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Aus der Stadt Stadt wegen „Wohnungsarmut“ in der Kritik
Hannover Aus der Stadt Stadt wegen „Wohnungsarmut“ in der Kritik
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00:18 28.06.2014
Von Bernd Haase
Ein Bündnis aus DGB, Transition Town und anderen Teilnehmern fordert mehr Sozialwohnungen in Hannover. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Diakonie, das Pestel-Institut für Systemforschung, der Verein Transition Town und andere Teilnehmer haben sich zusammengeschlossen und am Mittwoch eine Fachtagung im Bödekersaal der Marktkirche ausgerichtet. „Wir brauchen in Hannover mehr Sozialwohnungen, für die die Stadt Belegrechte hat und die sie Bedürftigen zuweisen kann“, sagt Joachim Peiler von Transition Town. Außerdem müsse nach Vorbild der Hansestadt Bremen ein „Bündnis für Wohnen“ ins Leben gerufen werden.

Die Organisatoren haben für die Tagung eigens ein Wort kreiert, das so nicht im Duden steht: es lautet „Wohnungsarmut“. „Wir treten für ein Klientel ein, das sich auf dem freien Wohnungsmarkt nicht bewegen kann“, sagt Reiner Eifler, Regionsgeschäftsführer des DGB. Betroffen seien rund 100.000 Einkommensschwache, darunter Familien, Alleinerziehende, Senioren, Flüchtlinge und Studenten.

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In ihrem „Wohnungsbaukonzept 2025“ habe die Stadt aus zutreffenden Analysen die falschen Schlüsse gezogen, meint Peiler. So würden pro Jahr nur 
100 Wohnungen mit Belegrechten geschaffen. „Um allein den akuten Bedarf zu decken, müssten es aber 400 sein“, sagt er. Der Neubau von Sozialwohnungen reiche nicht aus, die Stadt müsse Belegrechte auch für freiwerdende Wohnungen erwerben.

Als vorbildlich bezeichneten die Tagungsorganisatoren das Bremer „Bündnis für Wohnen“, das vom Senat vor gut einem Jahr ins Leben gerufen wurde und dem Politik, Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Sozialverbände angehören. Es hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 in Bremen und Bremerhaven insgesamt 14.000 neue Sozialwohnungen zu schaffen. Aufgelegt wurde unter anderem ein Förderprogramm, über das 40 Millionen Euro an Darlehen verteilt werden können. Bauherren, die sich bedienen wollen, müssen 25 Prozent der von ihnen geschaffenen Wohnungen als Sozialwohnungen ausweisen.

Das hannoversche Bündnis will eine Diskussion und einen qualitativen Informationsaustausch anstoßen. Gewerkschafter Eifler zog einen Vergleich: „Wenn es ein verankertes Recht auf bezahlbaren Wohnraum ähnlich dem auf einen Krippenplatz für Kinder gäbe, wären wir bei dem Thema weiter.“

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