Juni verkünden, was die Versicherung zurückbekommt und wer dafür zahlen muss.

Felix Harbart 12.06.2015
Simon Benne 12.06.2015
Conrad von Meding 13.06.2015