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Aus der Stadt Vater verliert Kampf um Söhne
Hannover Aus der Stadt Vater verliert Kampf um Söhne
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00:15 11.03.2015
Von Michael Zgoll
Das Gericht hat Sorgerecht der Mutter zugesprochen.
Das Gericht hat Sorgerecht der Mutter zugesprochen. Quelle: dpa
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Hannover

Der 41-jährige Lehrer aus der Region Hannover, der derzeit dienstunfähig ist, überzieht seine 33-jährige Frau seit Jahren mit Vorwürfen und Forderungen, erklärt Jugendamtsmitarbeiter und Verfahrensbeistände für inkompetent, hat auch schon mehrere Befangenheitsanträge gegen Richter gestellt. Gegen seinen erbitterten Widerstand hat das Amtsgericht Hannover seiner aus Vietnam stammenden Ehefrau nun das alleinige Sorgerecht für die beiden Söhne zugesprochen.

Die Eheleute sind noch verheiratet, leben aber getrennt und sind seit 2011 „durch zahlreiche Gerichtsverfahren miteinander verbunden“, wie es Familienrichterin Sandra Spohr mit einem Anflug von Galgenhumor formuliert. In jenem Jahr hatte das Amtsgericht der Mutter bereits per einstweiliger Anordnung die elterliche Sorge für die beiden sechs und acht Jahre alten Söhne übertragen - ein vorläufiger Beschluss, den das Oberlandesgericht Celle Ende 2011 bestätigte. Seither leben die Kinder im Haushalt der Frau. Dem Vater wurde lediglich ein Umgangsrecht zugebilligt: alle zwei Wochen von Donnerstag bis Sonntag.

Die Mutter, so heißt es im jüngst ergangenen Beschluss von Richterin Spohr, agiere sehr zurückhaltend, habe auch noch Sprachprobleme. Durch die ständigen Anfeindungen ihres Ehemanns und eine Flut von E-Mails fühle sie sich stark kontrolliert und verunsichert. Umso bemerkenswerter sei, so die Richterin, dass die 33-Jährige ihren Ehemann kaum verbal attackiere und ihm den Umgang mit den Kindern trotz zahlreicher zermürbender Gerichtsverfahren problemlos gewähre.

Der 41-Jährige, der wortgewandt und dominant auftritt, spricht seiner Frau offenbar jegliche Eignung zur Erziehung der Kinder ab. 2013 veranlasste er, dass die Söhne vom Jugendamt für drei Tage in Obhut genommen wurden, weil Blutergüsse auf eine Kindesmisshandlung hinwiesen; außerdem erstattete er Strafanzeige gegen seine Frau. Tatsächlich handelte es sich um zwei blaue Flecken, die beim Spielen entstanden waren, die Herausgabe ihrer Söhne musste die Frau mithilfe eines Gerichts erstreiten.

Dann wiederum behauptete der Vater, die Mutter lasse es an der notwendigen Hygiene mangeln, die Kinder seien ungepflegt und ihre Kleidung stinke. Doch alle befragten Zeugen sagten aus, dass die Söhne immer sehr gepflegt und adrett gekleidet aufträten. Zudem sei der ältere Junge bei seinen Mitschülern sehr beliebt und zähle zu den leistungsstärksten Kindern der Klasse. Die Söhne selbst wollen sich in dem Konflikt ihrer Eltern nicht positionieren, haben offenbar zu beiden eine enge Beziehung.

Doch der Mann wehrt sich auch gegen alle anderen, die in der quälenden Auseinandersetzung mit seiner Frau nicht seiner Meinung sind. Er reichte mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Jugendamtsmitarbeiter ein, forderte die Entlassung von Verfahrensbeiständen und versuchte, Richter für befangen zu erklären.

Die aktuelle Entscheidung von Familienrichterin Spohr fällt deutlich aus. Die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge und die Übertragung des Sorgerechts auf die Mutter sei für das Kindeswohl am besten. Die 33-Jährige verfüge über eine stabilere Persönlichkeit und biete den Söhnen ein verlässlicheres Gegenüber als der Vater; dieser werde nur von seinen eigenen Bedürfnissen gesteuert und sei beratungsresistent.

Dank des alleinigen Sorgerechts kann die Frau nun eigenständig entscheiden, auf welche Schule ihre Söhne gehen, ob sie geimpft werden sollen oder wo sie ihre Ferien verbringen. Noch ungeklärt ist die Frage, wie oft und wann der Pädagoge seine Kinder künftig sehen darf - das Umgangsrecht ist Thema eines weiteren Verfahrens.

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