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Aus der Stadt Verwalter sperrt säumigen Mieter aus
Hannover Aus der Stadt Verwalter sperrt säumigen Mieter aus
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21:33 10.11.2014
Von Michael Zgoll
Ein säumiger Mieter klagt vorm Amtsgericht Hannover gegen seinen Rauswurf aus seiner Wohnung.
Ein säumiger Mieter klagt vorm Amtsgericht Hannover gegen seinen Rauswurf aus seiner Wohnung. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Ein junger Mann, der seit Juli 2014 eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Langenhagen bewohnte, ist vom Verwalter hinausgeworfen worden – per „kalter Räumung“. Der Sohn der 92-jährigen Vermieterin mochte nicht länger mitansehen, dass der neue Mieter die Kaution von 1000 Euro schuldig blieb und keine einzige Mietzahlung einging. So griff der Mittfünfziger zur Selbstjustiz. Nachdem der säumige Mieter auf zwei Kündigungsschreiben Ende August und Anfang September nicht reagiert hatte, drang der Verwalter mit einem Ersatzschlüssel in die Wohnung ein, ließ das Schloss austauschen und die Zimmer leer räumen. Der Versuch des 22-jährigen Mieters, sich per einstweiliger Verfügung wieder Zugang zu seinem Domizil zu verschaffen, scheiterte. In der Wohnung lebt inzwischen eine neue Mieterin – und die darf bleiben.

Die Kaltmiete für die Wohnung lag bei rund 340 Euro, hinzu kamen gut 200 Euro Nebenkosten. Auf eine Überweisung aber wartete die betagte Vermieterin Woche um Woche vergebens. „Meine im gleichen Haus wohnende Mandantin bezieht nur eine schmale Rente und ist auf die Mieteinkünfte angewiesen“, erklärte ihre Anwältin Heike Köster. Der Mieter habe behauptet, Flugbegleiter zu sein; allerdings sei sein Arbeitgeber mit den Gehaltszahlungen im Rückstand, sodass er weder Miete noch Kaution entrichten könne. Irgendwann riss dem Sohn der 92-Jährigen der Geduldsfaden und er beschloss, den säumigen Mieter loszuwerden. Die alte Dame, so die Rechtsanwältin, habe mit diesem Unterfangen aber nichts zu tun.

Nach der illegalen Räumung der Wohnung ließ der Verwalter die Möbel des Mieters in eine Garage verfrachten. Der ausgesperrte 22-Jährige zog in ein Männerwohnheim – und vor das hannoversche Amtsgericht. In einer Verhandlung unter Leitung von Richterin Martina Vinson verblüffte der Verwalter die Prozessbeteiligten Ende Oktober mit der Nachricht, dass sich der bisherige Mieter gar keinen Zugang zur Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung mehr erstreiten könne. Schließlich sei dort bereits eine andere Mieterin eingezogen. Und tatsächlich: Als eine Gerichtsvollzieherin das Apartment inspizierte, stieß sie auf eine Frau inmitten von Umzugskartons und durcheinandergewürfeltem Mobiliar.

Der 22-Jährige hat nun keine Chance mehr, in die Wohnung zurückzukehren. Wie Richterin Vinson hervorhob, habe die Nachfolgemieterin aber nur dann Anspruch auf ihr neues Domizil, wenn sie den Mietvertrag „gutgläubig“ – also ohne Kenntnis des vorherigen Streits – abgeschlossen habe. Davon jedoch gehe das Gericht aus.

Dass der frühere Mieter nie einen Cent überwiesen hat, berechtigt die Seniorin oder ihren Sohn keineswegs, ihn per „kalter Räumung“ hinauszuwerfen. Auch dass der Hartz-IV-Empfänger offenbar kein Flugbegleiter ist, sondern nur ein Praktikum bei McDonald’s absolviert haben soll, hat damit nichts zu tun: Der 22-Jährige könnte die Vermieterin wegen Hausfriedensbruchs anzeigen. Bisher eingegangen, so Heike Köster, seien eine Schmerzensgeldforderung von 1000 Euro und das Ansinnen des jungen Mannes, ihm eine „Nutzungsentschädigung“ von 1500 Euro zu zahlen.     

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