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Aus der Stadt Viel Beratungsbedarf in Hannover wegen Bildungspaket
Hannover Aus der Stadt Viel Beratungsbedarf in Hannover wegen Bildungspaket
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16:12 20.04.2011
Von Bärbel Hilbig
In vielen Kindergärten gehört das Mittagessen wie hier in der städtischen Lehr-Kita Hohe Straße zum Tagesablauf.
In vielen Kindergärten gehört das Mittagessen wie hier in der städtischen Lehr-Kita Hohe Straße zum Tagesablauf. Quelle: Archiv
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Zumindest in den Kindergärten ist noch nicht überall die Osterpause angebrochen. Und so beginnen hier die ersten Erzieherinnen, bedürftigen Familien die Vorzüge des vom Bund geschnürten Bildungspakets nahezubringen. „Wir weisen die Eltern in unseren Kitas seit Montag offensiv auf die Möglichkeiten hin“, sagt Thea Heuser, Abteilungsleiterin für Familie bei der Caritas: „Und ich hoffe inständig, dass das Geld da ankommt, wo es hingehört.“

Doch das ist kein Selbstgänger. Familien, die Sozialleistungen oder Arbeitslosengeld II beziehen, können seit April Zusatzleistungen für ihre Kinder beantragen. Möglicherweise wird die sehr knapp bis 30. April laufende Frist für rückwirkende Anträge für das erste Quartal – angesichts der Osterferien – noch etwas verlängert. Doch damit die Familien diese Beihilfen für das warme Mittagessen in Kita oder Schule, Nachhilfe, Musikstunden oder Sportverein überhaupt in Anspruch nehmen, brauchen viele offenbar Unterstützung.

Stadt und Region hatten vergangenen Freitag in einer gemeinsamen Veranstaltung die Kita-Träger über das Bildungspaket informiert. Bei der Caritas zum Beispiel drucken die Kita-Leiterinnen den Eltern nun auf Wunsch die Anträge aus oder helfen auch beim Ausfüllen. „Wir sprechen ja regelmäßig mit den Eltern über die Entwicklung der Kinder“, sagt Heusler. Dabei könnten die Kita-Leiterinnen in Zukunft empfehlen, das Kind in einen Musikkursus oder Sportverein zu schicken. Auch für Ausflüge oder Fahrten mit Kindergarten- oder Krabbelgruppe können die Eltern Zuschüsse bekommen. Die Schulen hatten bis zum Ferienbeginn am Freitag noch keine Informationen bekommen. Dort sind deshalb meist, wenn überhaupt, erst im Mai nach dem Ende der Osterferien Gespräche, Infobriefe oder Veranstaltungen für betroffene Eltern geplant.

Unter den Beziehern staatlicher Leistungen gebe es gut informierte Eltern, sagt Heusler, die sich schon längst um die Anträge gekümmert haben. Bei den 16 Jobcentern der Region waren bis Ende vergangener Woche rund 1500 Anträge zum Bildungspaket eingegangen. Sylke Schwanhold, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Region Hannover, geht davon aus, dass diese Anträge fast alle in Eigeninitiative gestellt wurden, zum Teil bereits zu Jahresbeginn. Jobcenter und Region hatten gemeinsam in der vorletzten Woche alle rund 25 000 Hartz-IV-Haushalte in der Region, in denen Kinder leben, angeschrieben. In diesen Familien gibt es rund 32 500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Als Reaktion auf diese Infopost erhielten die Jobcenter jetzt verstärkt neue Anträge. Beziffern konnte Schwanhold die Zahl der neu eingehenden Anfragen gestern aber noch nicht.

„Es wird aber auch nicht jede Leistung von jedem in Anspruch genommen – warmes Mittagessen zum Beispiel gibt es längst nicht an jeder Schule“, sagt Sylke Schwanhold vom Jobcenter. Gut möglich ist aber auch, dass manche Eltern, die ihr Kind bisher mit Butterbroten in die Ganztagsschule geschickt haben, in Zukunft ein warmes Mittagessen buchen werden. In Hannover nimmt die Zahl der Schulen, die eine warme Mahlzeit anbieten, jedes Jahr zu. In Grundschulen kostet das Essen im Durchschnitt 2,51 Euro, manchmal aber auch nur einen Euro.

Der Spitzenwert liegt bei 3,25 Euro, an weiterführenden Schulen bei 3,70 Euro. Bedürftige Kinder zahlten bisher dann weniger, wenn ihre Schule Sponsoren gewann oder sich auf komplizierte Berechnungen für Landeszuschüsse einließ. Rund 2500 Schüler bekamen über ihre Schulen geringe Milch- oder Essenszuschüsse der Stadt. Angesichts der Preisunterschiede und Berichten von Kindern, die sich das Essen nicht leisten können, hofften auch Lokalpolitiker zuletzt auf das Geld vom Bund. Das Land hat seine Zuschüsse zum 1. April eingestellt.

„Unser Zuschuss-
system war nicht ganz einfach, aber für die Eltern hatte es den Vorteil, dass sie sich nicht darum kümmern mussten“, sagt Roman Haase, Sprecher des Kultusministeriums. Kümmern müssen sich nun Eltern und Einrichtungen. „Das muss schon gut organisiert sein“, sagt Thea Heusler von der Caritas. Die Eltern müssen sich von Kita oder Schule den Nachweis holen, dass ihr Kind dort isst. Dann prüfen Jobcenter oder Sozialamt die Berechtigung und vergeben im positiven Fall einen Gutschein, den die Familie beim Essens­anbieter abgibt. Im Fall der Caritas leitet die Kita den Gutschein an ihre Verwaltung, die dem Jobcenter zweimal pro Jahr Rechnungen schreibt. In der Kita sparen die Eltern zehn Euro pro Monat.