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Aus der Stadt Verhaltenstherapie für Hunde an der TiHo
Hannover Aus der Stadt Verhaltenstherapie für Hunde an der TiHo
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13:03 02.02.2013
Von Juliane Kaune
Alexandra Moesta hat ihrem Schäferhund Eddie mit regelmäßigem Training ein vobildliches Verhalten beigebracht. Quelle: Akbaba
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Hannover

Manchmal sind Herrchen oder Frauchen einfach nur noch ratlos. Obwohl sie sich größte Mühe geben, dass es ihrem Hund gut geht, verhält dieser sich ganz anders, als er sollte. Manche Tiere trauen sich nicht auf die Straße, andere haben Angst, allein zu Hause zu bleiben. Wieder andere zeigen ein aggressives Verhalten. Sie bellen, auch wenn sie an der Leine geführt werden, und im schlimmsten Fall beißen sie zu. Um in solchen Fällen helfen zu können, gibt es an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) seit Neuestem ein bundesweit einmaliges Angebot: Alexandra Moesta, die als einzige praktizierende deutsche Tierärztin den US-Titel „Diplomate“ des American College of Veterinary Behaviorists (ACVB) trägt, bietet eine verhaltensmedizinische Sprechstunde für Hunde an, die auch für Katzen und deren Besitzer offen ist.

Ein sehr lebendiges Beispiel für eine erfolgreiche Therapie begleitet Moesta täglich, auch zu ihrem Arbeitsplatz an der TiHo. Schäferhund Eddie, den die 33-Jährige als etwa einjährigen Rüden in völlig verwahrlostem Zustand aus einem Tierheim geholt hat, hatte große Angst, alleine zu Hause zu bleiben. Und er geriet geradezu in Panik, wenn Fremde ihn berühren wollten. Nach regelmäßigen Trainingseinheiten mit seinem Frauchen hat sich das geändert. „Heute ist er ein wahrer Menschenfreund“, sagt Moesta und streicht ihm über das Fell.

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Der Deutsche Schäferhund Eddie stammt aus den USA, Moesta hat ihn nach Hannover importiert. Drei Jahre lang hat die Tierärztin, die an der TiHo studiert und promoviert, in den Vereinigten Staaten gelebt und gearbeitet. An der University of Georgia beschäftigte sie sich ausschließlich mit der Verhaltenstherapie bei Tieren. Mehr als 300 Patienten hat sie dort behandelt und darf nun den international renommierten ACVB-Titel tragen, den weltweit nur etwa 60 Tierärzte führen.

Dass sie nun wieder in ihrer Heimatstadt Hannover praktiziert, hat vor allem zwei Gründe: Der Draht zur TiHo sei nie abgerissen, sagt sie. Als die Hochschule jetzt gezielt nach einer Spezialistin für Verhaltenstherapie suchte, musste sie nicht lange überlegen - und bewarb sich. „Außerdem mag ich die Stadt, ich habe hier meine Familie und viele Freunde.“ Zwar gibt es an der TiHo seit Jahren das Institut für Tierschutz und Verhalten, das mit verhaltensauffälligen Tieren arbeitet. „Doch bisher hatten wir keine Möglichkeit, eine regelmäßige Sprechstunde anzubieten und dafür eine eigene Stelle einzurichten“, sagt Institutsleiter Prof. Hansjoachim Hackbarth. In Kooperation mit der Kleintierklinik ist es nun gelungen, für zunächst zwei Jahre ein solches Projekt aus sogenannten Drittmitteln zu finanzieren.

An zwei Vormittagen, jeweils donnerstags und freitags, bietet Alexandra Moesta seit Mitte Januar ihre Sprechstunde an der Kleintierklinik an. Für den Auftakt veranschlagt sie zwei Stunden, in denen nach vorheriger Fragebogenanalyse das Problem des Tieres mit dem Besitzer ausführlich besprochen wird. Um mögliche medizinische Ursachen zu ermitteln, werden Hund oder Katze zudem körperlich untersucht. Dann erarbeitet Moesta für jeden Halter einen individuellen Therapieplan, nach dessen Vorgaben dieser mit dem Tier zu Hause trainiert. Weitere Ratschläge gibt es per Mail und Telefon. Stellt sich nach vier Wochen keine Besserung ein, sind weitere Sprechstundentermine nötig. In bestimmten Fällen kann auch die Gabe von Psychopharmaka erforderlich sein.

