Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Verlobte zu Onlinekäufen gezwungen
Hannover Aus der Stadt Verlobte zu Onlinekäufen gezwungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:35 04.12.2013
Von Michael Zgoll
Foto: Henry G. steht auch deswegen vor Gericht, weil er seine Verlobte zu Onlinekäufen gezwungen haben soll.
Henry G. steht auch deswegen vor Gericht, weil er seine Verlobte zu Onlinekäufen gezwungen haben soll. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Im Mai 2012 soll er versucht haben, eine Bekannte in Stöcken zu vergewaltigen. Im Juli 2012, so die Anklage, soll er eine andere Frau – seine Verlobte – gezwungen haben, für ihn Handys und Computer im Internet zu kaufen. Der 33-Jährige zeigte sich vor der 12. Großen Strafkammer durchaus auskunftswillig – doch wurden erhebliche Zweifel laut, ob sich seine Version der Vorgänge mit den Tatsachen deckt.

Mit der Bekannten hielt sich Henry G. im Mai in seiner Wohnung auf, um ihr zum Verkauf stehende Fernsehgeräte zu zeigen. Dann soll der Schwarzafrikaner die Frau mit einem Messer in der Hand auf sein Bett im Schlafzimmer gezwungen, sie halb ausgezogen und zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Bei der Polizei hatte sie ausgesagt, dass sie geschrien und sich gewehrt habe. Zum Schluss habe Henry G. sich selbst befriedigt. Die Version des Angeklagten: Er habe die Frau nur umarmt und sei dabei zum Orgasmus gekommen. Der Vorsitzende Richter Michael Schweigert nannte diese Schilderung „wenig lebensnah“; so etwas könne er sich höchstens bei einem 13-Jährigen vorstellen, der zum ersten Mal ein Mädchen anfasse.

Zu den anderen Anklagepunkten stand G.s Verlobte als Zeugin Rede und Antwort. Sie habe acht gute Jahre mit ihrem Freund verlebt, sagte die 31-Jährige. Anfang 2012 jedoch habe ihn der Verlust seines Jobs als Gebäudereiniger aus der Bahn geworfen. Auf der Suche nach einem neuen „Geschäftsmodell“ habe ihr hoch verschuldeter Partner versucht, Unterhaltungselektronik zu erwerben und in Ghana zu verkaufen. Auch habe er ohne Erlaubnis Parfüm, Uhr und Kamera von ihr versilbert. Später orderte G. im Internet mehrfach Laptops und Handys auf ihren Namen. Als seine Verlobte die Zugänge zu den Shops mit Passwörtern sicherte, soll G. sie unter Androhung oder Anwendung von Gewalt gezwungen haben, Onlinebestellungen aufzugeben – die die Frau am nächsten Tag wieder stornierte.

G.s Verteidigerin Birte Irtel-Janke verlas eine Erklärung ihres Mandanten, wonach die Freundin alle Internetbestellungen freiwillig getätigt habe. Blaue Flecken an ihrem Körper rührten daher, dass sie ihn angegriffen und er sich lediglich zur Wehr gesetzt habe.

Aus der Stadt Wulff-Prozess, Sturmtief, Stadtbahn - Das ist heute in Hannover wichtig
03.03.2014
Aus der Stadt Vier Perspektiven auf Graffiti - Was ist Kunst und was muss weg?
04.12.2013
Aus der Stadt Orkantief „Xaver“ kommt nach Hannover - Alles festhalten! – „Das wird heftig“
05.12.2013