Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Viele Bürger wollen ihr Haus bei Google Streetview nicht sehen
Hannover Aus der Stadt Viele Bürger wollen ihr Haus bei Google Streetview nicht sehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:26 20.11.2010
Selten sind Straßenzüge vollständig zu sehen, oft gibt es graue Stellen, an denen Hausbewohner oder Hausbesitzer die Gebäude haben pixeln lassen, wie hier in der Güntherstraße in der Südstadt.
Selten sind Straßenzüge vollständig zu sehen, oft gibt es graue Stellen, an denen Hausbewohner oder Hausbesitzer die Gebäude haben pixeln lassen, wie hier in der Güntherstraße in der Südstadt. Quelle: Screenshot
Anzeige

Stefan Schöpf ist über das Unternehmen Google mächtig verärgert. Schon vor Monaten hatte der 41-jährige Hannoveraner beantragt, dass das Haus, in dem er wohnt, bei Google-Street-View gepixelt wird. Gestern, also einen Tag nach dem Start des neuen Bilderdienstes für Hannover und weitere 19 deutsche Städte, bekam Schöpf Post von Google. „In dem Brief wird mir mitgeteilt, dass mein Einspruch nicht berücksichtigt werden kann“, berichtete er. Zur Begründung teilte ihm das Unternehmen mit, nur „natürliche Personen“ könnten das Unkenntlichmachen beantragen. Sollte das Gebäude einer natürlichen Person gehören oder von einer natürlichen Person bewohnt werden, könne diese das Verpixeln beantragen, heißt es in dem Schreiben des Unternehmens.

Schöpf machte auch mit der Telefon-Hotline von Google keine guten Erfahrungen. „Erst muss man sich fünf Minuten vom Band anhören, wie toll Google ist, dann kommt eine Telefonistin, die mir nicht weiterhelfen kann.“

Der 41-Jährige ist nicht der Einzige, der sich über den laschem Umgang mit den Einsprüchen durch Google ärgert. Ausgerechnet die hannoverschen Grünen, die sich massiv für eine Aufklärung über Street-View durch die Stadtverwaltung eingesetzt hatten, um „die Bürger vor der ungebetenen Ausforschung ihrer Privatsphäre zu schützen“, haben Probleme, das Grüne Zentrum im Senior-Blumenberg-Gang unkenntlich zu machen. Der Hauseigentümer habe fristgerecht Einspruch eingelegt, berichtete gestern Grünen-Ratsmitglied Maaret Westphely. „Der Widerspruch ist einfach nicht berücksichtigt worden“, sagt sie. Daher stelle sich die Frage, ob Google auch mit anderen Widersprüchen so fahrlässig umgegangen sei.

Sie beklagt sich auch über die vielen Gesichter von Bürgern in Hannover, die unverpixelt sind. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, der bundesweit für Street-View zuständig ist, hält das für Anfangsprobleme. Er schätzt die Fehlerqoute auf ein bis zwei Prozent, das liege an dem automatischen Programm, das Google für die Verpixelung eingesetzt habe. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragten gibt den Rat, Google zu melden, wenn Menschen erkennbar sind.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack weiß noch gar nicht, ob ihr Wohnhaus in der List gepixelt ist, wie sie es beantragt hatte. Die Verbraucherschutzexpertin hatte bisher keine Zeit, in den neuen Bilderdienst zu schauen. „Das habe ich mir für das Wochenende vorgenommen“, sagte sie gestern. Ihre CDU-Kollegin Maria Flachsbarth war schneller. Das Unkenntlichmachen ihres Wohnhauses habe funktioniert, berichtete sie. Ihr Grundstück sei so klein, dass die ganze Welt ins Wohnzimmer geschaut hätte, erläuterte sie. „Da habe ich etwas dagegen“, sagte Flachsbarth.

Andere sind dagegen enttäuscht, dass sie sich ihr Wohnhaus und die Umgebung gar nicht ansehen können, wie zum Beispiel Henrik Crone-Münzebrock. „Ich halte Google für einen genialen Service und war gespannt“, sagte er. Allerdings wird seine Straße, die Blumhardtstraße, von Street-View komplett ignoriert. „Das ist enttäuschend für mich“, meint er.
Wer sich auf die virtuelle Reise zum Beispiel durch das Prominentenwohnviertel um das Lokal Steuerndieb begibt, wird viele der schönsten und teuersten Häuser gar nicht erkennen. Dort haben besonders viele Bürger ihre Villen pixeln lassen.

Viele prominente Hannoveraner wollen ihre Häuser nicht im Internet haben, wie zum Beispiel Oberbürgermeister Stephan Weil. Es gebe keinen Grund, dass die ganze Welt sehen könne, wo er wohne, sagte der SPD-Politiker zur Begründung. Auch sein Amtsvorgänger Herbert Schmalstieg hat sein Haus unkenntlich machen lassen, genauso wie Rechtsanwalt Matthias Waldraff. „Das mache ich, um meine Familie zu schützen“, erklärte er.

Das Haus von Bürgermeisterin Hilde Moennig kann dagegen jeder sehen. „Unser Haus sieht von außen so schlimm aus, da will keiner einbrechen“, sagte sie. Auch der frühere Messe-Chef Klaus Goehrmann glaubt nicht, dass Kriminelle mithilfe von Street-View irgendetwas auskundschaften können. „Da bietet Google Earth deutlich bessere Details.“

Diejenigen, die ihr Haus haben pixeln lassen, gerieten in Verdacht, etwas Besonderes oder Interessantes verbergen zu wollen.“ Auch der Neurochirurg Madjid Samii hat sich dafür entschieden, dass sein Haus ohne Grauschleier im Internet betrachtet werden kann. „Da spricht doch nichts dagegen.“ Auch Samii argumentiert, dass mögliche kriminelle Täter durch Google Earth bessere Informationen bekämen. „Wer eine Straftat plant, der ist nicht auf Street-View angewiesen.“

Mathias Klein und Veronika Thomas

Mehr zum Thema

Am Donnerstag hat Google seinen Dienst Street-View in Hannover und 19 weiteren deutschen Großstädten gestartet. In Hannover allerdings noch nicht ganz einwandfrei

18.11.2010

Der virtuelle Spaziergang mit Google Street-View durch deutsche Städte stößt in Deutschland nach dem Start auf enormes Interesse. Es habe am ersten Tag so viele Abrufe gegeben wie in keinem anderen Land, teilte der Internetkonzern am Freitag mit.

19.11.2010

Google hat in der Nacht zu Donnerstag in seinem umstrittenen Straßenbilderdienst Street View die Straßenzüge von 20 deutschen Großstädten, darunter Hannover, online gestellt.

18.11.2010