Moesta weiß, dass oft kleine Schritte eine große Wirkung erzielen können. Fürchtet sich etwa ein Hund bei Gewitter, kann es helfen, ihm beim nächsten Donner gezielt sein Lieblingsfutter anzubieten, damit das Angstmachende mit etwas Positivem verbunden wird. Moesta erinnert sich noch gut an Lexie, eine Jagdmischlingshündin, die sie in Georgia behandelt hat. „Das war ein besonders schwerer Fall, sie hatte jeden Abend Panikattacken, auch wenn es gar nicht gedonnert hat.“ Eine CD mit Gewittergeräuschen half Lexie, Schritt für Schritt ihre Angst zu verlieren. „Gegenkonditionierung“ heißt diese Maßnahme in der Verhaltenstherapie.

Moesta konnte auch Hauskater Frodo helfen, der seine Besitzer früher aus scheinbar unerfindlichen Gründen angriff. Es stellte sich heraus, dass das Tier einfach große Angst vor dem Krallenschneiden hatte und selbst vor dem täglichen Bürsten zurückschreckte. Wichtig war in diesem Fall, Frodo Rückzugsmöglichkeiten zu lassen und ihn an seinen ausgewählten Lieblingsplätzen langsam an die für ihn so unangenehmen Prozeduren zu gewöhnen. Eine ähnliche Strategie hilft bei Katzen, die panische Angst vorm Tierarzt haben. Schon auf einer schlichten Decke fühlten sie sich wie auf einer sicheren Insel, erklärt Moesta.

Bei größeren Problemen kann die Therapie auch so weit gehen, dass Herrchen oder Frauchen sich zu Hause einen weißen Kittel überstreifen, den Tierarzt mimen und statt das Stethoskop anzusetzen Leckerlis verteilen. Kommt dann der echte Tierarzt, hat der Kittelträger zumindest etwas von seinem Schrecken verloren.

Der Erfolg einer Therapie hängt immer auch davon ab, wie gut der Besitzer sein Tier kennt - und dass er dessen Signale richtig deutet, selbst wenn sie sich nicht sofort erschließen. „Leckt sich ein Hund zum Beispiel die Lippen oder gähnt, sind das Zeichen dafür, dass er Angst hat“, erklärt Moesta. Und Angst schlage häufig in Aggression um. Dass ein Tier allein aufgrund genetisch-biologischer Ursachen ein aggressives Verhalten an den Tag legt, hält die Verhaltenstherapeutin für ausgeschlossen.

Mit der Behandlung der ersten Patienten in der TiHo-Kleintierklinik hat Moesta bereits begonnen. Noch braucht sie mehr Zeit, um über Behandlungserfolge berichten zu können. Nach einer Anlaufphase sind neben der Spezialsprechstunde auch Praxisseminare für die Tiere und ihre Besitzer geplant, unter anderem der „Rüpelkursus“ für Hunde, die gegenüber ihren Artgenossen oder Spaziergängern aggressiv auftreten. „Ich gebe keine Erfolgsgarantie“, stellt die Tierärztin klar. Aber in den meisten Fällen verbessere sich die Situation vergleichsweise schnell - wenn es gelinge, die Wünsche und Erwartungen des Halters mit den Fähigkeiten und Bedürfnissen seines Tieres in Einklang zu bringen.

Mehr Informationen über das Angebot der TiHo gibt es im Internet unter der Adresse www.tiho-hannover.de/verhaltensmedizin und unter Telefon (0511) 9538141.

Tipps:

Für die Erziehung eines Hundes gibt es viele Regeln, eine aber gilt in jedem Fall: Ein Hund lernt ständig dazu, jede Interaktion mit seiner Umwelt bedeutet für ihn eine neue Lernerfahrung. Alexandra Moesta hat folgende Tipps zusammengestellt.

