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Aus der Stadt „Offenbar habe ich einiges richtig gemacht“
Hannover Aus der Stadt „Offenbar habe ich einiges richtig gemacht“
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00:25 08.11.2014
Der scheidende Direktor und seine Nachfolgerin: Veit Görner und Christina Vegh.
Der scheidende Direktor und seine Nachfolgerin: Veit Görner und Christina Vegh. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Ein paar Dinge waren immer 
ganz selbstverständlich bei 
Veit Görner, dem Chef der Kestnergesellschaft: das umstandslose Duzen von Künstlern und Kunstfreunden und das freundschaftliche Umarmen – selbst von Leuten, die vielleicht nicht gerade zum engen Freundeskreis gehören. Mittwochabend hatte Veit Görner reichlich Gelegenheit, andere Menschen in den Arm zu nehmen. Denn für Mittwochabend hatte die Kestnergesellschaft zur großen Abschiedsparty für Veit Görner geladen – die gleichzeitig eine Willkommensparty für seine Nachfolgerin Christina Végh sein sollte.

Veit Görner ist als Direktor der Kestner-Gesellschaft verabschiedet worden, Christina Vegh als Nachfolgerin eingeführt worden.

Veit Görner, der 61-jährige Direktor, verabschiedet sich – kaum zu glauben, wenn man ihn so anschaut – in den Ruhestand. Am 4. Dezember ist sein letzter Arbeitstag. Am 1. Mai 2015 wird seine Nachfolgerin Christina Végh in den Ausstellungsräumen an der Goseriede beginnen. Einige Hundert Gäste waren am Mittwoch bei der großen Party dabei. Reden wurden gehalten, und damit alle sie verfolgen konnten, wurden sie per Video in die anderen Räume übertragen. Der Vorstand (für ihn sprach Uwe Reuter), das Kuratorium (Herbert Haas) und der Förderkreis (Ursula Sandmann) dankten Görner für seine engagierte Arbeit in der Kestnergesellschaft.

Die Stadtprominenz kam auch zu Wort. Allerdings nicht mit ausufernden Würdigungen, sondern mit Fragen. Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann, Musikhochschulpräsidentin Susanne Rode-Breymann, Oberbürgermeister Stefan Schostok, Schauspielintendant Lars-Ole Walburg, Regionspräsident Hauke Jagau, Sabine Schormann von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Annette Schwandner vom Kulturministerium, Martin Kind, Präsident von Hannover 96, und Joachim Werren, Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen, fragten – und die Kunstexperten Görner und Végh antworteten.

Natürlich funktionierte die Dramaturgie überhaupt nicht. Der sorgsam komponierte Fahrplan kam durch längere Reden komplett durcheinander, deshalb musste die Frage von Oberbürgermeister Stefan Schostok vorgezogen werden: „Welchen Stellenwert hat Hannover in der Kunst in 15 Jahren?“ Die Antworten: „Es gibt nur Hannover, nicht Berlin“ (Végh) und „Made in Germany wird in Hannover bleiben“ (Görner). Weitere interessante Fragen waren: „Was ist wichtiger: ein Schwimmbad oder ein Museum?“ (Lars-Ole Walburg). Oder: „Wie wirkt sich deiner/Ihrer Ansicht nach das Marketing für Kunst auf die Kunst selbst aus?“ (Joachim Werren).

Görner und Végh antworteten tapfer, intelligent und charmant.

Recht persönlich wurde es dann am Ende. Hilke Wagner, seit drei Tagen Direktorin des Albertinums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, hielt die Laudatio auf Veit Görner. Der war früher ihr Chef, denn Wagner, die vor ihrer Berufung nach Dresden sieben Jahre lang den Kunstverein Braunschweig leitete, begann als Volontärin an der Kestnergesellschaft. Sie dankte Veit Görner im Namen aller ehemaligen Mitarbeiter vor allem dafür, dass er ihnen so viele Freiheiten ließ. „Für mich warst du der beste Chef der Welt“, sagte sie. Auch da war Veit Görner, dem zu Beginn schon einmal die Stimme versagte, sichtlich gerührt.

Und er geht guter Dinge. In seiner Abschiedsrede sagte er: „Offensichtlich habe ich hier einiges richtig gemacht.“

Karl Doeleke 13.11.2014
Andreas Schinkel 08.11.2014