Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Verfolgungsjagd: Über zwei Jahre Haft für Autodieb
Hannover Aus der Stadt Verfolgungsjagd: Über zwei Jahre Haft für Autodieb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:30 05.08.2017
Von Tobias Morchner
Der 47-jährige Michael L. gestand am Amtsgericht mehrere Autodiebstähle und Autoaufbrüche.
Der 47-jährige Michael L. gestand am Amtsgericht mehrere Autodiebstähle und Autoaufbrüche. Quelle: Irving Villegas
Anzeige
Hannover

Festgenommen wurde Michael L. in der Nacht zum 5. Februar dieses Jahres. Zuvor hatte er sich eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit der Polizei durch Linden, die Calenberger Neustadt und Herrenhausen geliefert.

Amtsrichter Burkhard Littger machte mit dem Angeklagten im wahrsten Sinn des Wortes kurzen Prozess. Etwa 45 Minuten nach der Verlesung der Anklage sprach er bereits sein Urteil: Michael L. muss zwei Jahre und sechs Monate in Haft. „Durch das Geständnis haben Sie dem Gericht eine langwierige Beweisaufnahme erspart“, sagte der Amtsrichter.

Michael L. geriet bereits 1988 auf die schiefe Bahn - das belegen die Einträge im Bundeszentralregister, die im Gericht verlesen wurden. Mit 20 begann der gelernte Industriemechaniker und Metallbauer, regelmäßig Drogen zu konsumieren. Seine Sucht finanzierte er mit Diebstählen. Im Januar 2014 wurde er mal wieder aus der Haft entlassen - er hatte eine Drogentherapie erfolgreich absolviert. In seinem Geständnis, das Rechtsanwalt Christoph Rautenstengel für seinen Mandanten vortrug, berichtete L. von der Beziehung zu einer Frau, die er nach seiner Entlassung begonnen hatte. „In dieser Zeit hat mein Mandant drogenfrei gelebt“, sagte der Verteidiger. Als diese Beziehung im September 2016 allerdings zerbracht, habe L. einen Rückfall in die Drogensucht erlitten. Den ersten Autodiebstahl, der in der Verhandlung am Freitag eine Rolle spielte, beging L. am 16. Oktober.

Verfolgungsjagd mit der Polizei

Knapp vier Monate später beendete die Polizei die Diebstahlserie - durch Zufall. An der Lavesallee hatten Beamte eine allgemeine Verkehrskontrolle eingerichtet. Auch den 47-Jährigen wollten die Einsatzkräfte überprüfen. Der war einmal mehr in einem gestohlenen Fahrzeug unterwegs, diesmal einem weißen Transporter, und hatte sehr viel Kokain zu sich genommen.

Doch Michael L. reagierte nicht auf die Zeichen der Polizei - er trat auf das Gaspedal. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf, rasten zum Teil mit Tempo 100 hinter dem Flüchtigen her. „Fußgänger und Radfahrer mussten sich mit einem Sprung zur Seite retten“, schrieb die Polizei in der Pressemitteilung nach der Festnahme. Die späteren Ermittlungen ergaben: Michael L. hatte 114 Nanogramm Kokain pro Milliliter in seinem Blut. Zum Vergleich: Wer mit zehn Nanogramm Kokain im Blut erwischt wird, muss bereits 500 Euro Strafe zahlen. In der Haltenhoffstraße rammte er mit dem Transporter den Zaun der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt. Anschließend setzte er seine Flucht mit einem Fahrrad fort und konnte dann an einem Kiosk an der Königsworther Straße festgenommen werden. „Es ist fast schon eine Ironie des Schicksals, dass Sie jetzt wieder dorthin kommen, wo Ihre Flucht mit dem Auto ein Ende genommen hat“, sagte Richter Littger in seiner Urteilsbegründung.

Zahl der Autodiebstähle hat sich halbiert

Die Polizeidirektion Hannover geht seit Anfang des Jahres gezielt gegen Autodiebe und Autoaufbrecher vor. Eine 17-köpfige Ermittlungsgruppe kümmert sich seit Januar ausschließlich um diese Delikte. Mit Erfolg: Die Zahl der Autodiebstähle hat sich in den ersten sechs Monaten nahezu halbiert. Verzeichnete die Polizei im ersten Halbjahr 2016 noch 521 Taten waren es im Vergleichszeitraum 2017 nur noch 290. Um dem in den ersten sechs Monaten 2017 leicht angestiegenen Autoteilediebstahl Herr zu werden, setzte die Ermittlungsgruppe auch auf gemeinsame Kontrollen mit dem Zoll am Zentralen Omnibusbahnhof. Denn die Ermittlungen haben ergeben, dass die illegal ausgebauten Navigationssysteme oder Airbags regelmäßig mit Fernbussen außer Landes gebracht werden.