Belohnung und Strafe: Sie sollten ihrem Hund stets deutlich machen, welches Verhalten von ihm erwünscht ist – und nur diese Lernerfolge entsprechend belohnen. Statt ihn für ein unerwünschtes Verhalten zu strafen, belohnen Sie ein alternatives, von Ihnen erwartetes Verhalten. Strafen Sie so wenig wie möglich und nur im Rahmen eines Trainingsplans, nicht aus einer emotionalen Situation heraus. Bei einer konsequenten Erziehung ist Strafe kaum notwendig.

Klicker-Training: Ein Klicker ist ein kleiner Kasten mit einem Metallstreifen darin. Beim Training wird das damit erzeugte Geräusch mit einer Futtergabe in Verbindung gebracht. Sobald Ihr Hund sich korrekt verhält, bekommt er ein Leckerli, und Sie drücken den Klicker. Auf diese Weise lernt der Hund über das akustische Signal und die wohlschmeckende Belohnung, was von ihm erwartet wird.

Schau-Training: Stellen Sie sich vor Ihren Hund. Sobald er Blickkontakt aufnimmt, sagen Sie „Gut“ oder „Fein“ und geben ihm Futter. Dehnen Sie die Zeitspanne bis zur Belohnung auf drei Sekunden aus und halten Blickkontakt. Schaut Ihr Hund Sie an, sagen Sie „Schau“, dann „Fein“ und spendieren wieder eine Leckerei. Sinn der Übung ist es, dass sie auch funktioniert, wenn Ihr Hund in eine andere Richtung sieht. Hört er dann das Signal „Schau“, sollte er den Kopf zu Ihnen wenden und wieder eine Belohnung kassieren. Ziel ist, dass der Hund den Blickkontakt zu Herrchen oder Frauchen zehn Sekunden halten kann. Üben Sie das zunächst alleine auf Spaziergängen, dann trainieren Sie auch, wenn andere Menschen oder Hunde anwesend sind.

Rückruf: Überlegen Sie sich ein Signal wie „Komm“ oder „Hier“ und eine kleine Zwischenmahlzeit, die Ihrem Hund besonders gut schmeckt.Bitten Sie einen Freund, Ihren Hund festzuhalten. Zeigen Sie diesem die Belohnung, die er sich verdienen kann. Laufen Sie von Ihrem Hund weg, und wenn er folgen will, bitten Sie den Freund, ihn loszulassen – und belohnen Ihren Hund, wenn er zu Ihnen kommt. In einem zweiten Schritt führen Sie zusätzlich das Rückrufsignal ein. Sie rufen das entsprechende Wort, und sofort danach lässt der Freund Ihren Hund los, der bei erfolgreicher Ankunft natürlich wieder seine leckere Belohnung erhält.

HAZ-Buch im Handel

Ratschläge rund um den Hund gibt auch das HAZ-Buch „Wuff! – Ein Ratgeber für Hannovers Hundehalter“ (ISBN: 978-3-940308-74-0). Hier hilft HAZ-Hundeexpertin Sandra Bruns gemeinsam mit Autor Gerd Piper bei der Suche nach der richtigen Hundeschule und gibt Tipps für Ausflüge mit dem tierischen Partner in der Region. Auf 124 Seiten bietet das Buch Service zu aktuellen Fragen. Es werden Spaziergänge beschrieben, Hundefreiflächen in der Stadt benannt und Anbieter von Hundesport aufgelistet. Dazu gibt es Tipps zu Hannovers Hundeverordnung, Steuersätzen sowie eine Übersicht von Kleintierpraxen, Tagesbetreuungsangeboten und dem Pfötchendienst. Das Buch kostet 14,90 Euro. Zeitgleich ist auch die HAZ-DVD „Wau!“ für 14,90 Euro erschienen. Sie enthält Trainingstipps und praktische Vorbereitungen auf den Hundeführerschein. Beide Produkte sind in den Geschäftsstellen in Hannover und dem Umland erhältlich, zum Beispiel an der Langen Laube 10, oder können im Internet unter www.shop.haz.de bestellt werden.lok

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