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Aus der Stadt Vergewaltigung einer 15-Jährigen aus Garbsen: Neuauflage des Prozesses
Hannover Aus der Stadt Vergewaltigung einer 15-Jährigen aus Garbsen: Neuauflage des Prozesses
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21:43 02.08.2010
Von Sonja Fröhlich
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Die Worte des Vorsitzenden Richters werden den Zuschauern noch gut in Erinnerung geblieben sein. „Einen so abartigen und widerlichen Fall habe ich noch nicht erlebt“, sagte Uwe Thies. Und: „Es gibt etliche Beweise und nicht den Hauch eines Zweifels, dass die Aussagen des Mädchens stimmen.“

Doch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der jungen Frau aus Garbsen, die als 15-Jährige monatelang von ihrem Vater und dessen Freund vergewaltigt und gefoltert worden sein soll, führen nun, sechs Jahre nach dem Urteil, zur Neuauflage des Prozesses – am Mittwoch ist Auftakt vor dem Landgericht Lüneburg.

Im Mai 2004 waren der heute 43-jährige Üstra-Mitarbeiter Ralf W. zu zwölf Jahren und acht Monaten und der heute 61-jährige Vater Karl-Heinz W. zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Hannover sah es als erwiesen an, dass die Männer die damals 15-jährige Tochter des Kraftfahrers ein halbes Jahr regelmäßig vergewaltigt, geschlagen und gequält hatten. In dem 41 Tage andauernden Prozess schilderte die junge Frau eindringlich, welche Qualen sie erlebt haben wollte. Mehrmals in der Woche sei sie vergewaltigt worden. Ralf W., selbst Vater von drei Kindern, habe ihr Zigaretten auf der Haut ausgedrückt und ihr mit einem Messer Schnitte im Schambereich zugefügt. Ein Rechtsmediziner stützte die Angaben. Die Angeklagten beteuerten jedoch bis zum Schluss ihre Unschuld, ihre Revision wies der Bundesgerichtshof dann aber ab.

Im vergangenen Jahr erreichte Ralf W.s Hamburger Verteidiger Johann Schwenn die Wiederaufnahme des Verfahrens. Sein Mandant wurde vorerst aus der Haft entlassen. Der Vater hatte seine Strafe da schon abgesessen. Der Anwalt wirft der Staatsanwaltschaft vor, entlastendes Material zurückgehalten zu haben. Denn bei einer späteren Aussage der Tochter gegen ihren Vater soll sie ihm vorgeworfen haben, sie schon als Achtjährige an einen Kinderpornoring in der Südstadt verkauft zu haben. Dies widerspräche ihren Angaben, sie sei mit 15 Jahren von dem Freund des Vaters vergewaltigt und entjungfert worden. Nachdem ein von der Verteidigung beauftragter Gutachter dann Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers feststellte, beschlossen die Lüneburger Richter, neu gegen die Männer zu verhandeln. „Etwas anderes als ein Freispruch kommt nicht in Betracht“, meint der Verteidiger zu wissen. In diesem Fall könnten Entschädigungszahlungen in sechsstelliger Höhe auf das Land zukommen, glaubt er. Beide Männer haben angekündigt, aussagen zu wollen.

Maßgeblich für die Entscheidung werden wohl die Angaben eines Rechtsmediziners, einer psychiatrischen Sachverständigen sowie einer Expertin für aussagepsychologische Gutachten sein. Ihre Expertisen basieren auf Videoaufzeichnungen und Protokollen der Vernehmung des Opfers.

Persönlich wurde die heute 24-Jährige nicht mehr in Augenschein genommen. Ob sie selbst noch einmal vor Gericht aussagen wird, ist fraglich. Ihre Anwältin Martina Zerling-Andersen wollte sich am Montag nicht festlegen. Die junge Frau, die damals tagelang unter Tränen vor der Strafkammer aussagte, hatte ihrem Vater noch einmal in der Untersuchungshaft geschrieben: „Ich kann es nicht ändern, dass du mein Vater bist. Aber du hast mich nicht verdient. Ich kämpfe jetzt um das Leben, das ich wegen dir nie hatte.“

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