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Aus der Stadt Vater hielt Kinder für zwei Jahre in Libyen fest
Hannover Aus der Stadt Vater hielt Kinder für zwei Jahre in Libyen fest
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18:06 19.10.2017
Von Michael Zgoll
Ein aus Libyen stammender Vater hielt seine zwei Söhne zwei Jahre lang in seinem Heimatland fest. Quelle: Symbolbild (Hannover)
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Hannover

Aufgrund eines Deals mit den Strafverfolgungsbehörden gelang es, den Mann im Juli 2017 zur Rückführung der heute sechs und zehn Jahre alten Kinder zu bewegen. Ein gegen ihn verhängter Haftbefehl wurde für die Übergabe an der deutschen Grenze ausgesetzt. Jetzt sprach das Familiengericht der Mutter das alleinige Sorgerecht zu. Doch wird erneut gegen den Vater ermittelt - er soll seine Söhne in Libyen misshandelt haben.

Die Eheleute, die im Süden der Region Hannover lebten, waren 12 Jahre verheiratet; jetzt aber läuft die Scheidung. Bereits 2012 und 2014 besuchte die Familie Verwandte des 49-Jährigen in Libyen, jedes Mal ging alles glatt. Doch während eines Urlaubs im Juli 2015 eröffnete der Ehemann seiner Frau, er werde mit den Kindern im Ausland bleiben. Ob sie bleiben oder nach Deutschland heimreisen wolle, sei ihm egal. Das Flehen der 40-Jährigen, die Söhne wieder in ihr vertrautes Umfeld zurückkehren zu lassen, half nichts.

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Zurück in Hannover erstattete die Frau Anzeige und verständigte das Auswärtige Amt. Da Libyen aber nie dem Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung beigetreten ist, standen die Chancen für eine schnelle Rückführung schlecht. Während der folgenden zwei Jahre durfte die Mutter mit ihren Söhnen nur sporadisch per Bildtelefon kommunizieren. Wie sie berichtete, ging es ihnen nicht gut bei ihrem Vater, oft hätten sie verstört gewirkt. Ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen den 49-Jährigen wurde jedoch später eingestellt, der Haftbefehl wegen Kindesentziehung aufgrund des Deals über die Rückführung der Söhne aufgehoben. Nach Deutschland einreisen durfte der Mann allerdings nicht mehr.

Jetzt sind die Söhne wieder daheim, haben aber große Probleme, sich einzugewöhnen. Familienrichter Lars Römermann wies in seinem Sorgerechts-Beschluss darauf hin, dass „der Kindesvater für die Kindesmutter und die betroffenen Kinder eine Gefahr darstellt“. Eine erneute Entführung sei zudem nicht ausgeschlossen. Deshalb verhängte der Amtsrichter gegen den Vater eine Grenzsperre für den gesamten europäischen Schengenraum. Damit soll verhindert werden, dass er seine Söhne außer Landes bringt.

Tobias Morchner 22.10.2017
Uwe Janssen 19.10.2017