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Aus der Stadt Hier geht am Montag das Licht aus
Hannover Aus der Stadt Hier geht am Montag das Licht aus
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19:44 11.01.2015
„Licht aus für Rassisten“: Auch die Stadtwerke machen mit und schalten die Beleuchtung der „warmen Brüder“ in Linden aus.
„Licht aus für Rassisten“: Auch die Stadtwerke machen mit und schalten die Beleuchtung der „warmen Brüder“ in Linden aus. Quelle: Thomas
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Geschäfte und Institutionen setzen damit ein Zeichen des Widerstandes gegen Pegida und für Toleranz. Nur an einer Stelle soll es mehr Licht geben: An das Opernhaus, Ziel des umstrittenen Demozugs, sollen Lichtbilder projiziert werden, die für Toleranz werben.

Ursprünglich hatte es den Vorschlag gegeben, nur am Opernhaus, dem Ort der Pegida-Abschlusskundgebung, die Außenbeleuchtung abzuschalten. Nun schließen sich aber immer mehr Immobilienbesitzer der „Licht aus“-Aktion an - auch solche, die gar nicht an der geplanten Marschroute der Pegida-Anhänger vom Steintorplatz über die Georgstraße zum Opernplatz liegen.

Unter anderem sind es die niedersächsische Staatskanzlei, die Stadtwerke mit ihrem Heizkraftwerk in Linden, die Theater am Aegi und am Küchengarten, die Sparkasse mit ihren Gebäuden an der Goseriede, am Aegi und an der Landschaftstraße sowie die Nord/LB mit dem Glaspalast am Friedrichswall. Ursprünglich wollte das Institut auch das Gebäude am Georgsplatz verdunkeln. Dieser allerdings ist Schauplatz der Gegendemonstration. Zu den Unterstützern der „Licht aus“-Aktion zählen am geplanten Pegida-Treffpunkt auf dem Steintorplatz auch das Anzeiger-Hochhaus und die Kestner-Gesellschaft. „Wir wollen damit ein klares Zeichen setzen. Das Anzeiger-Hochhaus soll keine Kulisse für diese Kundgebung bieten“, betont Thomas Düffert, Chef der Madsack Mediengruppe, die auch die HAZ herausgibt.

Botschaften für Toleranz und Weltoffenheit

Auch das Opernhaus macht mit. Wenn sich die Islamkritiker dort zur Abschlusskundgebung versammeln, sollen allerdings per Laserlicht Botschaften für Toleranz und Weltoffenheit auf den verdunkelten Lavesbau projiziert werden. Der genaue Inhalt der Botschaften einer Initiative von hannoverschen Pegida-Gegnern ist allerdings noch geheim.

Karstadt-Geschäftsführer Peter Krause will sein Haus offen lassen, aber prüfen, ob er die Schaufensterbeleuchtung erlöschen lässt. Juwelier Jörg Stichnoth am Kröpcke will auf jeden Fall mitmachen: „Gegen jede Fremdenfeindlichkeit, die in Extremismus ausartet, ist anzugehen.“ Dunkel wird auch das Porzellangeschäft von Jürgen Weitz in der Georgstraße sein. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Man muss Rassismus bekämpfen, sonst drohen schreckliche Entwicklungen“, sagt Weitz. Auch die Commerzbank macht das Licht aus.

Ob weitere Geschäfte auf der Georgstraße, über die Pegida ziehen wird, ihr Schaufensterlicht löschen, war zunächst noch unklar. Auf jeden Fall muss auch die Straßenbeleuchtung eingeschaltet bleiben - und zwar „aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht“, wie Stadtwerkesprecher Carlo Kallen sagt. Die City-Gemeinschaft der Kaufleute startet keinen zentralen Appell - „wir sind ein unpolitischer Gewerbeverein und halten uns deshalb aus solchen Dingen heraus“, sagt Geschäftsführer Martin Prenzler.

Auch das Neue Rathaus wird die Lichter löschen, so wurde am Abend mitgeteilt. Tatsächlich hatte Oberbürgermeister Stefan Schostok das zunächst abgelehnt, weil das Gebäude sehr weit von der Route der Pegida-Demo zwischen Steintor und Opernplatz entfernt liegt. Gestern Abend revidierte er seine Meinung. Im Internet hatte das zunächst lebhafte Diskussionen ausgelöst. „Sollen wir nun abschalten oder nicht?“, lautete eine häufig gestellte Frage. Antwort: Wer will, macht das Licht aus.

Schröder spricht bei Demo für Toleranz

Die Organisatoren der friedlichen Anti-Hagida-Proteste erhalten immer mehr Unterstützung. Knapp 9000 Sympathisanten haben im Internet ihre Teilnahme an der Veranstaltung erklärt. Die Demonstration eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses von der Politik, über viele Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften bis zur Kulturszene beginnt am Montag um 17.30 Uhr mit einer multireligiösen Andacht in der Marktkirche. Von dort geht es gegen 18.15 Uhr auf den Georgsplatz. Als Redner auf dem Georgsplatz werden unter anderem Altkanzler Gerhard Schöder und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Edelgard Bulmahn, erwartet.

Unterdessen haben linke Gruppierungen dazu aufgerufen, die Pegida-Demo zu blockieren und den Steintorplatz zu besetzen, um sie den geplante Marsch durch die Innenstadt zu verhindern.

Von Bernd Haase 
und Tobias Morchner

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