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Aus der Stadt Vater klettert aufs Rathausdach
Hannover Aus der Stadt Vater klettert aufs Rathausdach
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13:01 11.05.2009
Von Sonja Fröhlich
Verzweifelte Aktion eines Vaters wegen Sorgerechtsstreit.
Verzweifelte Aktion eines Vaters wegen Sorgerechtsstreit. Quelle: Lothar Schulz
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Schon nach einer Stunde gelang es Oberbürgermeister Stephan Weil, den 50-Jährigen zu überzeugen, auf den Boden zurückzukehren. „Ich darf meine Kinder nicht mehr sehen und habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, um auf meinen Fall aufmerksam zu machen“, sagte Gerhard Martin Dittrich nach der waghalsigen Protestaktion.

Gegen 15 Uhr war er mit anderen Besuchern des Rathauses in den Fahrstuhl gestiegen, der sie zur Aussichtsplattform bringen sollte. Während die anderen Gäste weiter mit dem Schrägaufzug in die Kuppel fuhren, stieg Dittrich im 3. Stock aus. Dort habe zufällig eine Leiter gestanden, über die er auf das Dach des Innenhofs geklettert sei. „Ich wollte eigentlich bis oben zur Spitze, aber unten standen Kinder. Da schien mir die Situation zu gefährlich“, sagt er. Zeugen entdeckten den Mann auf dem Dach, der forderte, mit dem Bürgermeister zu sprechen. Weil nicht ausgeschlossen war, dass der Mann springt oder abrutscht, rückten zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr an, die Höhenretter bereiteten sich auf einen Aufstieg vor.

Gerhard Martin Dittrich im Video-Interview mit Retter Oberbürgermeister Weil

Der Anruf erreichte OB Stephan Weil im Fußballstadion – kurz nach dem 1:0 für Hannover gegen Frankfurt. In wenigen Minuten war er bei seiner Arbeitsstätte und ließ sich mit dem Fahrstuhl in die Nähe des Protestlers bringen. Nach einer kurzen Verhandlung folgte Dittrich ihm nach unten zum Ausgang, der 50-Jährige wirkte sichtlich niedergeschlagen. Weil hatte ihm zwar zugesagt, keine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu erstatten: „Aber die richtige Form ist das nicht.“ Im Kampf um seine Kinder stieg der Stöckener Künstler bereits zum zweiten Mal einer Behörde aufs Dach. Im vergangenen Jahr war er auf den First des Amtsgerichts Celle in Sitzstreik getreten.

Hintergrund ist ein Streit mit seiner ehemaligen Frau, die das alleinige Sorgerecht für die beiden vier und sechs Jahre alten Kinder hat. „Ich habe sie vier Jahre lang fast allein großgezogen, und ich liebe meine Kinder“, sagt Dittrich. Mittlerweile hat ihm auch das Oberlandesgericht den Umgang mit seinen Kindern untersagt, dabei stützt es sich auf das Gutachten eines Psychiaters. Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer, der als Anwalt auf Familienrecht spezialisiert ist, will sich nun dem Fall annehmen. „Zumeist können nur medizinische Gründe rechtfertigen, dass ein Vater oder eine Mutter ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen“, sagt er. „Gerade Männer flippen in solchen Situationen schnell mal aus.“