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Aus der Stadt Verhindert Laubfrosch neue Häuser in Hannover?
Hannover Aus der Stadt Verhindert Laubfrosch neue Häuser in Hannover?
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00:15 24.01.2017
Von Andreas Schinkel
Verhindert er Bebauung? Der streng geschützter Laubfrosch.
Verhindert er Bebauung? Der streng geschützter Laubfrosch. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Hannover

In einer Infobroschüre, herausgegeben von der Stadtverwaltung, wird das Gebiet als „Fünf-Sterne-Hotel“ für das Amphibium bezeichnet. Auch seltene Libellenarten fühlen sich westlich der Stelinger Straße zuHause. „Es handelt sich um ein wertvolles Ökosystem, das es zu schützen gilt“, sagt Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske.

SPD und FDP, Bündnispartner der Grünen im Rat, sind anderer Meinung. Die Sozialdemokraten in Herrenhausen-Stöcken setzen sich schon seit geraumer Zeit dafür ein, die Neubausiedlung Schwarze Heide zu erweitern. „Hannover braucht als wachsende Stadt Entwicklungsmöglichkeiten. Das Gebiet westlich der Schwarzen Heide bietet sich dafür an“, sagt SPD-Baupolitiker Lars Kelich.

Unter Schutz stehen die zu Stöcken zählenden Flächen zwischen Schwarzer Heide und Garbsen-Berenbostel nicht. „Das ist weder Natur- noch Landschaftsschutzgebiet“, sagt Klaus Abelmann, Sprecher der Regions-Naturschutzbehörde. Prinzipiell könne das Areal als Baugebiet ausgewiesen werden. „Aber ohne Weiteres wird ein Bauen dort nicht möglich sein“, sagt Abelmann.

Die FDP sieht noch eine andere Schwierigkeit für die Wohnbebauung. Westlich der Stelinger Straße könnten landwirtschaftliche Betriebe Flächen nutzen. Im neuen Agrikulturprogramm der Stadt sind die Gebiete als „schützenswerte Landwirtschaftsflächen“ eingezeichnet. Das Programm soll dazu dienen, mehr Bauernhöfe im Stadtgebiet anzusiedeln, vor allem ökologische Betriebe. „Wir sollten nicht ohne Not wertvolles Bauland zur Ackerfläche erklären“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Die Stadt weist darauf hin, dass bereits das regionale Raumordnungsprogramm, eine Art Flächenplan für die Gesamtregion, den Westen der Schwarzen Heide als Gebiet für Landwirtschaft ausgewiesen hat.

Noch ist das Agrikulturprogramm der Stadt nicht beschlossen. SPD und FDP feilen derzeit an einem Antrag, der darauf zielt, das Grundstück im Norden Hannovers aus der landwirtschaftlichen Planung herauszunehmen. Dem dürften auch die Grünen zustimmen - aber nur, um das Idyll zu erhalten. „Vielleicht ist es möglich, sich mit der Gemeinde Berenbostel über andere Bauflächen zu verständigen“, schlägt Grünen-Ratsherr Mark Bindert vor.

Tiere als Verhinderer

Geschützte Tierarten sind immer wieder Bauprojekten im Weg. Im Herrenhäuser Berggarten verhinderte der Juchtenkäfer die Fällung morscher Lindenstämme. Sie bleiben stehen, gestützt von Stahlkorsetten. Kosten: rund 350.000 Euro. In Lehrte drohte die geschützte Zauneidechse den Bau des Containerumschlagplatzes Megahub zu verhindern. 164 Tiere mussten umgesiedelt werden.