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Aus der Stadt Varieté-Theater GOP mit neuer Show
Hannover Aus der Stadt Varieté-Theater GOP mit neuer Show
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19:54 07.01.2011
Eine Welt für sich: Der gefallene Engel Igor Vasiliev lebt in einem Kontrabass. Quelle: Frank Wilde
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Zärtlich legt Nataliya Nebrat den Hula-Hoop-Reifen um den Kontrabass und den schwarz gekleideten Musiker. Vorsichtig streckt die Akrobatin ihre Hand nach ihm aus, doch noch bevor die Fingerspitzen sein Gesicht berühren können, ergreift sie den Reifen und wirbelt ihn in atemberaubendem Tempo um sich herum. Fast scheint es, als würde der Hula-Hoop eins mit ihr werden, so fließend sind die Bewegungen. Nahezu Engelsgleich wirkt die Akrobatin Nebrat bei ihrem Tanz mit dem Hula-Hoop-Reifen, einem der Höhepunkte im Programm der neuen Show „Angell“ im Varietétheater GOP. Im Mittelpunkt steht in der neuen Inszenierung der Gegensatz zwischen Himmel und Hölle. Dass die nicht immer klar zu trennen sind, zeigen die Künstler mit ihren eindrucksvollen Darbietungen.

Doch eigentlich ist „Angell“ die Geschichte zweier Engel, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Igor Vasiliev ist ein gefallener Engel. Mit seinen viel zu großen schwarzen Bermudas, den Schuhen in Übergröße und seiner Sprachlosigkeit wirkt er anrührend und komisch zugleich. Aufrecht hält den zierlichen Clown, der in einem großen Kontrabass wohnt, nur sein Traum: Er will endlich wieder fliegen können.

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Goos Meeuwsen ist hingegen das genaue Gegenteil von Vasiliev. Der Clown im weißen Anzug ist sozusagen der böse Bube unter den Engeln und hat nur Unsinn im Kopf. Er raucht im Himmel Zigarren, hopst laut gröhlend mit Bob-Marley-Perücke und Transistorradio über die Bühne oder versucht, Tricks der Artisten zu imitieren. Wenn er es jedoch zu bunt treibt, bekommt er ein zorniges Donnern zu hören. Dann faltet er die Hände, blickt nach oben und setzt sein unschuldigstes Lächeln auf, das selbst Gott besänftigt. Am liebsten spielt der sympathische Bengel jedoch mit dem Publikum. Animiert von den Pfiffen der Zuschauer lässt er dann gern auch mal den Tiger raushängen.

Die Zwischenwelt, in der sich die beiden Figuren bewegen, ist von mystischen Wesen bevölkert, die selten ein Wort verlieren. Durch ihre Kunst lassen sie jedoch viel Raum für Phantasie. Die zierliche Natalie Reckert hat Meeuwsen versehentlich in ein Huhn verwandelt, das gackernd über die Bühne rennt und sogar ein Ei legt. Ein kurzes Fingerschnipsen genügt jedoch, und aus dem Federvieh wird eine biegsame Artistin, die mit ihrer atemraubenden Equilibristik-Darbietung scheinbar mühelos die Schwerkraft überwindet.

Für einen Bruch mit der himmlischen Stimmung sorgt Marie-Juana Jimenez. Grell geschminkt und mit einem etwas irrem Lachen tanzt sie Flamenco und turnt mit kindlicher Ausgelassenheit am Schlappseil und auf dem Trapez. Untermalt wird die Show vom sphärischen Gesang der Künstlerin Anja Krips, gemischt mit hellen Xylophonklängen und den melancholisch-dunklen Tönen des Kontrabasses.

„Angell“ ist eine Komposition des „Nouveau Cirque“, einer Mischung aus Akrobatik, Tanz, Theater, Livemusik und Comedy. „Die Show ist daher mehr als nur eine Aneinanderreihung von Show-Acts“, sagt Regisseur Frederic Zipperlin, „Sie erzählt eine Geschichte.“

Die Show „Angell“ im GOP läuft bis zum 27. Februar dienstags bis sonntags jeweils um 20 Uhr. Karten kosten zwischen 15 und 36 Euro. Noch bis zum 16. Januar wird in der Orangerie in Herrenhausen zudem das Wintervarieté „RED“ gezeigt. Karten gibt es im GOP Varieté zu kaufen, sie kosten zwischen 15 und 35 Euro.

Isabel Christian

Sonja Fröhlich 07.01.2011
Vivien-Marie Drews 07.01.2011