Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Verletzter beschimpft Sanitäter – und muss zahlen
Hannover Aus der Stadt Verletzter beschimpft Sanitäter – und muss zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 23.11.2017
Georg S. wurde von Rechtsanwältin Silke Willig verteidigt.  Quelle: Wallmüller
Anzeige
Hannover

  Er hatte eine blutende Kopfwunde und sollte von zwei Rettungssanitätern verarztet werden. Doch der angetrunkene Georg S. beschimpfte die Sanitäter als „perverse Wichser“ und versuchte sie zu treten und zu schlagen. Dafür wurde der 52-jährige Laatzener am Montag am Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Richterin Ines Gratz sprach den gelernten Schlosser wegen Widerstands gegen Hilfeleistende eines Rettungsdienstes, versuchter Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung schuldig. 

Die Tat hatte sich am 17. März dieses Jahres kurz vor Mitternacht in Laatzen-Mitte ereignet. S. hatte nach der Arbeit in der Wohnung seines Bruders –gemeinsam mit diesem –anderthalb Flaschen Wodka und ein paar Biere konsumiert. Auf dem Heimweg, so vermutet man, stürzte er und zog sich eine heftig blutende Wunde an der Stirn zu. Eine Autofahrerin leistete Erste Hilfe und legte dem betrunkenen Passanten einen Kopfverband an. Doch als ihn die Sanitäter eines DRK-Rettungsfahrzeugs genauer untersuchen wollten, wurde der Patient ausfällig.

Anzeige

Angriff ist kein Einzelfall

Ein 44-jähriger Sanitäter sprach vor Gericht davon, der Mann habe ihn „durchbeleidigt“. Derartiges passiere ihm inzwischen fast jeden Tag. Was er eher selten erlebt, war die nachfolgende Attacke von S.: Der 52-Jährige versuchte den Helfer zu schlagen und zu treten, war aber offenbar zu betrunken, um den Sanitäter ernsthaft zu gefährden. Einen Moment später brachten die beiden Helfer ihren Patienten zu Boden und schafften es schließlich mithilfe der Polizei , ihn ins Agnes-Karll-Krankenhaus zu bugsieren. 

Wie der Angeklagte erklärte, kann er sich nicht mehr an seine Ausfälle erinnern. Seine Verteidigerin Silke Willig betonte, eine derartig Attacke sei keine Bagatelle, allerdings sei ihr Mandant aufgrund seiner Alkoholisierung vermindert schuldfähig gewesen – was ein medizinischer Gutachter ebenso gesehen hatte. Und Richterin Gratz wies darauf hin, dass S. Glück gehabt habe: Hätte der Laatzener diese Tat nach dem 30. Mai 2017 begangen, wäre er aufgrund einer neuen Gesetzeslage zu einer Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Von Michael Zgoll